Rheinau

Mit Traktoren gegen das Tiefenlager

War­um sich das Zürcher Weinland für ein Tiefen­lager eignet, erklärten die Fachleute von Ensi, Nagra und BFE im Innern der Mehrzweckhalle. Draussen vor der Tür positionierten sich derweil Gegnerinnen und Gegner.

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Draussen und drinnen waren am Samstag zwei verschiedene Welten. Drinnen im kühlen Mehrzweckgebäude erklärten die Verantwortlichen vom Bundesamt für Ener­gie­ (BFE), von der Nagra und dem Eidgenössischen ­Nuklearsicherheitsinspektorat ­(Ensi), wie es nach Plan weiter­gehen soll bei der Suche nach dem Standort für ein Tiefenlager für den atomaren Müll, der sich in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten angesammelt hat.

Diagramme und Karten, die auf die Leinwand gebeamt wurden, sollten helfen, die Erkenntnisse jahrelanger Arbeit verständlich rüberzubringen. «Einzig die Geologie ist entscheidend für den Standort eines künftigen Tiefenlagers», sagte Michael Aebersold, Leiter Sektion Entsorgung radioaktive Abfälle vom Bundesamt für Ener­gie­, zum Schluss seines Vortrags und redete damit an gegen die Ansicht vieler, dass der atomare Müll in einer Region vergraben werde, die sich nicht wehre. Aeber­sold erntet für seine Worte einen verhaltenen Applaus.

Wie aus einer anderen Welt

Am Informationsstand der Nagra lagen Berichte mit insgesamt weit über 200 Seiten auf. Die Stimmung drinnen blieb sachlich, kühl und überall freundlich und emotionslos.

Wie aus einer andern Welt drang plötzlich Lärm von Kuhglocken und Hupen ins Innere des MZG. Draussen, bei kaltem Nordwind und wärmendem Sonnenschein, fuhren rund ein Dutzend schwere Traktoren auf. Miststreuer und Vierscharenpflug liessen ihre Fahrer und Fahrerinnen diesmal zu Hause. Bestückt waren die Gefährte aber mit Transparenten. «Wir sind nicht der nationale Abfallkübel – Kein Endlager im Weinland», war da unter anderem zu lesen.

Vorbild Gorleben

Einer von den Gegnern ist Jürg Rasi. Er und seine Familie bewirtschaften beim Isenbuck bei Mar­tha­len einen Hof – dort, wo vielleicht in 27 Jahren die Oberflächenanlage für ein Tiefenlager ­erbaut werden soll. Sollen wir weiter arbeiten, planen und investieren in den Hof oder ist das für uns verlorenes Geld? Solche und ähnliche Fragen stellen sich für die Familie nun ständig. Und die beiden Kinder wissen dies. «Ich bin stolz auf euch, weil ihr euch wehrt gegen ein Endlager im Weinland», soll die Tochter zu den Eltern gesagt haben. Zusammen mit Gleichgesinnten haben die Rasis die «Ländliche Interessengemeinschaft Kein Endlager im Weinland» gegründet. Rasi ist überzeugt davon, dass ein Tiefenlager nicht funktionieren wird.

Hinter dieser Überzeugung steht ein grosses Misstrauen ge­gen­über Fachleuten, die glauben, alles sei machbar. Beim Widerstand gegen ein Endlager geht es nicht um linke oder rechte Positionen, sagt Rasi, es gehe einzig um die Zukunft des Weinlandes. Ein Vorbild für ihn ist Gorleben, wo sich Menschen aus allen Gesellschaftsschichten vehement gegen das dortige Endlager wehren. (Landbote)

Erstellt: 04.04.2015, 17:30 Uhr

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