Weinland

Ältester Weinbauverein des Kantons steht vor dem Aus

Der Weinbauverein Winterthurer Weinland ist der älteste seiner Art im Kanton. Aber es geht ihm schlecht, er ringt mit seinem Bedeutungsverlust. Erfindet sich der Verein nicht neu, droht das Aus.

An der nächsten Generalversammlung wird über das Schicksal des Vereins entschieden.

An der nächsten Generalversammlung wird über das Schicksal des Vereins entschieden. Bild: Archiv Enzo Lopardo

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Heinz Suter ist nicht der Präsident des Weinbauvereins Winterthurer Weinland. Aber: Er ist Anlaufadresse. Zusammen mit einer Kollegin und einem Kollegen bestreitet er den Vereinsvorstand. «Eigentlich bin ich Kassier», sagt der Seuzacher. Ein Präsident oder eine Präsidentin fehlt seit der letztjährigen Generalversammlung (GV). Der Verein, sagt Suter, fühle sich an wie ein «sterbendes Ding».

Niemand weiss, wer das Zepter der 145-jährigen Organisation übernehmen soll. Suter will es nicht: «Ich sehe mich nicht als Präsident. Da braucht’s einen Macher.» Über Mitgliedermangel kann er sich eigentlich nicht beschweren. Über 100 zählt der Verein nach eigenen Angaben. Doch der älteste Weinbauverein des Kantons kämpft mit seinem Bedeutungsverlust und der Überalterung. Nötig, das sei der Verein halt nicht mehr, sagt Suter. Die Interessensvertretung übernimmt mittlerweile der kantonale Branchenverband.

Bis in die Neunzigerjahre dienten die regionalen Zusammenschlüsse der Weinproduzenten als Berufsverband und Mittelsmann zwischen Mitgliedern und Öffentlichkeit. Sie legten etwa den Zeitpunkt der Lese oder den Preis der Trauben fest. Als Vereinigung hatte ihre Stimme auch politisch Gewicht.

Heute bestimmen die Produzenten den Wümmet selbst, der Markt ist liberalisiert. Die politische Arbeit wird vom Schweizer Branchenverband übernommen. Durch das Internet sind zudem Brancheninformationen – etwa zu Schädlingen – schnell und direkt beim Verband zugänglich.

Ex-Präsident warnt

Der Winterthurer Hanspeter Wehrli hat diese Umbrüche hautnah miterlebt. Während zwei Jahrzehnten stand er der Organisation vor, letztes Jahr gab er seine Demission. «Vor fünf Jahren habe ich noch gesagt: dieser Verein darf nicht sterben», sagt er. «Mittlerweile ist mir das fast egal.» Die regionalen Weinproduzenten müssten schliesslich selber entscheiden, ob sie sich auf dieser Ebene organisieren wollen.

Aber Wehrli warnt: Der regionale Zusammenhalt sei wichtig, sonst werde man von Importen überflutet. «Fehlt plötzlich ein einheimischer Wein im Ladenregal, steht am nächsten Tag ein ausländischer dort. Der Platzt bleibt nicht leer.»

«Als Präsident war ich zu lange dabei.»Hanspeter Wehrli, Ex-Präsident Weinbauverein Winterthurer Weinland

Die schwierige Nachfolgersuche sei aber kein spezifisches Branchenproblem. Vielmehr müsse man das im Kontext des allgemeinen Vereinssterbens betrachten. Trotzdem gibt sich Wehrli auch selbstkritisch: «Als Präsident war ich zu lange dabei.»

Er habe es versäumt, einen Nachfolger aufzubauen. Trotzdem sagte er bei seinem Rücktritt letztes Jahr, er wolle den «Jungen» Platz machen. Die scheinen aber wie vom Erdboden verschluckt. «Die sind heute nicht mehr bereit, sich zu engagieren», sagt der Ex-Präsident heute. Aber ganz so einfach ist es scheinbar nicht.

Der Wiesendanger Lukas Kindhauser zog sich ebenfalls an der letztjährigen GV aus dem Vorstand zurück, nachdem er ein Jahr das Vize-Amt bekleidet hatte. Warum wurde er nicht Präsident? «Wir wollten den Vorstand mit professionellen Winzern besetzen», sagt Kindhauser. Ein Kader aus Profis hätte etwa die Jahresplanung verbessert und war seine Bedingung, das Amt anzutreten. Die angedachten Akteure stellten sich dann doch nicht zur Verfügung. «Ich habe immer gesagt: Wenn das nicht zustande kommt, bin ich raus», so der ehemalige Vize. «Das habe ich durchgezogen.»

Ideen sind da

Noch ist aber nicht aller Tage Abend. Zumindest nicht, wenn es nach Vereinsmitglied Hans-Ueli Sprenger geht. Der Neftenbacher glaubt, dass sich der Weinbauverein hin zu einer Erlebnis- und Weinfreundegruppe entwickeln sollte. Die Mitglieder teilten sich heute auf in die «Reisegruppe» der Pensionierten, die Profiwinzer und die Hobby-Winzer. Geht es nach Sprenger, wird dieser Akzentuierung mehr Rechnung getragen. Profis, wie er einer ist, möchten den Verein vor allem als Branchenplattform und Sprachrohr nach aussen nutzen.

«Tritt man gemeinsam auf, wird man gehört. Als Einzelner oft nicht», sagt Sprenger. Die Vereinsleitung müssten allerdings Mitglieder machen, die keine Profiwinzer sind. «Wir werden auf unseren Betrieben gebraucht, Ehrenämter können wir uns kaum mehr leisten», erklärt er. Vor allem der Administrationsaufwand steige stetig.

«Ich sehe mich nicht als Präsident. Da braucht’s einen Macher.»Heinz Suter, Kassier Weinbauverein Winterthurer Weinland

Sprengers Idee: Die «Reisegruppe» könnte eine Botschafterfunktion für die Branche übernehmen. Gleichzeitig könnte der Verein mit dem vorhandenen Know-how Hobby-Winzer noch stärker bei deren Arbeit unterstützen. Denn obwohl sich die Profis ihre Brancheninformationen gleich beim Verband holen, seien Amateure sehr wohl noch auf das Wissen der regionalen Vereine angewiesen.

Das Schicksal des ältesten Weinbauvereins des Kantons entscheidet sich an der nächsten Generalversammlung im Frühling. Bis dahin will das Vorstandsteam um Heinz Suter mögliche Szenarien ausarbeiten. «Sei das ein Zusammenschluss mit anderen Vereinen – oder eine ‹Beerdigung› als letztmögliche Variante», sagt Suter. Wichtig ist ihm ein klares Verdikt. «Wir haben keine Patentlösung, aber wir wollen nochmal etwas versuchen.» Der Diskussion wolle er aber nicht vorgreifen. «Das letzte Wort haben unsere Mitglieder.»

Erstellt: 08.12.2019, 14:29 Uhr

Winterthurer Weinbauern «lähmen» kantonalen Branchenverband

Der Weinbauverein Winterthurer Weinland steht ohne Präsident da. Und das schon seit über einem Jahr. Ein verkleinerter Vorstand bestreitet die Geschäfte. Obwohl der Verein über 100 Mitglieder zählt, lässt sich anscheinend niemand für das Amt rekrutieren. Weil die Zukunft ungewiss ist, zieht sich der Verein auf Ende Jahr aus dem kantonalen Branchenverband Zürcher Wein zurück. Den stürzt das in eine Krise. «Wir müssen den Branchenverband neu aufstellen», sagt Präsident Beat Kamm.

Denn die Organisation holt sich seine Leute als Kollektivmitglieder über Bezirksweinbauvereine wie jenem aus Winterthur. Diese stellen auch die Branchen-Delegierten.

Langwierige Erneuerung

«Wir müssen jetzt unsere Strukturen und Statuten anpassen», sagt Kamm. «Sonst verlieren wir die ganze Region als Mitträger.» Das braucht Zeit. Er rechnet mit der Neuaufstellung auf Anfang 2022. «Wir wissen noch nicht, wo es hingeht. Ein solcher Prozess lähmt den ganzen Branchenverband », sagt Kamm.

Er kann die Situation des Winterthurer Weinbauvereins allerdings verstehen. Bei anderen Vereinen, etwa im Zürcher Unterland, sehe es ähnlich aus. Deren Bedeutungsverlust sowie die hohe Arbeitsbelastung der aktiven Weinbauern forderten ihren Tribut. Kamm, der selbst mehrere Ämter in der Branche innehat, kennt das: «Die Leute können sich nicht achteln. Irgendwann reicht’s.» Er hofft indes, dass sich der Winterthurer Verein nicht ganz auflöst. «Es wäre lässig, gäbe es beispielsweise noch einen regionalen Weinfreunde Klub.» Ähnliche Ideen geistern in Winterthur herum.

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