Stammertal

Kanton hilft bei einmaliger Aktion

Rund 800 Obstbäume sollen nach dem Orkan von Anfang August im Stammertal neu gepflanzt werden. Sogar der Kanton will sich an den Kosten beteiligen.

Entwurzelte Obstbäume im Stammertal nach dem Orkan vom 2. August.

Entwurzelte Obstbäume im Stammertal nach dem Orkan vom 2. August. Bild: Archiv / Nathalie Guinand

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Mit Windböen bis zu 170 Kilometern pro Stunde zog in der Nacht vom 1. auf den 2. August ein Orkan durchs Stammertal. Die Superzelle brachte Hagel, heftigen Wind und sintflutartigen Regen. Vermutlich entstand in dieser Zelle auch ein tornadoartiger Luftwirbel. So schreibt der Forstrevierverband Stammertal im aktuellen Mitteilungsblatt, dass die umgestürzten Baumstämme nicht nur in der Hauptwindrichtung von West nach Ost liegen, «sondern teilweise auch genau umgekehrt».

«Die mögliche Pflanzaktion wird eine Ausnahme bleiben.»Marco Pezzatti, 
Chef des Amts für Landschaft und Natur (ALN)

Der Verband spricht von «enormen Verwüstungen», wobei das Schadensausmass laufend nach oben korrigiert werden müsse. Denn noch immer würden bei den Aufräumarbeiten gebrochene und verkrümmte Bäume zum Vorschein kommen. Momentan wird von einer Menge von mindestens 15 000 Kubikmeter Schadholz ausgegangen. Nach den Aufräumarbeiten sollen nächstes Jahr Projekte ausgearbeitet werden, um die kahlen Sturmflächen zu bewalden.

3000 Franken von der Kirche

Doch nicht nur im Wald knickten oder entwurzelten die starken Windböen Bäume. Auch zahlreiche hochstämmige Obstbäume auf Wiesen im ganzen Tal wurden zerstört. Um die Baumbesitzer finanziell zu unterstützen, planen die Gemeinderäte des Stammertals eine Hochstammbaum-Pflanzaktion. An der Aktion ist auch das kantonale Amt für Landschaft und Natur (ALN) beteiligt.

Der provisorische Geldbetrag liegt bei rund 64 000 Franken, was 800 Hochstammbäumchen à circa 80 Franken entspricht. Die Kosten sollen je zu einem Drittel unter den Stammertaler Gemeinden, dem ALN und den Obstbaumbesitzern aufgeteilt werden. Die reformierte Kirchenpflege Stammheim habe bereits einen Beitrag von 3000 Franken zugesagt, heisst es im Mitteilungsblatt weiter.

«Teils sehr alte Bäume»

Das ALN sei vom Oberstammer Gemeindepräsident Martin Farner angefragt worden, ob es sich an der geplanten Pflanzaktion beteiligen würde, sagt Amtschef Marco Pezzatti auf Anfrage. Sobald das Bepflanzungskonzept der Gemeinde vorliege, zum Beispiel mit den zu pflanzenden Baumarten, werde das ALN definitiv entscheiden. Es treffe zu, dass sich der Kanton mit maximal einem Drittel der Kosten beteiligen würde. Das Unwetter im Stammertal habe «sehr viele hochwertige und teils sehr alte Bäume zerstört», sagt Pezzatti weiter. Und zwar in einem Umfang, wie es im Kanton Zürich «sehr selten vorkommt».

Obstbäume hätten eine wichtige landwirtschaftliche, landschaftliche und ökologische Funktion. «Die offensive Reaktion der Gemeinden verstehen wir als regionales und lokales Bekenntnis, dass Obstbäume zu ihrem Landschaftsbild gehören.» Solche Initiativen fände man im Grundsatz «sehr gut». Seit einigen Jahren fördert der Bund das Pflanzen von Obstbäumen wieder aktiv. Im Kanton Zürich geschieht dies über das ALN.

Pflanzaktionen nach Stürmen wie im Stammertal sind laut Pezzatti in den letzten Jahren aber keine erfolgt. «Das Witterungsereignis im Stammertal war einmalig.» Daher werde die mögliche Pflanzaktion auch «eine Ausnahme bleiben».

Verstopfte Abflüsse

Der sehr starke Hagel führte vor allem in Oberstammheim ausserdem dazu, dass die Abflussschächte der Strassenentwässerung durch Hagelkörner und Laub verstopften. Dadurch kam es zum Beispiel zu überfluteten Kellern. Aktuell wird versucht, den Verlauf des Hochwassers vom 2. August zu rekonstruieren, um dann allfällige bauliche Massnahmen zu verwirklichen. Erst kürzlich hat der Kanton die Gefahrenkarte auch für Oberstammheim erlassen.

Naturgefahrenkarte Oberstammheim.

Auf der Karte (siehe oben) und im dazugehörigen Bericht fällt etwas auf: An mehreren Stellen im Siedlungsgebiet drohen seit Längerem sogenannte Verklausungen. Das bedeutet, dass die Abflüsse bei starkem Regen zum Beispiel durch Holz verstopfen und überlaufen. Die Folge: Die Bäche aus den Tobeln unterhalb des Stammerbergs treten über die Ufer und das Wasser sucht sich seinen Weg quer durchs Siedlungsgebiet.

(Der Landbote)

Erstellt: 12.10.2017, 18:07 Uhr

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