Feuerthalen

«Am Anfang darf man nicht klein beigeben»

Das mögliche Endlager im Weinland beschäftigt auch die beiden Regierungsräte Mario Fehr (SP) und Ernst Stocker (SVP). Stocker ist «sehr kritisch», und Fehr rät den Weinländern, sich zu wehren – «das ist total legitim».

Das mögliche Tiefenlager für radioaktive Abfälle erregt im Weinland die Gemüter.

Das mögliche Tiefenlager für radioaktive Abfälle erregt im Weinland die Gemüter. Bild: Archiv Markus Brupbacher

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An einem Wahlpodium am Mittwoch in Feuerthalen gab ein heisses Eisen aus der Region zu reden – das Endlager. Das mögliche Tiefenlager für radioaktive Abfälle sei im Zürcher Weinland ein «grosses Thema», sagte Feuerthalens Gemeindepräsident Jürg Grau (SVP), der zugleich Präsident der Endlager-Regionalkonferenz ist.

Sein Parteikollege und Regierungsrat Ernst Stocker fragte: «Muss der Kanton Zürich das nun wirklich auch noch haben?» Nebst dem Weinland kommt auch das Zürcher Unterland als zweite von drei Regionen für den Bau des Schweizer Endlagers infrage. Natürlich müsse die Sicherheit oberste Priorität haben. «Aber ich muss schon sagen, dass ich diesem Standort gegenüber sehr kritisch bin», sagte der Finanzdirektor und Landwirt. Damit unterscheidet sich Stocker deutlich von der Weinländer SVP und dem Zürcher Bauernverband, die beide das mögliche Endlager kaum kritisieren.

«Dann bekommt ihr es»

«Jede Region darf sich für ihre Interessen wehren, das ist total legitim», fuhr Regierungsrat Mario Fehr (SP) fort und nahm dabei Bezug auf die Rede von SVP-Regierungsrat Markus Kägi im Herbst vor der Endlager-Regionalkonferenz. Der Baudirektor hatte damals gesagt, dass man sich in der regionalen Mitwirkung von den eigenen Interessen distanzieren müsse. Fehr hingegen sagte: «Wenn ihr einfach sagt: So schlimm ist es nicht, irgendjemand muss das Endlager ja nehmen, dann bekommt ihr es, das ist klar.» In einem demokratischen Prozess dürfe man nicht schon am Anfang klein beigeben. «Wenn sich die Leute nicht wehren, gibt es keine guten Lösungen.» Wenn sich die Region wehre, zwinge dies die Erbauer des Lagers zu einem viel höheren Sicherheitsstandard. Es zwinge sie auch dazu, sich zu erklären. In der Nähe zu Deutschland sieht Fehr einen Nachteil der Standortregion: «Das gibt ganz sicher noch zusätzliche ‹Lämpen›.»

«Zahn an mir ausbeissen»

Das Feuerthaler Podium dauerte zwei Stunden und wurde von knapp 50 Personen besucht, darunter waren allerdings etliche Kantonsratskandidaten samt Angehörigen, Behördenvertreter und Medienschaffende. Am Schluss stellte das Publikum nur drei Fragen.

Nebst dem Endlager wurden zuvor auch Themen wie Asyl oder Sozialausgaben diskutiert. Auf einem Flugblatt der Weinländer SVP habe er von einem «Asylchaos» gelesen, sagte Fehr. «Im Bezirk Andelfingen gibt es kein Asylchaos, ihr seid bestens organisiert.» Mit der Bezirkslösung habe das Weinland die Asylproblematik «hervorragend angepackt».

Michael Trachsel, SVP-Kantonsratskandidat, wollte wissen, wie die steigenden Sozialkosten gesenkt werden können. Bei den Ergänzungsleistungen zur AHV/IV wolle der Bund nicht mehr Kosten übernehmen, daher werde dies der Kanton tun, sagte Fehr. Bei den Sozialhilfekosten findet es Fehr richtig, dass man junge Erwachsene etwas «härter drannimmt als einen 55-Jährigen, der zum Arbeitsprozess rausfliegt». Bei einem Jungen könne man eher noch etwas erreichen. «Unter dem Strich aber glaube ich, dass dies das Ende der Fahnenstange ist.» An die Adresse von Trachsel sagte Sozialdirektor Fehr: «Wenn Sie in den Kantonsrat kommen und dem Vorstoss, die Sozialhilfe um 30 Prozent zu senken, zum Durchbruch verhelfen möchten, dann werden Sie noch den einen oder anderen Zahn an mir ausbeissen.»

Legen Grüne zu?

Nach seiner Prognose zu den Wahlen befragt, sagte Stocker, dass er weiterhin auf eine starke Hausmacht der SVP hoffe. «Aber ich kann mir vorstellen, dass es insbesondere aufgrund der im Moment aufschwappenden Umweltthemen gewisse Veränderungen im grünen politischen Bereich geben könnte.» Wo das dann Abstriche geben werde, ob bei den Bürgerlichen oder den Linken, «das wird man dann sehen». Dazu ein Detail: Stocker hatte zuvor gesagt, dass er selten mit dem Flugzeug verreise. Fehr hingegen sagte, dass er «wahnsinnig gerne» reise, und zwar möglichst weit weg. (Landbote)

Erstellt: 08.02.2019, 09:30 Uhr

«Jede Region darf sich für ihre Interessen wehren, das ist total legitim»: Mario Fehr, Regierungsrat (SP).

«Ich bin diesem Standort gegenüber sehr kritisch»: Ernst Stocker, Regierungsrat (SVP).

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