Andelfingen

Raser fährt seine Militärkarriere vor die Wand

Im vergangenen März war ein junger Motorradfahrer bei Berg am Irchel mit rund 150 Kilometern pro Stunde unterwegs. Vor Gericht war er zwar geständig - doch nur wenig einsichtig.

Der Raser war zwar geständig, jedoch nicht wirklich einsichtig.

Der Raser war zwar geständig, jedoch nicht wirklich einsichtig. Bild: Heinz Diener

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Als der Töfffahrer im März bei Berg am Irchel mit rund 150 statt 80 Kilometern pro Stunde (km/h) von der Polizei erwischt wurde, war der junge Mann aus der Region Offiziersanwärter in der Schweizer Armee. Doch «nur wegen dieses Verfahrens» habe er die Offiziersschule in der neunten Woche verlassen müssen, sagte er vor dem Bezirksgericht Andelfingen.

Er habe im Militär sehr gute Noten gehabt, die direkten Vorgesetzten hätten ihn behalten wollen, erzählte er. Sein Ausschluss sei «viel weiter oben» entschieden worden. Er sei provisorisch von der Armee ausgeschlossen worden. Ob und in welcher Form er zurückkehren könne, komme auf den Brigadier darauf an. «Schlimmstenfalls» werde er definitiv ausgeschlossen, sodass er auch keine Wiederholungskurse (WK) machen könne. Ob er eine Ahnung habe, wie das Militär entscheiden werde, wollte der Gerichtspräsident wissen. Das wisse er nicht, antwortete der Mann. Seit dem Ausschluss arbeitet er temporär im zivilen Bereich. Ob respektive wann er seinen Führerausweis wieder erhält, hängt von einem noch zu erstellenden psychiatrischen Gutachten und vom Strassenverkehrsamt ab.

«Schon cool»

Es wäre damals «schon cool gewesen», wenn er im Militär hätte weitermachen können. Auch Militärpilot habe er mal werden wollen, erzählte er dem Richter, sei dann aber nicht weitergekommen. Der junge Mann wohnt noch bei seinen Eltern, Vorstrafen hat er keine.

«Die Strafe
ist extrem hart.»
Der Beschuldigte vor dem Bezirksgericht Andelfingen

Das Raserdelikt wurde im sogenannten abgekürzten Verfahren durchgeführt. Das bedeutet, dass der Beschuldigte geständig ist und den Urteilsvorschlag der Staatsanwaltschaft akzeptiert: bedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren sowie eine zu bezahlende Busse von 1000 Franken. Auch die Verfahrenskosten von gut 2000 Franken muss er übernehmen, nicht aber die Kosten für seinen amtlichen Verteidiger.

«Extrem hart»

Während der Befragung durch den Gerichtspräsidenten wurde offensichtlich, wieso er diese Verfahrensart beantragt hatte: Er will baldmöglichst zurück in die Armee. Sein Verteidiger sagte, dass man ein Interesse an einem raschen Abschluss des Verfahrens habe. Laut ihm ist eine Rückkehr ins Militär aber frühestens nach Ablauf der zweijährigen Probezeit möglich, die an die bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten gekoppelt ist. Diese Strafe sei «extrem hart», meinte der Beschuldigte und sprach von «massiven Folgen». Am liebsten wäre ihm, er wäre nicht zu schnell gefahren, «dann wäre ich noch im Militär und könnte das tun, was mir gefällt».

«Das Risiko für Überraschungen war damals einschätzbar.»Der Beschuldigte vor dem Bezirksgericht Andelfingen

Kurz vor seiner Raserfahrt hatte der Mann die Geschwindigkeitsbegrenzung am Motorrad legal entfernen lassen. Er habe «kurz beschleunigt» und wieder gebremst, sagte er. Er sei «überrascht» gewesen, dass er «so schnell» unterwegs gewesen sei – eine gängige Aussage von Rasern.

«Na ja»

Als der Richter seine Befragung eigentlich schon abgeschlossen hatte, stellte er doch noch eine Frage zum Strassenabschnitt, wo der Mann gerast war. Dieser sei «extrem übersichtlich», antwortete der Mann. Er habe zu «keinem Zeitpunkt» andere gefährdet. Und er behauptete: «Das Risiko für Überraschungen war damals einschätzbar.» «Na ja», meinte der Richter und hegte schwere Zweifel daran.

Erstellt: 12.09.2019, 18:32 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles