Andelfingen

Angestellter verurteilt, weil erim Hobbyraum seines Ex-Chefs Feuer legte

Ein Mann entfachte in der Firma seines ehemaligen Chefs Feuer. Nun kann er sich kaum noch an die Tat erinnern. Das Bezirksgericht Andelfingen verurteilte ihn zu einer bedingten Haftstrafe. Zudem muss er Schadenersatz zahlen.

Ein Angestellter, der im Hobbyraum seines ehemaligen Chefs Feuer gelegt hatte, beteuerte vor dem Bezirksgericht, dass er sich an die Tat nicht mehr erinnern könne.

Ein Angestellter, der im Hobbyraum seines ehemaligen Chefs Feuer gelegt hatte, beteuerte vor dem Bezirksgericht, dass er sich an die Tat nicht mehr erinnern könne. Bild: Donato Caspari

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Wie er auf die Idee gekommen ist, im Sommer 2015 bei seinem ehemaligem Arbeitgeber Feuer zu legen, weiss der Beschuldigte heute nicht mehr: «Ich kann mich an einzelne Schritte nicht erinnern», sagte er gestern im Bezirksgericht Andelfingen. Er habe vor der Tat Tabletten eingenommen, die er einem Dealer in Amsterdam abgekauft habe.Es sei an jenem Tag so gewesen, als wäre er nicht er selber. Als hätte an seiner Stelle ein anderer gehandelt, ein Fremder. Aber es war kein Fremder.

Zur Tat schritt der Beschuldigte bereits am Nachmittag. Er schrieb seinem ehemaligen Chef eine E-Mail: «Du wirst nicht daran denken, dann wird deine Hölle beginnen!!!», heisst es darin. Es blieb nicht bei der Drohung. Noch am selben Tag kaufte er sich im Supermarkt einen Benzinkanister, eine Packung Streichhölzer, einen Schraubenzieher, eine Brechstange und einen Kabelbinder. Gegen Mitternacht drang er ins Firmengebäude seines ehemaligen Chefs ein.

Er kannte sich dort aus. Mehrere Jahre war er hier angestellt, zuerst temporär, dann als Speditionsleiter. «Ich habe mich in der Firma hochgearbeitet», sagte der Beschuldigte vor Gericht.

Seine Stelle hatte er rund drei Jahre vor seiner Tat aus wirtschaftlichen Gründen verloren, wie der Beschuldigte sagte. Ein richtiges Gespräch habe damals nicht stattgefunden. «Waren Sie aufgrund der Entlassung enttäuscht?», fragte der Richter. «Ja», lautet die Antwort. Und etwas leiser: «Ein wenig.»

Längerer Auslandaufenthalt

Nach dem Verlust seiner Arbeitsstelle reiste der Beschuldigte nach Thailand. Und blieb dort für rund ein Jahr. Der gelernte Maurer wollte «mal etwas anderes sehen», baute mit Kollegen ein Hotel auf und reiste auch in andere Länder. Wieder in der Schweiz, suchte er eine Stelle und arbeitet heute als Lagerist. Vor Gericht erschien der 44-Jährige in blauen Jeans, einem karierten Hemd, die Haare sind kurz. Er hört gerne Musik, trinkt kaum Alkohol und schaut im Fernsehen lieber Sport als Krimis.

Er sagte vor Gericht aber auch, dass alles stimme, was in der Anklageschrift steht. Demnach begab er sich in jener Nacht im Sommer 2015 zum Hobbyraum seines ehemaligen Chefs. Er wusste, dass dieser dort unter anderem eine Modelleisenbahn aufgebaut hatte. Der Beschuldigte leerte den Benzinkanister vor der Tür aus. Danach entzündete er die Flüssigkeit und verliess den Tatort, ohne sich um das entfachte Feuer zu kümmern. Nur dank eines glücklichen Zufalls entstand kein Grossbrand. Feuerwehrleute in der Nähe bemerkten das Feuer und konnten rasch mit den Löscharbeiten beginnen. Heute ist dem Beschuldigten klar, was er getan hat. Er fühle sich nicht gut und habe ein schlechtes Gewissen, sagte er. «Es tut mir leid.» Er könne sich nicht erklären, warum er das getan habe. Seine Entlassung sei für ihn zum Tatzeitpunkt jedenfalls kein Thema mehr gewesen. Er würde gerne selber wissen, wie es dazu kommen konnte. «Ich bin ein anständiger Mensch.» Er wolle für seine Taten geradestehen und die Konsequenzen tragen. Seine Verteidigerin wies darauf hin, dass er sich bei seinem ehemaligen Chef entschuldigt habe.

Das Bezirksgericht Andelfingen sprach ihn gestern nach abgekürztem Verfahren für schuldig. Und zwar wegen Brandstiftung, Sachbeschädigung, Drohung, Hausfriedensbruch und mehr­facher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes. Auferlegt werden ihm eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten sowie eine Busse von 300 Franken. Die Freiheitsstrafe wird zugunsten einer Probezeit von zwei Jahren aufgeschoben. Zudem erhält er die Weisung, seine begonnene psychotherapeutische Behandlung vorläufig fortzusetzen. Weiter muss er Schadenersatzforderungen von mindestens 88 000 Franken bezahlen. Hinzu kommen Verfahrenskosten von rund 23 000 Franken.

Erstellt: 07.09.2016, 20:05 Uhr

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