Buch am Irchel

Wirte machen sich mit Inventar aus dem Staub

Was mit einem Vertrauensvorschuss begann, endet in einer bitteren Lektion für die Pächter des Restaurants Sonne in Buch am Irchel. Die Wirte samt Inventar sind weg und hinterlassen einen Schuldenberg.

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Die Gaststube ist dunkel und auf der Menütafel vor dem Restaurant Sonne steht mit Kreide geschrieben: «Das Restaurant ist vorläufig geschlossen.» Mitte Januar klebte sogar nur ein Zettel an der Tür. Die beiden Wirte aus Exjugoslawien, Orce Vasilev (46) und Georg Tushi (51), scheinen das Handtuch geworfen zu haben.

«Das stimmt nicht», dementiert Vasilev zwar auf telefonische Anfrage über Whatsapp. Das Restaurant sei lediglich für eine Renovation geschlossen und gehe in 14 Tagen wieder auf. Doch das scheint eher unwahrscheinlich, wie Recherchen des «Landboten» nahe legen.

«Auf und davon»

Der Vorgängerwirt und Noch-Pächter des Restaurants Sonne, Hansjakob Zurbuchen, weiss mehr: «Wir sind fassungslos, die beiden Männer sind Mitte Januar auf und davon und mit ihnen ein Grossteil unseres Inventars.»

So seien zum Beispiel die Kaffeemaschine, die gemietete Kasse, viele Flaschen Wein, Gläser, Pfannen und Töpfe sowie der Kronleuchter weg. Hinzu kämen Mietschulden von rund 20 000 Franken, welche die beiden Männer hinterlassen würden. Insgesamt betrage der Schuldenberg gegen 70 000 Franken, so Zurbuchen.

Der Pachtvertrag der Zurbuchens dauert noch bis ins Jahr 2020. Wegen starken Bandscheibenproblemen musste Hansjakob Zurbuchen die Sonne im letzten Juli vorzeitig Hals über Kopf aufgeben. Auf der Suche nach einem Nachfolger stiess das Wirtepaar auf die beiden Männer.

«Ich hatte damals ein sehr gutes Gefühl»Hansruedi Mosch,
Gemeindepräsident

Sie waren bis dahin in der deutschen Gastronomie tätig und wollten die Sonne zusammen mit ihren beiden Söhnen weiterführen. Da der Mazedonier und der Kosovare weder einen Betreibungs- und Strafregisterauszug liefern, noch sonstige Angaben über ihre Vermögensverhältnisse machen konnten, wollte Restaurantinhaber Marco Meier die Pacht der Zurbuchens aber nicht an die beiden übertragen.

«Sie erfüllten die dafür nötigen Kriterien nicht», sagt er. Weil sie eine schnelle Lösung brauchten, stellten die Zurbuchens den beiden Anwärtern einen Unterpachtsvertrag samt Nutzungsrecht des Inventars aus. Eine Lösung, die aus der Not geboren sei, sagt Zurbuchen. Gestern sei der Untermietvertrag abgelaufen.

Die neuen Wirte übernahmen das Restaurant im letzten August. Voller Elan kündigten sie eine gutbürgerliche Küche mit mediterranem Touch und siebentägiger Öffnungszeit an. Der Start schien gelungen. «Ich hatte damals ein sehr gutes Gefühl», erinnert sich Gemeindepräsident Hansruedi Mosch.

Wie viele andere war er froh, dass das einzige Restaurant dem Dorf erhalten blieb. «Der Gemeinderat ging dort nach der Sitzung jeweils essen.» Auch die Vereine hätten das Lokal regelmässig besucht, sagt Mosch. «Das Essen und der Service waren sehr gut.»

Plötzliche Veränderung

Nach ungefähr zwei Monaten sei eine frappante Veränderung eingetreten. «Der Sohn des einen Wirts, der seine Sache sehr gut gemacht hat, war plötzlich nicht mehr da», sagt der Gemeindepräsident. Service und Essen hätten sich zum Schlechten verändert. «Das Dorf stand aber noch recht lange hinter der Sonne.»

«Kann ich gar nicht empfehlen. Bedienung frech und Essen ungeniessbar»Bewertung auf Tripadvisor

Wie sehr es mit dem Restaurant aber bergab ging, zeigen Kommentare auf der Bewertungsplattform Tripadvisor: «Kann ich gar nicht empfehlen. Bedienung frech und Essen ungeniessbar», heisst es etwa am 9. Januar 2018. Bereits am 7. Oktober 2017 beklagte sich ein Gast über zu fettiges Essen und zum Teil verkohlte Grilladen.

So seien die Gäste und mit ihnen der Umsatz ausgeblieben. «Ich denke nicht, dass alles so geplant war, sondern vielmehr, dass es den beiden Vätern über den Kopf gewachsen ist», vermutet Mosch. Dass die Sonne nun zu sei, sei ein gewaltiger Einschnitt für das Dorf.

Zurück bleiben die geprellten Zurbuchens, die sich im Nachhinein als zu leichtgläubig und gutmütig wähnen. «Wir haben wegen des ausstehenden Mietzinses die Betreibung erhalten», sagen sie. Mithilfe eines Anwaltes wollen sie nun den Schaden möglichst begrenzen. Restaurantbesitzer Meier möchte die Sonne erhalten und hilft bei der Suche nach einem neuen Pächter mit. «Ich denke, wir werden das schaffen.»

Zurbuchen steht mit Vasilev, der sich offenbar in der Nähe von Karlsruhe aufhält, noch in Kontakt. Ein Fünkchen Hoffnung auf die Rückgabe des entwendeten Inventars habe er noch. Doch dieses könnte bald verglühen: Vasilevs Sohn hat nahe Karlsruhe vor einem Monat ein neues Restaurant eröffnet.

(Der Landbote)

Erstellt: 01.03.2018, 18:30 Uhr

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