Flurlingen

Streitbarer Bauer stellt sich gegen Nagra

Die meisten Grundeigentümer lassen die Nagra für die Messungen auf ihre Grundstücke. Ein Bauer aus Flurlingen aber wehrt sich.

Beat Häberli will nicht, dass die Nagra sein Land betritt oder befährt.

Beat Häberli will nicht, dass die Nagra sein Land betritt oder befährt. Bild: Heinz Diener

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Um die seismischen Messungen im nördlichen Weinland durchführen zu können, musste ein feinmaschiges Messnetz über Äcker, Wiesen und Wälder ausgelegt werden. Dieses Netz besteht aus vielen Linien, entlang deren die Vibrationsfahrzeuge verkehren und die Messinstrumente (Geofone) ausgelegt werden. Insgesamt sind etwas mehr als 500 Grundstücke von den Messungen betroffen. Laut der Nagra haben rund 95 Prozent der Grundeigentümer ihr Einverständnis gegeben, damit die beauftragte deutsche Firma DMT diese Grundstücke betreten darf.

Einer, welcher der Nagra den Zutritt auf sein Land verweigert, ist der Flurlinger Landwirt Beat Häberli. Er hat der Nagra vorletzte Woche sogar einen eingeschriebenen Brief mit Rückschein geschickt. «Bereits im Gelände ausgesteckte Markierungen sind umgehend zu entfernen», schrieb er darin unter anderem. Und er behielt sich rechtliche Schritte ausdrücklich vor. «Ich will die Nagra nicht auf meinem Land», sagt Häberli. Sie habe kein Recht, sein Land zu betreten. «Ich bin ein streitbarer, ‹gwundriger› Bürger, der einfach wissen will, was die Nagra in den Händen hat.» Schon sein Vater sei kein «Verschrockener» gewesen. Er sei gleich mehrmals von verantwortlichen Per­sonen besucht und angerufen worden, selbst vom Flurlinger Gemeindepräsidenten, erzählt Häberli. «Sie wollten mich bearbeiten.» Die Nagra wolle die Leute so lange einlullen, «bis sie denken, dass das Endlager nicht so schlimm ist».

Die Nagra weicht Häberlis Blockade aus. «Wir konnten die Messungen so umlegen, dass wir keine Parzellen von Herrn Häberli betreten müssen. Die Gemeinde Flurlingen hat uns hierbei gut unterstützt. Trotz einiger Punktausfälle können wir die angestrebte Überdeckung erreichen», heisst es seitens der Nagra.mab (Landbote)

Erstellt: 08.02.2016, 21:53 Uhr

Artikel zum Thema

Das Weinland wird sachte durchgeschüttelt

Marthalen Im Weinland werden nach 1997 nun zum zweiten Mal seismische Messungen durchgeführt. Ihre Bedeutung ist aber nicht so gross wie vielleicht gedacht. Mehr...

Tiefenlager: Nagra startet seismische Messungen rund um den Bözberg

Schweiz/Weinland Die Nagra hat im Standortgebiet Jura Ost für ein mögliches Atomendlager dreidimensionale Messungen des Untergrundes aufgenommen. Bald wird auch der Standort im Weinland untersucht. Mehr...

Das umstrittene Kriterium der Tiefenlage

Die Standortkantone greifen dem Ensi vor
Zeitgleich mit dem Beginn der seismischen Messungen im nördlichen Weinland haben gestern die Fachleute der Standortkantone bekannt gegeben, dass sie für weitere Untersuchungen auch in der möglichen Endlagerregion Nördlich Lägern sind. Die Nagra stellte diese Region vor rund einem Jahr zurück und schlug vor, nur noch zwei der ursprünglich sechs Schweizer Standortregionen geologisch vertieft zu untersuchen.
Bereits letzten Herbst verlangte das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) von der Nagra zusätzliche technische Unterlagen. Diese sollen besser belegen, weshalb die Nagra nur noch das Zürcher Weinland und den aargauischen Bözberg als mögliche Standortregionen für den Bau des Endlagers vorschlägt. Im Zentrum steht das in Fachkreisen zurzeit intensiv diskutierte Kriterium der Tiefenlage: Liegt das Endlager zu nahe an der Erdoberfläche, könnte es schlimmstenfalls durch eiszeitliche Vergletscherung freigelegt werden. Liegt es hingegen zu tief, bringt dies wegen des höheren Drucks sicherheitstechnische Nachteile mit sich. Das Kriterium der Tiefenlage ist also entscheidend für die Beantwortung der Frage, ob das Gebiet Nördlich Lägern doch weiterhin als Standortregion infrage kommt oder nicht. Dort liegt der Opalinuston, in dem der Atommüll eingelagert werden soll, tiefer als in den beiden anderen Regionen. Die Nagra will die vom Ensi verlangten Zusatzunterlagen Mitte 2016 nachreichen. Die abschliessende Beurteilung durch das Ensi wird in gut einem Jahr erwartet.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare