Weinland

Konflikt hinter runtergefallenen Zuckerrüben

Weil die Landwirte der Region ihre Zuckerrüben kaum noch per Bahn abtransportieren können, müssen sie die Rüben per Traktor und Anhänger nach Frauenfeld bringen – mit möglichst wenig Fahrten.

Unweit des Andelfinger Marktplatzes fiel kurz vor Weihnachten eine Zuckerrübe von einem Anhänger herunter und blieb just vor dem dortigen Polizeiposten liegen.

Unweit des Andelfinger Marktplatzes fiel kurz vor Weihnachten eine Zuckerrübe von einem Anhänger herunter und blieb just vor dem dortigen Polizeiposten liegen. Bild: Markus Brupbacher

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Anfang Jahr fand in der satirischen Kolumne «Landluft» dieser Zeitung eine Zuckerrübe Erwähnung. Sie war kurz vor Weihnachten in Andelfingen von einem landwirtschaftlichen Anhänger runtergefallen – just vor dem Polizeiposten.

Über die Weihnachtstage und bis ins neue Jahr hinein fuhren zahlreiche Traktoren samt Anhänger mit Zuckerrüben das Thurtal hoch Richtung Frauenfeld zur dortigen Zuckerfabrik. Auch bei den Archhöfen mitten in Winterthur oder bei Sulz wurden heruntergefallene Zuckerrüben gesichtet.

«Nicht schmunzeln»

Nach Erscheinen der Kolumne meldete sich ein Leser aus Truttikon beim «Landboten» und schrieb: «Wir können, die wir an einer Rübentransport-Hauptachse wohnen und während Monaten von äusserst unangenehmen Traktorenlärm belästigt werden, überhaupt nicht darüber schmunzeln. Ganz zu schweigen über einzelne Zuckerrüben, die aus den Transportern fallen.» Die Rüben würden auf dem Gehweg liegen und man könne nur von Glück reden, dass dieser wenig frequentiert und noch nie jemand von einer Zuckerrübe erschlagen worden sei.

«Das heisst nicht, dass es einen
solchen Unfall noch nie gegeben hat.»
Florian Frei, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich

Der «Landbote» fragte nach der Leserreaktion bei den Gemeinden Andelfingen und Truttikon sowie bei der Schweizer Zucker AG nach. Es habe keine Reklamationen wegen runtergefallenen Zuckerrüben gegeben, antwortet Andelfingens Gemeindeschreiber Patrick Waespi. Gleich tönt es aus Truttikon: «Wir hatten keine Reklamationen betreffend Rübentransporte», sagt Gemeindepräsident Sergio Rämi nach Rücksprache mit seiner Verwaltung.

«Problematik bekannt»

Doch solche Rüben sind durchaus ein Thema: «Die Problematik mit den runtergefallenen Zuckerrüben ist uns bekannt», schreibt Peter Imhof, Leiter Rübenmanagement bei der Schweizer Zucker AG. «Beschwerden erhalten wir diesbezüglich selten.» Grundsätzlich sei jeder Fahrer für seine Ladung verantwortlich. Um das Risiko zu reduzieren, dürfen die Anhänger laut Imhof nicht zu stark gefüllt werden. «Um das mögliche Transportgewicht auszunutzen und somit auch die Anzahl Fahrten möglichst gering zu halten, ist jedoch eine gute Befüllung nötig», so Imhof weiter. Ein gewisser Zielkonflikt sei deshalb unumgänglich, und in der Regel seien sich die Fahrer ihrer Verantwortung bewusst «und lassen auch die nötige Vorsicht walten».

Keine Unfälle bekannt

Hat eine heruntergefallene Zuckerrübe schon einmal zu einem Unfall im Strassenverkehr geführt? «Wir führen keine Statistik, in welcher das Verkehrsunfall verursachende Objekt gefiltert werden kann», schreibt Florian Frei, Sprecher der Kantonspolizei Zürich. Dem Mediendienst seien aktuell keine solche Fälle bekannt, «was nicht heisst, dass es einen solchen Unfall noch nie gegeben hat.»

Dass viele Landwirte ihre Zuckerrüben auf der Strasse nach Frauenfeld transportieren, hat einen Grund. Denn SBB Cargo hat etliche Bahnanschlüsse in der Region geschlossen, wo die Bauern früher ihre Rüben verladen konnten. So wurden etwa die Cargo-Bahnanschlüsse in Henggart, Marthalen, Elgg und Winterthur-Wülflingen wegen fehlender Rentabilität geschlossen.

Erstellt: 14.01.2020, 16:04 Uhr

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