La Hague/Frankreich

Über 2700 Brennelemente nach Frankreich

Der Bundesrat will, dass keine abgebrannten Brennelemente mehr in Frankreich wiederaufbereitet werden.

Die Wiederaufbereitungsanlage La Hague liegt an der Nordwestspitze der Halbinsel Contentin.

Die Wiederaufbereitungsanlage La Hague liegt an der Nordwestspitze der Halbinsel Contentin. Bild: Markus Brupbacher

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das 650 Meter lange und 400 Meter breite «Tor zum Endlager» wäre geradezu klein im Vergleich zur französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague, die 1966 in Betrieb genommen wurde. Die Anlage an der Nordwestspitze der Halbinsel Cotentin in der Normandie hat eine Länge von zweieinhalb und eine Breite von einem Kilometer. Ursprünglich ist sie gebaut worden, um aus abgebrannten Brennelementen aus Atomkraftwerken waffenfähiges Plutonium zu gewinnen. Heute werden das Plutonium und das noch vorhandene Uran aus diesen Elementen abgetrennt und vermischt, um neue, sogenannte Mischoxid-Brennelemente herzustellen.

Bundesrat will das Verbot

Laut Auskunft des Bundesamtes für Ener­gie­ (BFE) brachte die Schweiz zwischen 1975 und 2006 durchschnittlich 88 abgebrannte Brennelemente pro Jahr in die französische Anlage. Die Castorzüge fuhren dabei mitten durch die Stadt Basel. Die zurückerhaltenen Elemente wurden in den Atomkraftwerken Gösgen und Beznau eingesetzt. Die nicht wiederverwertbaren Spaltprodukte wurden verglast und in die Schweiz zurückgeschickt. Die Verträge verlangen, dass so viel «Strahlungsmenge» zurückgenommen wird, wie in den abgebrannten Brennelementen vorhanden war.

Was brachte die Wiederaufbereitung der Schweiz insgesamt? «Der Vorteil ist weniger Abfallvolumen und die Schonung der natürlichen Ressourcen, weil circa 25 Prozent weniger Uran aus Minen gewonnen werden muss», sagt BFE-Sprecherin Marianne Zünd. Zudem kann das Uran weiterverwendet werden. Zwar kommen anteilsmässig mehr hochradioaktive Abfälle in die Schweiz zurück, dafür bleiben die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle in Frankreich. Als Nachteil erachtet der Bundesrat insbesondere die Zugänglichmachung von Plutonium und die Abgabe von radioaktiven Stoffen an die Umwelt. «Eine Wiederaufbereitungsanlage könnte in der Schweiz nicht realisiert werden», sagt Zünd. Er erachte es daher als nicht vertretbar, wenn die Wiederaufbereitung anderswo erfolgt. «Daher schlägt der Bundesrat im Rahmen der Ener­gie­strategie ein Verbot der Ausfuhr in die Wiederaufbereitung vor.» 2016 läuft das zehnjährige Ausfuhrmoratorium ab.

Hinaus in die Strömung

In der Anlage von La Hague entstehen auch gasförmige und flüssige radioaktive Stoffe. Letztere werden dort ins Meer geleitet. Das Ende des über fünf Kilometer langen Abflussrohres liegt just in einem Gezeitenstrom mit Geschwindigkeiten von bis über fünf Metern – pro Sekunde. (Landbote)

Erstellt: 17.04.2015, 09:28 Uhr

Umstrittene Gefahr

Während die Betreiberin der Wiederaufbereitungsanlage
La Hague stets betont, dass die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten würden, sagt Greenpeace, dass die radioaktive Abluft und die Einleitung ins Meer Mensch und Umwelt gefährden. Ein Vertreter von Greenpeace im nahen Cherbourg spricht bei diesen Emissionen von einem «permanenten Unfall» – das Absurde: Wäre das gleiche radioaktive Abwasser in Fässern abgefüllt und würde von Schiffen aus ins Meer gekippt, wäre dies seit 1993 verboten. Früher wurden auch Schweizer Fässer versenkt.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.