Neftenbach

«Wir sind eine Mosaik-Schule aus Überzeugung»

In Neftenbach findet heute der erste Kongress der Mosaik-Sekundarschulen statt. Schulpräsident Markus Ruf und Schulleiter Paolo Castelli sprechen über ihre Erfahrungen mit dem Schulmodell, das Jahrgänge und Niveaus mischt.

Ziehen an einem Strick: Neftenbachs Schulpräsident Markus Ruf und Schulleiter Paolo Castelli.

Ziehen an einem Strick: Neftenbachs Schulpräsident Markus Ruf und Schulleiter Paolo Castelli. Bild: Marc Dahinden

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Worum geht es im Kongress der Mosaik-Sekundarschulen?
Paolo Castelli: An diesem ersten Kongress, den der Verband der Mosaik-Sekundarschulen veranstaltet, sollen sich Lehrpersonen, die nach dem Modell des alters- und niveaudurchmischten Lernens unterrichten, weiterbilden und austauschen können. Die Schule Neftenbach ist eine engagierte Mosaik-Schule und eignet sich von der Infrastruktur her für den Anlass. Deshalb haben wir uns dafür gemeldet.

Wie viele Leute erwarten Sie?
Castelli: 310 Lehrpersonen aus der ganzen Deutschschweiz. Hinzu kommen Vertreter von Schulpflegen, Pädagogischer Hochschule und des Volksschulamts. Aus Neftenbach werden 18 Lehrerinnen und Lehrer sowie Vertreter der Schulbehörde dabei sein.

Die Schule Neftenbach hat vor sechs Jahren auf das Mosaik-Modell umgestellt und dafür 2013 den Schweizer Schulpreis erhalten. Gilt sie nun als Pionierin für das Schulmodell, das Jahrgänge und Niveaus mischt?
Markus Ruf: Ja und Nein. Das Mosaik-Modell ist keine Erfindung von uns. Diese Schulform wurde schon vor 100 Jahren in der Schweiz praktiziert. Wir sind aber bestimmt eine der ersten öffent­lichen Sekundarschulen im Kanton Zürich, die das Modell aus pädagogischer Überzeugung wieder aufgegriffen hat. Andere taten es eher aus strukturellen Gründen, sprich kleinen Schülerzahlen. Nebenbei erwähnt arbeiten auch viele Privatschulen so.

Die Einführung des Modells – das war vor Ihrer Zeit – war bei den Neftenbacher Eltern umstritten und führte zu einem Schülerstreik. War die Umstellung zu radikal, oder würden Sie es heute wieder so machen?
Ruf: Beim altersdurchmischten Modell gibt es per se keinen sanften Übergang. Doch die dama­lige Kommunikation war meiner Meinung nach mangelhaft. Ich würde ein solches Modell nur sehr gut strukturiert und vorbereitet einführen. Die Eltern müssen von Anfang an mit ins Boot geholt werden. Wesentlich ist nach meiner Erfahrung, wie die Lehrpersonen dazu stehen. Als ich noch Schulleiter in Niederglatt war, konnten wir im einen Schul­haus reibungslos auf das Mosaik-­Modell umstellen, während im anderen starker Elternprotest aufkam. Der Unterschied der ­beiden Schulhäuser lag in der Einstellung der Lehrpersonen.

Eltern fürchteten auch andernorts, das Mosaik-Modell gefährde den Übertritt ihrer Spröss­linge ans Gymnasium oder behindere die Lehrstellensuche. Welche Erfahrungen hat die Schule Neftenbach gemacht?
Castelli: Die Quote an Schülern, die eine Privatschule besuchen, liegt im normalen Bereich. Ebenso verhält es sich mit den Lehrstellen oder dem 10. Schuljahr.
Ruf: Die Befürchtungen waren unbegründet. Unsere Gymi­quote ist identisch mit jener der Sekundarschule Seuzach. Unser fach­licher Erfolg ist gleich wie jener ­ in konventionellen Schulen. Besser schneiden Mosaik-Schulen ­jedoch bei der Sozial- und Lernkompetenz der Schüler ab.

Inwiefern?
Castelli: Dass ältere Jahrgänge den jüngeren zeigen, wie es läuft, ist nur ein Beispiel von vielen. Das fängt vieles auf und erleichtert den Schulanfang.

Wird das Mosaik-Modell heute von den Eltern akzeptiert?
Ruf: Ich habe seit meinem Amtsantritt vor einem Jahr nur eine nega­tive ge­gen­über 15 posi­tiven Rückmeldungen erhalten.

Bieten die Neftenbacher am Kon­gress auch Workshops an?
Castelli: Ja, zum Beispiel altersdurchmischten Unterricht in Werken, Geschichte und Geografie oder Lerncoaching im Alltag. (Landbote)

Erstellt: 25.03.2015, 11:57 Uhr

Mosaik-Schulen

Das Mosaik-Modell basiert auf der Idee, die Schüler nicht mehr nach ihrem Alter einzuteilen. Vielmehr versucht die Schule, den Unterricht individualisiert zu gestalten. Damit sollen individuelle Stärken und Kapazitäten gefördert werden. In der Schweiz gibt es aktuell über 20 Mosaik-Sekundarschulen. Der gleichnamige Verband wurde 2009 gegründet und bietet Unterstützung bei der Einführung des Modells im pädagogischen und organisatorischen Bereich an. Er vergibt auch ein Label, das Vertrauen und Transparenz schaffen soll.

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