Weinland

Unbeliebter Name wird zum Risiko

Der Name «Wyland-Süd» für die fusionierte Grossgemeinde kam auch am Andelfinger Workshop mehrheitlich nicht gut an. Und der überraschend tiefe Steuerfuss von 101 Prozent gab abermals zu reden.

In Henggart soll die Gemeindeverwaltung der fusionierten Gemeinde sein.

In Henggart soll die Gemeindeverwaltung der fusionierten Gemeinde sein. Bild: Archiv/Marc Dahinden

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Mit dem Vorschlag «Wyland-Süd» als Name für die fusionierte Gemeinde ist es wie mit dem Steuerfuss: Fusionsbefürworter, die darin mögliche Stolpersteine für den Zusammenschluss sehen, spielen die Bedeutung eher herunter – und die Gegner tun das Gegenteil. Unabhängig von den beiden Positionen ist aber Fakt: Am Bevölkerungsworkshop in Andelfingen vom Donnerstagabend gaben der Name und der Steuerfuss erneut viel zu reden. Den zweieinhalbstündigen Anlass besuchten rund 100 Personen.

«Dieser Name macht vieles
kaputt.»
aus einer der Workshopgruppen
am Donnerstagabend
in Andelfingen

Die Kritik am Gemeindenamen «Wyland-Süd» überwog. Die Fusion sei ja eine «gute Sache», meinte ein Teilnehmer. Doch dieser Name sei ein No-Go, da werde eine rote Linie überschritten. Stattdessen schlug er «Thurtal-Andelfingen» vor. Man habe den schlechtesten Namen ausgewählt, meinte eine andere Person. Und zudem hätten die Verantwortlichen des Fusionsprojekts damit gegen den Willen der Bevölkerungsworkshops vom letzten Jahr verstossen.

«Fast dämlich»

Im April 2019 wurde an zwei Workshops über die Namensvorschläge «Wyland», «Wyland-Süd» und «Andelfingen» konsultativ abgestimmt. Tatsächlich erhielt «Wyland-Süd» damals am wenigstens und «Andelfingen» am meisten Zuspruch. Auch in der anschliessenden Internetabstimmung schnitt «Andelfingen» am besten ab. Dass man diese Ergebnisse nicht berücksichtigt habe, bezeichnete ein Teilnehmer am Donnerstagabend als «Ignoranz». Und jemand anders: Dass der bisherige Wunschname nun nicht berücksichtigt werde, erzeuge eine schlechte Stimmung, ja sei «fast dämlich». Denn nur wegen des Namens werde so das ganze Fusionsprojekt gefährdet. Dieser mache vieles kaputt, meinte jemand. Das müsse man ernst nehmen, sonst drohe das Projekt daran zu scheitern.

«Die Steuern und Gebühren sind nicht so wichtig.»aus einer der Workshopgruppen
am Donnerstagabend
in Andelfingen

Da die Gemeindeverwaltung in Henggart zentralisiert werden soll, argumentieren die Verantwortlichen, «sollte auch der neue Gemeindename nicht Andelfingen lauten». Doch dem wurde mit einem realen Gegenbeispiel widersprochen: Die Verwaltung der Gemeinde Zell im Tösstal befindet sich auch nicht im Dorf Zell, sondern in Rikon. Hansruedi Jucker, Projektleiter und Andelfinger Gemeindepräsident, nahm die erneute Kritik am Gemeindenamen entgegen. Man werde noch die beiden letzten Workshops in Adlikon und Henggart abwarten und danach eventuell reagieren.

Kritik aus Zürich und Bern

Aber vielleicht löst sich die Namensproblematik von selbst. Im Juni 2019 bekam der «Landbote» von der kantonalen Baudirektion und vom Bundesamt für Landestopografie die eindeutige Antwort: «‹Wyland› respektive ‹Wyland-Süd› werden nicht bewilligungsfähig sein.» Die Dialektschreibweise wird abgelehnt, aber auch die Eindeutigkeit des Gemeindenamens sei nicht gegeben, so die Begründung. Die fünf Flaachtaler Gemeinden liegen auch im südlichen Weinland – Buch am Irchel reicht sogar noch weiter in den Süden als Henggart.

«Nicht nachvollziehbar»

Fragen und Kritik löste auch in Andelfingen der tiefe Steuerfuss von 101 Prozent aus. Dieser sei «nicht nachvollziehbar» oder «unglaubhaft», hiess es zum Beispiel. Wieso, wurde gefragt, haben die Verantwortlichen zur Erstellung des Fusionsbudgets die Überschüsse herausgestrichen, welche in die Budgets der einzelnen Gemeinden noch eingerechnet wurden? Die Antwort: In kleineren Gemeinden müsse man jeweils einen Puffer für Unvorhersehbares einplanen wie etwa für kostspielige Sozial- oder Sonderschulfälle. In einer grösseren, fusionierten Gemeinde sei dies nicht mehr im gleichen Ausmass nötig. Die Grösse federe solche Ausreisser und Schwankungen ab. Die Rechnungsprüfungskommissionen prüfen derzeit, wie realistisch ein solch tiefer Steuerfuss ist.

Schulfusion überzeugte

Die Steuern und Gebühren seien nicht so wichtig – auch solche Voten gab es in Andelfingen. Es gehe vielmehr um einen «strukturellen Mehrwert», dass die Fusionsgemeinde für die Zukunft besser gewappnet sei und sich beim Kanton mehr Gehör verschaffen könne. Dass die künftigen Gebühren nicht so bedeutend sein sollen, das sahen einige Workshopteilnehmer anders. Denn in Andelfingen sind die Preise für Strom und Wasser besonders tief, was für eine Familie nicht unerheblich sei, meinte jemand.

Auffällig am Andelfinger Workshop war, dass die Schulfusion von den Teilnehmern meist positiv bewertet wurde: «nachvollziehbar», «ein Must», «absolut sinnvoll» oder «eine gute Sache» hiess es zum Beispiel.

Erstellt: 14.02.2020, 16:25 Uhr

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