Marthalen

Grundeigentümer: «Wie immer sagten sie uns, dass ja noch nichts entschieden sei»

Die Entscheidung ist schon gefallen: Das Zürcher Weinland bleibt im Fokus als Endlagerstandort. Die rund 15 Grundeigentümer sind am Mittwoch vorinformiert worden.

«Hier plant die Nagra ein Endlager»: Der Atomendlager-Kelch ist erst am Weinland vorübergegangen – nun kommt er wieder näher.

«Hier plant die Nagra ein Endlager»: Der Atomendlager-Kelch ist erst am Weinland vorübergegangen – nun kommt er wieder näher. Bild: David Baer

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Das Geheimnis, welche der sechs Endlager-Regionen nicht weiter untersucht werden und somit aufatmen können, wird heute Vormittag im Medienzentrum des Bundeshauses gelüftet. Doch in einem Dorf wird geredet, Neuigkeiten machen schnell die Runde – so auch in Mar­tha­len.

So sickerte schon am Mittwochabend durch, dass hochrangige Vertreter der Nagra, des Bundesamtes für Ener­gie­ (BFE), des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats und des Kantons im Ort seien. Ihre Aufgabe: die rund 15 Grundeigentümer vorinformieren. Also jene Leute, die vom «Tor zum Endlager» eineinhalb Kilometer nördlich von Mar­tha­len als Land- oder Waldbesitzer direkt betroffen wären.

Angebot, sich zu beteiligen

«Ja, das Weinland bleibt im Rennen», erzählt ein Grundeigentümer. «Die Einladung zum Info­anlass haben wir bereits am 6. Januar erhalten.» Schon damals habe er mit dem Ja gerechnet, «sonst wären die nicht extra zu uns hinausgefahren». An die eineinhalbstündige Information im Gemeindesaal zur Stube hätten «wir Betroffenen umsonst kommen sollen». Erst auf Druck hin erhalten sie eine Entschädigung.

Einen Zettel erhielten sie bereits, auf dem stand, dass alle Informationen persönlich und vertraulich seien. «Ich mache kein Geheimnis draus.» Welche anderen Regionen auch noch für ein Endlager infrage kommen, sei ihnen nicht gesagt worden. Nebst dem Zettel erhielten die Grundeigentümer noch ein Angebot – sie alle dürfen jetzt an der Regionalkonferenz teilnehmen. «Doch vorher müssten wir eine Art Kurs, eine Einführung besuchen, damit wir auf dem gleichen Wissensstand seien wie der Rest der Konferenz», erzählt der Grundeigentümer. Dazu gehöre auch der obligate Besuch des Felslabors Mont Terri im Jura, wo am Opalinuston geforscht wird, in dem der Atommüll gelagert werden soll. Das sei reine Hirnwäsche, da mache er nicht mit. «Und was wollen wir jetzt noch erreichen in der Regionalkonferenz?» Die letzten Jahre hätten es gezeigt, dass man dort «gar nichts bewirkt, das ist eine reine Alibiübung».

«Nur Lippenbekenntnisse»

Die Land- und Hausbesitzer wollen, dass die Frage der Entschädigung jetzt beantwortet wird, damit sie ihre Investitionen planen können. «Unser Gedanke an die Zukunft ist blockiert, denn den Nachteil haben wir jetzt schon.» Doch insbesondere vom BFE kämen nur Lippenbekenntnisse. «Wie immer sagten sie uns, dass ja noch nichts entschieden sei, dass dies erst ein Vorschlag der Nagra sei, dass wir einfach so weitermachen sollten wie bisher und uns keine Sorgen machen müssten», erzählt der Grundeigentümer voller Wut. Der Vertreter des Kantons habe am Mittwochabend versprochen, dass man den Vorschlag genau prüfen werde und dazu personell extra «aufmunitionieren» wolle. Doch am Schluss komme es wie beim Flughafen, befürchtet er: Man sage jetzt, dass noch nicht sicher sei, ob etwas gebaut werde. Und wenn dann gebaut werde, sage man den Grundeigentümern: Das hättet ihr ja wissen können.

«Sie verkauft unsere Region»

«Wir hängen momentan massiv in der Luft und wissen gar nicht, wo wir Druck machen, den Hebel ansetzen können», erzählt der Grundeigentümer.

«Mit direkter Demokratie hat das nichts mehr zu tun», sagt er und übt massive Kritik an der SVP: «Denen müsste es eigentlich den Magen umdrehen.» Die seien ja uneingeschränkt für die direkte Demokratie und wetterten ständig gegen «Bern» und die Behörden. Und wer Kritik an der Endlagersuche übe, der werde von der SVP als links-grün verschrien. «Aber sie verkauft unsere Region.» (Landbote)

Erstellt: 06.04.2015, 12:58 Uhr

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