Berg am Irchel

Junge Habichtskäuze lernen für die Wildnis

Die Greifvogelstation züchtet erfolgreich Habichtskäuze. Schon sechs Jungtiere konnten in Österreich in die Freiheit entlassen werden. Drei weitere folgen bald. Noch üben sie aber.

Die Greifvogelstation in Berg am Irchel kümmert sich nicht nur um verletzte Jungtiere, sondern ist auch bei einem Projekt dabei, das den bedrohten Habichtskauz wieder ansiedeln will.
Video: Lisa Aeschlimann

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Es ist nie ganz klar, wo die jungen Habichtskäuze in der Greifvogelstation in Berg am Irchel hinschauen. Ihre Augen sind so dunkel, dass keine Pupillen erkennbar sind. Wie kleine schwarze Knöpfe liegen die Augen im runden Gesicht. Die Käuze drehen Besuchern ihre wuscheligen Köpfe jedoch rasch entgegen. Besonders wachsam sind zurzeit die Eltern. Beide positionieren sich sofort in der Höhe. Käme man ihren drei Jungtieren jetzt zu nahe, würden sie ihre Krallen ausfahren.

Andreas Lischke leitet die Greifvogelstation in Berg am Irchel. Foto: mad

Und die haben es in sich. Denn Habichtskäuze sind nach dem Uhu die zweitgrösste Eulenart Mitteleuropas. Bis zu 60 Zentimeter gross werden die Vögel. 20 Jahre alt können sie werden. Habichtskäuze leben in lichten, alten Wäldern und suchen mit ihrem feinen Gehör nach Nagetieren, die sie dann im lautlosen Segelflug mit ihren Krallen packen. Mäuse oder auch Ratten gehören zu ihren Lieblingsspeisen.

Bedrohte Vögel

Vielerorts wurden Habichtskäuze allerdings ausgerottet, wie Andreas Lischke, Leiter der Greifvogelstation, sagt: «Früher betrachtete man Greifvögel fälschlicherweise als Schädlinge, also jagte man sie.» Inzwischen ist bekannt, dass sie in Ökosystemen eine wichtige Funktion übernehmen. «Sie helfen dabei, Bestände zu regulieren und verhindern etwa die Ausbreitung von Krankheiten.»

«Habichtskäuze müssen für die Wildnis nicht extra jagen lernen, die können das instinktiv.»Andreas Lischke, Leiter Greifvogelstation Berg am Irchel

Während es in der Schweiz keine Nachweise gibt, dass Habichtskäuze einst heimisch waren, ist das in Österreich anders. 2009 startete im Wiener Wald deshalb ein aufwendiges Wiederansiedlungsprojekt, an dem sich die Greifvogelstation der Stiftung Paneco beteiligt. Bereits sechs Jungtiere konnten von hier nach Österreich gebracht werden. Möglich geworden ist das Dank Strixi und Sidra. Die beiden Habichtskäuze aus einem Zoo in Magdeburg und aus Haringsee bei Wien kamen vor rund drei Jahren in die Schweiz. Bereits im zweiten Jahr in Berg am Irchel brüteten sie zwei Jungtiere aus. Vier weitere folgten im vergangenen Jahr. Dieses Jahr sind drei Jungtiere geschlüpft.

Ein Käuzchen äugt neugierig in die Linse. Foto: mad

Damit dies gelingt, muss sich das Paar wohlfühlen und harmonieren. Denn Habichtskäuze leben monogam und reagieren empfindlich auf Störungen. Auch die richtige Ernährung ist wichtig. Andreas Lischke verfüttert ihnen tote Ratten oder Mäuse. Teilweise reichert er ihre Kost mit Vitaminen an. Obschon es bei Auswilderungsprojekten erlaubt wäre, gibt er ihnen keine lebenden Tiere. «Habichtskäuze müssen für die Wildnis nicht extra jagen lernen», sagt er. «Die können das instinktiv.»

Nicht verhätscheln

Dennoch gilt es bei der Auswilderung einiges zu beachten. Entscheidend sei, dass die Vögel nicht verhätschelt werden, sagt Lischke. Bei der Aufzucht greift er deshalb möglichst wenig ein und liefert vor allem Futter. Über einen Bildschirm kann er die Vögel in ihrem Unterschlupf in einem Baumstrunk beobachten und in Notfällen reagieren.

Momentan ist das nicht nötig. Eines der Jungtiere sitzt ruhig im Nest und hüpft hin und wieder zum Baumloch hinauf. Ein anderes flattert von Ast zu Ast, das dritte kauert scheu am Boden.

Ein kleine Habichtskauz schaut in die Kamera, die Mutter im Hintergrund passt auf, dass ihm niemand zu nahe kommt. Bild: mad

Schon im Alter von 70 Tagen werden die Vögel in eine gut versteckte Voliere im österreichischen Wald gebracht. Dort sollen sie sich an ihren künftigen Lebensraum gewöhnen. Dank eines Bekannten von Lischke geht die Reise schnell. Dieser ist Pilot und fliegt ihn und die Käuze mit seinem Privatflugzeug nach Wien. (Landbote)

Erstellt: 16.05.2019, 18:41 Uhr

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