Berg am Irchel

Handfütterung für den Uhu

Der verletzte Uhu in der Greifvogelstation Berg am Irchel braucht noch Hilfe beim Fressen. Seine Pfleger sind aber zuversichtlich, dass er bald wieder in Freiheit fliegen kann.

Dieser Uhu soll in der Greifvogelstation Berg am Irchel gesund werden.

Dieser Uhu soll in der Greifvogelstation Berg am Irchel gesund werden. Bild: Marc Dahinden

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Als Andi Lischke die Box öffnet, sitzt der Uhu ruhig da. Leise beginnt er zu fauchen. Der Leiter der Greifvogelstation lässt sich davon nicht beeindrucken. Vorsichtig packt er die Eule an den Füssen, damit er sich nicht an den scharfen Krallen verletzt, und zieht den Vogel ins Freie.

Es ist Fütterungszeit. Zudem will Lischke den Uhu untersuchen und wägen. Das Wildtier mit den Federohren flattert draussen kurz mit den Flügeln, lässt die Prozedur dann aber erstaunlich gelassen über sich ergehen.

Andi Lischke mit dem Uhu. Bild: mad

Blutspuren am Schnabel

Eingeliefert wurde der Uhu am 11. Januar. Jemand hatte ihn in einem Steinbruch in Mellikon (AG) entdeckt. Der imposante Vogel sass hilflos auf dem Boden und konnte nicht mehr fliegen. Lischke bemerkte später Blutspuren am oberen Schnabel und eine leichte Schramme am Fuss. An den Flügeln konnte er hingegen keine Verletzungen feststellen. «Vermutlich hatte er einen Zusammenprall mit einem Auto oder einer Leitung», sagt Andi Lischke.

 Der Uhu-Bestand wird auf nur noch 200 bis 230 Brutpaare geschätzt. 

Uhus sind in der Greifvogelstation in Berg am Irchel eher seltene Patienten. Durchschnittlich ein Exemplar pro Jahr wird hier behandelt. Meist sind es jüngere Eulen, die sich auf der Suche nach neuen Revieren verletzen. In der Schweiz sind Uhus stark gefährdet. Ihr Bestand wird auf nur noch 200 bis 230 Brutpaare geschätzt. Zu Gesicht bekommt man Uhus nicht nur deshalb selten. Sie ruhen tagsüber an gut versteckten Orten und jagen vor allem im Schutz der Dämmerung: Frösche, Hasen, Enten, Raben oder andere Kleintiere gehören zur Beute.

Der verletzte Uhu in der Greivogelstation wird mit männlichen Küken aufgepäppelt. Es sind Tiere, für die man bei der Eierproduktion keine Verwendung mehr hat. Andi Lischke hält hierzu mit einer Hand den Kopf des Uhus und drückt ihm mit der anderen gleich sechs Stück in den Rachen. Der Uhu sieht mit seinen grossen Augen seltsam verwundert aus, schluckt jedoch alles anstandslos.

Andi Lischke füttert den Uhu gleich mit sechs Kücken auf einmal. Bild: mad

Die Fütterung von Hand ist nötig, weil er von selber noch nichts frisst. In der freien Natur ist er sich lebende Beute gewohnt. Auch beim Wägen bleibt der Uhu ruhig. Regungslos liegt er auf dem Rücken, ohne dass er festgehalten würde. 1820 Gramm wiegt das ausgewachsene Männchen. Weibchen können mit bis zu drei Kilogramm deutlich schwerer werden. Schliesslich wird dem Patienten mit einer Spritze noch etwas Schmerzmittel und Entzündungshemmer eingeflösst, danach geht es zurück in die Box.

Andi Lischke wiegt den Uhu. Er bringt 1820 Gramm auf die Waage. Bild: mad

Bald ist Brutzeit

Andi Lischke ist zuversichtlich, dass der Uhu bald wieder selber frisst. Gelingen danach Flugübungen in der Volière, kann er wieder in die Freiheit entlassen werden. Wo das sein wird, ist offen. In der Regel entlässt die Greifvogelstation Vögel im nahen Irchelwald, um stressige Transporte zu vermeiden. In diesem Fall könnte eine Rückführung nach Mellikon sinnvoll sein, da bald die Brutzeit beginnt. Man hat im Steinbruch bisher zwar kein weibliches Exemplar gesehen. Doch wer weiss? Vielleicht kann der genesene Uhu noch dieses Jahr zu einem stabileren Bestand beitragen.

Der Uhu mit seinen stechenden Augen. Bild: mad

Erstellt: 16.01.2020, 18:06 Uhr

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