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«Allzu viele Experimente sollte man auf dem Land nicht machen»

Mit der Hirschenbühne eröffnet am 19. Januar eine neue Spielstätte im Weinland. Ideal eingebunden in das restaurierte Hirschen-Ensemble bespielt Simon Gisler als Theaterleiter die Kleinkunstbühne.

Hier entsteht ein Theatersaal: Die Hirschenbühne im historischen Ensemble wird neue Veranstaltungsadresse in Oberstammheim.
Hier entsteht ein Theatersaal: Die Hirschenbühne im historischen Ensemble wird neue Veranstaltungsadresse in Oberstammheim.
Heinz Diener

Sie sind bereits Leiter des Theaters Alti Fabrik Flaach und beim Nordart Festival in Stein am Rhein engagiert. Was sind Ihre Pläne — spezifisch für die Hirschenbühne?Simon Gisler: Es ist eine Kleinstkunstbühne mit 70 Plätzen, speziell für Solisten, Duos oder maximal Musiktrios, die nicht so viel Platz brauchen. Wir programmieren in Richtung Musikkabarett, Poetry Slam, Satire, Erzähltheater und Lesungen. Dafür arbeiten wir auch mit der Lesegesellschaft Stammheim zusammen, die dort ein bis zwei Veranstaltungen im Jahr machen wird. Mein Ziel ist, die Bühne erstmal aufzubauen, sodass die Leute dorthin kommen, die Location kennen lernen und sich wohlfühlen.

Wie sind Sie an die Leitung gekommen? Es gab doch keine Ausschreibung.Ich bin direkt angefragt worden vom Besitzer der Gebäude, Fritz Wehrli. Ich kenne ihn schon einige Jahre aus der Zürcher Theaterszene; er ist der Besitzer der Mühle Tiefenbrunnen und somit von Miller’s Studio. Er wusste, dass er mit mir und meinem Team zurechtkommt. Das Konzept musste ich mir schon selbst überlegen. Vor einem Jahr war noch nicht absehbar, mit was und in welcher Form man die Bühne bespielen kann.

«Dass eine Kleinkunstbühne läuft, ist nicht selbstverständlich, deshalb muss sie breit abgestützt sein.»

Sie greifen auf ein eingespieltes Team zurück, zum Beispiel mit der Figurenspielerin und Geschäftspartnerin bei Nordart, Katja Baumann. Sie übernimmt die Kommunikation und moderiert das Eröffnungsfest mit. Werden Sie die Künstler jetzt von Bühne zu Bühne weiterreichen?Natürlich greife ich auf meine Kontakte innerhalb der Szene zurück, ich bin Theaterschaffender und Schauspieler. Aber es ist nicht vorgesehen, die gleichen Künstler kurz hintereinander an den verschiedenen Orten zu zeigen. Mein Anliegen ist, eine Bühne mehr aufzubauen, denn im Stammertal hat es noch nichts. Und dass eine Kleinkunstbühne läuft, ist nicht selbstverständlich, deshalb muss sie breit abgestützt sein.

Dafür haben Sie auch einen illustren Vorstand im Rücken. Hat der Kantonsrat Martin Farner denn überhaupt Zeit für die Hirschenbühne?Als Gemeindepräsident von Oberstammheim ist er wichtig für uns. Wie ich es erlebt habe, hat er schon Zeit, er war bis jetzt an allen Vorstandssitzungen dabei und bringt sich ein. Aber die Vorstandsfindung war vor meiner Zeit und die Kontakte sind über Fritz Wehrli gelaufen.

Im Vorstand ist auch Felix Juchler, der Geschäftsführer von Pro Weinland. Sind da Kooperationen geplant?Nein, bis jetzt nicht. Er ist einfach Vorstandsmitglied. Ausserdem haben wir mit der Präsidentin Nadine Schneider eine erfahrene Kulturmanagerin und mit dem Aktuar Hubert Lombard ein weiteres Mitglied der Lesegesellschaft Stammheim sowie Fritz Wehrli selbst.

Gibt es auch Passivmitglieder?Wir nennen sie Gönner. Dazu gehören der Lotteriefonds des Kanton Zürich, die Fachstelle Kultur des Kantons Zürich, Stiftungen, die Standortgemeinden. Zudem wird die Hirschenbühne vom lokalen Gewerbe unterstützt.

«Wir möchten den Donnerstag als Spieltag etablieren.»

Sie starten mit etablierten Künstlern. Es ist kaum möglich, Leute wie Andreas Thiel kostendeckend auf eine so kleine Bühne zu holen.Es stimmt schon, dass ich mit einigen Künstlern Special Deals habe, damit sie uns helfen, die Bühne bekannt zu machen. Ich bin am Nachdenken über neue Formate wie «Wort & Wein», was ja ins Stammertal passen würde. Allzu viele Experimente sollte man aber nicht machen auf dem Land, sonst kann es passieren, dass die Leute bald nicht mehr kommen.

Wird es auch eine Einbindung einheimischer Talente geben, Stichwort Offene Bühne oder lokale Theatergruppen?Der Raum steht auch Vereinen und Institutionen aus dem Weinland zu günstigen Konditionen zur Verfügung und soll das soziokulturelle Leben unterstützen. Man kann ihn auch privat mieten. Von uns aus ist angedacht, die Veranstaltungen mit drei bis vier Wochen Abstand laufen zu lassen. Dabei möchten wir den Donnerstag als Spieltag etablieren.

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