Oberstammheim

«Die haben den Plausch daran, wir machen das zusammen»

Für Fritz Wehrli ist der Erhalt historischer Häuser eine Leidenschaft – und die Denkmalpflege somit kein Schreckgespenst. Ein «Ballenberg» sei sein Projekt aber nicht.

«Mach die Denkmalpflege zu deinem Partner!»: Fritz Wehrli, Eigentümer.

«Mach die Denkmalpflege zu deinem Partner!»: Fritz Wehrli, Eigentümer. Bild: Heinz Diener

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Was treibt Sie ganz persönlich an, dieses historische En­sem­ble zu restaurieren?
Sicher spielt die Familiengeschichte eine Rolle. Und auch das Bewusstsein, dass das En­sem­ble fast immer in der Familie war und dass wir hier einst eine gewisse Rolle gespielt haben. Das Wichtigste aber ist, dass ich mich stark engagiere im Bereich Denkmalschutz. Das Engagement eines Privaten, der sagen kann, das ist mein Haus, ist natürlich grösser als dasjenige für ein Haus im Eigentum einer Stiftung.

Was werden die besonderen Herausforderungen sein bei der Restaurierung der Häuser?
Für mich ist die grösste Herausforderung die Restfinanzierung von einer Million Franken. Aber ich bin guter Dinge, da ich mit der Mühle Tiefenbrunnen ja schon einmal ein so grosses Projekt realisiert habe.

Was antworten Sie Leuten, die sagen, «hier entsteht einfach ein weiteres Stück ­Ballenberg»?
Der erste Unterschied ist, dass es dieses Gebäudeensemble hier schon immer gegeben hat. Das ist ein Teil eines Dorfes, einer Landschaft. Es ist nicht anderswo ­abgebrochen und hier wieder aufgebaut worden. Auch haben wir keine Showbäckerei, keine Showschmiede und auch kein Showrestaurant. Entweder gibt es die Schmiede noch, oder es gibt sie irgendwann nicht mehr. Dann wird der Raum anders genutzt. Es wird hier nichts gemacht nur wegen der Show. Es ist alles echt, kein Disneyland.

Ist also die Nutzung der ­historischen Gebäude der ­Königsweg zu deren Erhaltung?
Das ist ein interessantes Thema. Ich war kürzlich an einer Tagung, an der eine wichtige Denkmalpflegerin sagte, dass sich die Nutzung dem historischen Gebäude anpassen müsse. Weil das aber so umständlich, aufwendig ist, muss man das Haus mit viel Herzblut und Begeisterung nutzen wollen.

Aber durch die Nutzung wird das Gebäude auch erhalten?
Das sieht man ja auch. Wichtige Hotels sind heute historische Hotels. Dar­um bin ich auch zu 100 Prozent davon überzeugt, dass wir mit unserem Projekt richtig liegen.

Es gibt Hausbesitzer, die sich über die Denkmalpflege ärgern, wenn sie sanieren, um- oder anbauen möchten. Sie haben sehr viel Erfahrung in diesem Gebiet. Welche Tipps geben Sie solchen Leuten?
Das Geheimnis ist, dass man auf die Denkmalpflege zugeht und sagt: Hört, ich habe eine Projektidee, und ihr seid meine Partner. Ich habe das in der Mühle Tiefenbrunnen so gemacht, ein Projekt mit den meisten Spezialbewilligungen in Zürich damals. Ich komme mit Leuten von der Denkmalpflege auch hier sehr gut aus. Die haben den Plausch daran, wir machen das also quasi zusammen. Trotz der hohen Messlatte: Ich möchte beweisen, dass es möglich ist, einen Gastrobetrieb in einem historischen Haus zu führen. Das ist eine meiner Botschaften. Also mein Geheimtipp ist: Mach die Denkmalpflege zu deinem Partner. Ich war noch nie ein Opfer der Denkmalpflege, jedes Problem liess sich lösen. Und ich hoffe, dass die nächste Generation sieht, dass so etwas einen Wert an sich hat.

Aber es ist auch ein Vorteil, dass das Haus ein Teil Ihrer ­Familiengeschichte ist. Sie identifizieren sich stark damit. Anders als jemand, der es ­einfach gekauft hätte.
Ja, das ist so.

Sollte es sich also jemand ­besonders gut überlegen, bevor er ein solches ­historisches Gebäude kauft?
Ja. Aber wer würde ein derartiges Haus kaufen? Das kauft kein Hotelier oder Gastronom. Das kauft ein Ausländer, der es restauriert als Privathaus mit schönem Garten. Damit aber geht die öffentliche Zugänglichkeit verloren, was aus Sicht von Bund und Kanton so wichtig ist. Dass es in meinem Fall als Gasthof zugänglich ist, ermöglicht es mir ausserdem, die Restaurierung des Hirschen-Ensembles zu finanzieren. Der Bund sagt, dass das eine Pionierleistung eines Privaten sei, der das ganze Risiko eingeht für etwas, wodurch er so viel Aufwand hat. (Landbote)

Erstellt: 08.05.2015, 09:14 Uhr

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