Grossfusion im Weinland

Gemeindename und Wappen diskutiert

An einem Workshop konnte die Bevölkerung von Adlikon, Andelfingen, Henggart, Humlikon, Kleinandelfingen und Thalheim über das Wappen und den Namen der Fusionsgemeinde debattieren.

Zwei der sechs vorgeschlagenen Gemeindewappen haben von den rund 80 Workshopteilnehmern am Dienstagabend in Andelfingen keinen einzigen Punkt erhalten.

Der Grund: Die Farben Grün und Gelb würden ans Thurgauer Wappen erinnern, was in den sechs Diskussionsgruppen sehr schlecht ankam. «Das geht gar nicht, das ist ein absolutes No-Go», meinte eine Gruppe. Dem Wappen mit dem roten Löwen auf weissem Hintergrund gaben die Teilnehmer nur einen Punkt – es erinnere zu stark an Winterthur, war zu hören.

Der Andelfinger Bevölkerungsworkshop war der erste seiner Art im Rahmen des Fusionsprojekts in der Region Andelfingen. Der gleiche Workshop findet am 17. April in Henggart statt (Wylandhalle, 19.30 Uhr). Im Moment prüfen die Behörden zwei Fusionen: der sechs Politischen Gemeinden Adlikon, Andelfingen, Henggart, Humlikon, Kleinandelfingen und Thalheim zum einen sowie aller Schulen in diesen Gemeinden zum anderen.

Über die beiden Fusionen findet im November 2020 eine Urnenabstimmung statt. Informationen zum Fusionsvorhaben mit der Bezeichnung «Die Zukunft unserer Gemeinden in die Hand nehmen» gibt es auch auf der Website www.fusion-ra.ch.

Kyburg ist fast überall

In vier der sechs bestehenden Gemeindewappen gibt es einen oder zwei Löwen. Der Löwe als Wappentier geht auf das Adelsgeschlecht Kyburg zurück, das sich diese Gemeinden auch mit dem Thurgau und Winterthur teilen.

«Wer hat schon einmal einen Löwen eine Traube halten oder essen gesehen?» 

Die sechs Vorschläge für das neue Gemeindewappen enthalten vier Elemente in unterschiedlicher Grösse und Kombination: einen Löwen, eine Traube, einen Fluss (die Thur) und sechs Sterne (die bisherigen Gemeinden). Alle vorgeschlagenen Wappen wurden von einem Wappenkundler auf ihre Zulässigkeit hin vorgeprüft. Auf den drei Wappen mit dem Löwen hält dieser eine Traube in der Pfote.

Das gehe gar nicht, fand ein Teilnehmer am Workshop. «Wer hat schon einmal einen Löwen eine Traube halten oder essen gesehen?» Wenn schon, dann müsste es ein Stück Fleisch sein, meinte der Mann. Eine Frau fand, es gebe zu viele Sterne auf den Wappen, «das ist Amerika-Style». Für einen Mann waren es hingegen zu wenige Sterne – er wollte für jedes der heutigen elf Dörfer einen Stern, nicht nur für die sechs Gemeinden.

Und ein anderer Mann wollte gleich alle sechs Wappen der bisherigen Gemeinden aufs neue Wappen pappen. Die Traube stiess auch deshalb auf Sympathie, weil sie in den heutigen Wappen nicht vorkommt und somit – anders als der Löwe – für alle neutral ist.

«Könnte Opposition geben»

Die Projektgruppe Gesellschaft schlug nicht nur sechs Wappen, sondern auch drei Gemeindenamen vor: Andelfingen, Wyland-Süd und Wyland. Der Name Wyland-Süd schloss in der Diskussion und der anschliessenden Punktevergabe am schlechtesten ab. Das klinge wie der Name einer Autobahnraststätte oder -ausfahrt, meinten viele.



«Eine Ortskommission ohne Kompetenzen bringt nichts.»

Auch wirke die Bezeichnung «Süd» abspaltend gegenüber dem Rest des Weinlandes. Als auswärtiger Beobachter staunte man über die beiden Wyland-Vorschläge. Denn schliesslich gehören zum Zürcher Weinland noch 16 weitere Gemeinden. Die Kritik wurde dann auch von etlichen Teilnehmern geäussert. Ein Mann bezeichnete Wyland als «problematisch, das könnte Opposition geben».

Zum Beispiel aus der Gemeinde Marthalen, die sich selber gleichsam als Herz des Weinlandes sieht. Andere Teilnehmer sahen dieses Problem indes nicht. Sie sahen den Namen vielmehr in einer Perspektive: «Vielleicht kommen ja andere Gemeinden später hinzu.» Eine Gemeinde namens Wyland wäre also offen für weitere Zusammenschlüsse, so die Argumentation. Der Name Wyland hat noch einen weiteren Haken.

Der Bund, hiess es von der Projektgruppe, könnte die Bezeichnung im Dialekt beanstanden, sodass man möglicherweise auf Hochdeutsch – also auf Weinland – wechseln müsste. Am gleichen Workshop nächste Woche in Henggart können die Teilnehmer ebenfalls für die Wappen- und Namensvorschläge konsultativ abstimmen. Allenfalls soll es noch eine Internetabstimmung dazu geben.

Ein «kleiner Gemeinderat»

Die Teilnehmer des Workshops diskutierten auch Befürchtungen und Risiken einer Fusion. Die am häufigsten geäusserte Angst: Die kleinen Gemeinden und Dörfer könnten in einer Grossgemeinde zu kurz kommen, nicht mehr gehört werden.

Um hier etwas Gegensteuer zu geben, wäre in jeder aufgelösten Gemeinde eine sogenannte Ortskommission geplant. Laut der Projektgruppe Gesellschaft sind diese Kommissionen allerdings nur für die Vereine gedacht, damit die Wege für sie zum Gemeinderat kurz bleiben.

Doch in den Gruppendiskussionen wurden die Ortskommissionen teils mit politischer Bedeutung aufgeladen. Die Kommissionen sollen auch finanzielle Kompetenzen haben, forderte jemand. «Eine Ortskommission ohne Kompetenzen bringt nichts», meinte jemand anderes.

Es gab aber auch warnende Stimmen. Eine Art «kleiner Gemeinderat» in den ehemaligen Gemeinden sei problematisch, sagte eine Frau aus Andelfingen. Und ein Mann aus Henggart meinte sogar, dass solche Kommissionen schlicht nicht rechtens seien.

Text: Markus Brupbacher (Der Landbote)

Erstellt: 10.04.2019, 17:56 Uhr

Artikel zum Thema

Grossfusion im Weinland geplant

Weinland Andelfingen, Kleinandelfingen, Adlikon, Humlikon, Henggart und Thalheim an der Thur prüfen eine Gemeindefusion. Wie sie gestern mitteilten, soll die Bevölkerung bald einen Grundsatzentscheid fällen. Mehr...

Behörden geben Schub bei Grossfusion

Andelfingen Eine neue Webseite auch für Fragen zur Fusion sowie Workshops, in denen die Stimmbürger nicht nur informiert, sondern auch einbezogen werden: Jetzt wird die Bevölkerung von den Behörden ins Boot geholt. Mehr...

Fusionsfans müssen sich warm anziehen

Andelfingen Seit bald einem Jahr dümpelt das Andelfinger Fusionsprojekt vor sich hin. Doch nun ist die Ruhe vorbei. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Paid Post

Burger ahoi auf dem Zürichsee

Feines Fast Food zum Feierabend: Ab dem 16. Mai geht das Build-your-Burger-Schiff auf Kurs – mit neuen Ideen und spannenden Kreationen.

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben