Stammheim

Fehr und Rickli üben sich in Harmonie

An einem Podium waren sich Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) und Nationalrätin Natalie Rickli (SVP) auffällig oft einig. Aber nur solange es um eher softe Themen ging.

Diskutierten in Stammheim: Fehr und Rickli (von links). Fotos: sab, mad

Diskutierten in Stammheim: Fehr und Rickli (von links). Fotos: sab, mad

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Auch Regierungsrätinnen haben Hobbys: Jacqueline Fehr (SP) wandert zum Beispiel gerne in den Bergen oder sie spaziert bis in die Nacht hinein an der frischen Luft. «Das brauche ich, um die eigene Arbeit wieder mit etwas Distanz zu sehen», sagte sie am Dienstagabend an einer Podiumsdiskussion in Stammheim vor über 50 Zuschauern. «Nur wer sich richtig erholt, kann auf Dauer gute Leistung bringen.»

SVP-Nationalrätin Natalie Rickli, die wie Jacqueline Fehr am 24. März für den Regierungsrat kandidiert, stimmte ihr sofort zu und nickte: «Auch mir ist Sport wichtig», sagte sie. In den ersten Jahren im Regierungsrat hätte sie zwar vermutlich weniger Zeit dazu. «Aber da kann ich von Jacqueline sicher lernen, wie das geht.»

Während der ganzen Debatte blieb die Stimmung auffällig harmonisch, selbst dann, als es um kontroverse Themen wie Zuwanderung oder Strafrecht ging. So antwortete Rickli auf die Frage, was sie in Fehrs Justizdirektion anders gemacht hätte, zuerst: «Sie hat die Opferhilfe ausgebaut. Das finde ich gut.» Die beiden Winterthurerinnen scheinen sich bereits darauf eingestellt zu haben, dass sie bald in der Regierung zusammenarbeiten.

Sofort ausschaffen?

Dennoch blieben die inhaltlichen Differenzen gross. Schon kurz darauf kritisierte Rickli, dass Täter bei häuslicher Gewalt in Zürich zu wenig bestraft würden. «Jeder Mann, der seine Frau schlägt, ist zu verurteilen», sagte sie. Und wer so handle, der soll ausgeschafft werden. Denn man dürfe «nicht negieren», dass es in solchen Fällen oftmals um Personen mit Migrationshintergrund gehe. Die Ausschaffungsinitiative müsse deshalb konsequent umgesetzt werden.

Jacqueline Fehr antwortete ihr, dass häusliche Gewalt nicht einfach nur nach einem Schwarz-Weiss-Schema beurteilt werden könnten. «Opfer ziehen ihre Anzeigen in über 50 Prozent der Fälle nach kurzer Zeit wieder zurück.» Denn eine Verurteilung des Mannes könne für Familien gravierende Folgen haben. Je nach dem breche das Einkommen weg, Kinder müssten auf ihren Vater verzichten und Frauen würden zusätzlich unter Druck gesetzt.

Deshalb müsse man im Einzelfall abwägen können, um unnötige Kollateralschäden zu verhindern. Zudem sei es bei weitem nicht so, dass häusliche Gewalt nur in Familien mit Migrationshintergrund vorkomme. «Betroffen sind ganz häufig wohlsituierte Familien.»

Organisiert hatten die Podiumsdiskussion die SP und die SVP des Bezirks Andelfingen. Markus Späth (SP) und Michael Trachsel (SVP) moderierten. Die übrigen Kantonsratskandidaten der beiden Parteien konnten sich auch in die Diskussion einschalten. Als Jacqueline Fehr über Integration sprach, meldete sich Konrad Langhart, Präsident der Zürcher SVP zu Wort. «Das ist ja alles schön und gut», sagte er. Vielen Leuten bereite die hohe Zuwanderung aber grosse Sorgen, «was sagst Du diesen?».

Fehr antwortete, dass es ein zentrales Thema sei, das Bevölkerungswachstum so zu steuern, dass die Lebensqualität hoch bleibe. Die Zuwanderung könne man zudem beeinflussen. So habe sie etwa mit der Tiefsteuerpolitik zu tun, die Firmen anlocke. «Die nehmen ihre Arbeitskräfte mit.»

Eine weitere Möglichkeit sei es, Frauen, die Kinder haben, besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren, damit es weniger Fachkräfte aus dem Ausland brauche. Natalie Rickli konterte prompt: Man hätte das mit der SVP-Initative regeln können. Die Zuwanderung belaste etwa die Sozialwerke und die Schulen. «Ich will keine Zehn-Millionen-Schweiz.»

Ärger mit Internet-Trolls

Einig waren sich Fehr und Rickli grundsätzlich beim Thema Endlager für Atommüll «Sicherheit geht vor.» Ähnliche Erfahrungen machen sie als bekannte Persönlichkeiten auch in der Öffentlichkeit. Auf den Strassen seien Begegnungen meist positiv, im Internet hingegen sei das anders. Insbesondere Frauen würden öfter belästigt.

Erstellt: 13.02.2019, 18:10 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!