Gericht

Mit 143 Stundenkilometern in die Radarfalle

Das Bezirksgericht Andelfingen hat am Mittwoch einen Raser verurteilt. Er war bei Waltalingen ausserorts mit mit 143 Stundenkilomentern unterwegs gewesen.

Auf einer 80er-Strecke war ein 57-Jähriger viel zu schnell unterwegs.

Auf einer 80er-Strecke war ein 57-Jähriger viel zu schnell unterwegs. Bild: Symbolbild/Keystone

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Rücksichtslos und ohne jede Rechtfertigung, sei das Verhalten des Beschuldigten gewesen, sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Sie hatte kein Verständnis für die Erklärungsversuche des 57-jährigen Angeklagten, der vor zwei Jahren ausserorts von Waltalingen mit gemessenen 143 Stundenkilometern geblitzt worden ist. Erlaubt wären 80 gewesen. Gestern beriet das Bezirksgericht Andelfingen den Fall. Der Angeklagte befand sich an jenem Morgen auf dem Weg nach Zürich. Er kam, wie er zu Protokoll gab, eben von einem Termin in einer Pflegeklinik, wo er seine schwerkranke Mutter besuchte, und wo er mit den Ärzten über die Weiterführung von lebensverlängernden Massnahmen für sie habe sprechen müssen. Aus diesem belastenden Gespräch heraus war er unterwegs an einen Geschäftstermin in Zürich gewesen, wie er zugab, etwas unter Zeitdruck. Soweit der Sachverhalt.

«Sie liessen sich sogar einen Vollbart wachsen, um nicht als Fahrer auf dem Radarfoto erkannt zu werden.»Die Staatsanwältin

Während der Einvernahme war der Angeklagte laut Protokoll noch nicht geständig gewesen. Er hatte bestritten, dass er der Lenker des Wagens gewesen sei. «Sie liessen sich sogar einen Vollbart wachsen, um nicht als Fahrer auf dem Radarfoto erkannt zu werden», erinnerte ihn die Staatsanwältin an der gestrigen Gerichtsverhandlung. Gestern gab der Beschuldigte nun zu, dass er das Auto an diesem Tag gefahren habe. Weshalb er dies zuerst bestritten habe, fragte der Richter. Der Angeklagte sagte, er sei selber über die Höhe seiner Geschwindigkeitsübertretung erschrocken. Er habe dann sofort einen Anwalt gesucht und dessen Ratschläge befolgt. Noch vor dem Prozess hat er den Anwalt aber gewechselt: «Ich habe die Strategie meines ersten Anwalts aus moralischen Gründen nicht mehr mittragen können.»

In Deutschland fahren gelernt

Nun geständig, versuchte der Angeklagte zu erklären, wie es zu dieser massiven Geschwindigkeitsübertretung habe kommen können. Er, der deutsch-schweizerischer Doppelbürger ist, habe in Deutschland fahren gelernt und sei daher an ein schnelleres Fahrtempo gewohnt. Er sei ein sicherer, erfahrener Fahrer. Es sei aber möglich, dass er an besagtem Morgen durch die belastende familiäre Situation die Geschwindigkeit nicht beachtet habe.

Sein Verteidiger griff diese Argumentation in seinem Plädoyer auf. Der Angeklagte sei vorwiegend in Deutschland gefahren, er sei sich ein flottes Tempo gewohnt und könne auch so sicher fahren. Dass er mit den Gedanken nicht bei der Geschwindigkeit war, müsse sich bei einem erfahrenen Fahrer nicht zwingend auf das Reaktionsvermögen auswirken. Eine Gefährdung von anderen Menschen liege zudem nicht vor. Die Strecke sei übersichtlich, die Sichtverhältnisse bestens gewesen. Der Angeklagte sei alleine auf der Strasse gewesen, es habe also gar niemanden gegeben, der durch sein Verhalten hätte gefährdet werden können.

«Ja, ich habe einen Fehler gemacht. Ich finde es aber unverhältnismässig, dass ich derart bestraft werden soll.»Der Beschuldigte

Die Staatsanwältin entgegnete, dass erstens jemand, der seit 16 Jahren in der Schweiz lebt und Auto fährt durchaus an hiesige Fahrverhältnisse gewohnt sein dürfte. Dass der Angeklagte an diesem morgen mit den Gedanken bei seiner belastenden familiären Situation gewesen sei, sei zudem kein strafmildernder Umstand, sonder verschärfe das Ausmass des Delikts eher noch. So sei der Angeklagte nicht nur massiv zu schnell gefahren, sondern zudem gedanklich nicht bei der Sache gewesen, was seine Reaktionszeit und damit ein Bremsweg des Fahrzeugs zusätzlich zum hohen Tempo noch verlängert hätte. Frühere Ausweisentzüge zeigten zudem, dass dem Angeklagten durchaus bewusst sei, dass er einen Hang zum schnellen Fahren habe.

Bedingte Freiheitsstrafe

Das Schlusswort hatte der Angeklagte: «Ja, ich habe einen Fehler gemacht», sagte er und: «Ich finde es aber unverhältnismässig, dass ich derart bestraft werden soll.» Er sei sicher kein Raser, betonte er, nie habe er Menschen gefährden wollen und er sei bis jetzt immer unfallfrei gefahren.

Das Gericht folgte aber der Argumentation und den Forderungen der Staatsanwaltschaft und verurteilte den Mann zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten und einer Busse von 2000 Franken. (Landbote)

Erstellt: 11.07.2018, 17:38 Uhr

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