Marthalen

Archäologen finden komplettes, rund 1500 Jahre altes Hundeskelett

Kantonsarchäologen sind bei Grabungen südwestlich von Marthalen auf das intakte Skelett eines Hundes gestossen.

Wohl geordnet, nicht zerstört: Das komplette Skelett eines Hundes, das Archäologen im Mai 2019 bei Marthalen ausgegraben haben.

Wohl geordnet, nicht zerstört: Das komplette Skelett eines Hundes, das Archäologen im Mai 2019 bei Marthalen ausgegraben haben. Bild: Sara Amadori

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«Überraschung», «bemerkenswert»: Fast überschwänglich sind die Worte, mit denen Archäologen ihren Fund beschreiben. Im Kiesabbaugebiet südwestlich von Marthalen haben sie ein komplettes Hundeskelett ausgegraben. Gefunden hatten sie die Knochen bereits letzten Mai, den Fund veröffentlichten sie vor Kurzem online auf dem Instagram-Account der Kantonsarchäologie.

Schon seit 2017 führen die Fachleute dort Notgrabungen durch, weil der Kiesabbau fortschreitet. Die Grabungen finden neben dem alten, trockengelegten Bachbett statt. Denn auch der Niederwiesenbach musste wegen des Abbaus in ein neues Bett umgeleitet werden.

Kurz nach dem Untergang

Gefunden wurde das Skelett in einer ausgegrabenen frühmittelalterlichen Siedlung des 6. und 7. Jahrhunderts. Das Frühmittelalter begann am Ende des 5. Jahrhunderts nach dem Untergang des Weströmischen Reiches im Jahre 476 n. Chr.. Die Marthaler Siedlung bestand aus vielen, für diese Zeit typischen Grubenhäusern. Es handelte sich dabei um Gruben in Boden, die überdacht waren. Solche Häuser wurden in der Regel für das Handwerk genutzt, etwa fürs Weben.

«Wäre der Kadaver offen gelegen, hätten ihn Wölfe, Füchse oder andere Hunde zerrissen, verschleppt und verteilt.»

Das Hundeskelett fanden die Archäologen in den Überresten eines Grubenhauses auf dem einstigen Fussboden. Auf dem Boden, weil das Haus zu dem Zeitpunkt nicht mehr genutzt wurde. Selbst als Laie sieht man auf dem Foto, wie geordnet die Knochen des Hundes daliegen. Sie befinden sich, so nennen es die Fachleute, im Sehnenverband. Das heisst, dass sie weder verschoben noch auseinandergerissen wurden. Dies zeige, schreiben die Archäologen, dass das tote Tier schnell mit Erde zugedeckt wurde. «Wäre der Kadaver offen gelegen, hätten ihn Wölfe, Füchse oder andere Hunde zerrissen, verschleppt und verteilt.»

Offensichtlich sei das tote Tier nach der Aufgabe des Grubenhauses «sorgfältig in der Mitte der Grube platziert und zugeschüttet worden». Es müsse aber offen bleiben, ob dahinter ein ritueller Akt gestanden oder jemand einfach die Gelegenheit genutzt habe, «seinem verstorbenen tierischen Begleiter ein besonderes Begräbnis zu gewähren». Der tote Hund sei mit angewinkelten Beinen niedergelegt worden. «Die Schnauze berührte wohl die Vorderpfoten.»

Grab eines Kindes

Die aktuellen Grabungen laufen seit Mai 2017. Damals wurde rund ein Dutzend solcher Grubenhäuser aus dem Frühmittelalter ausgegraben. Überraschend waren derartige Funde nicht, denn bereits seit Ende der 1950er-Jahren ist bekannt, dass das Gebiet in ur- und frühgeschichtlicher Zeit besiedelt war. Und schon 2007/2008 fanden Ausgrabungen in der Nähe statt. Wie lange die Archäologen noch graben werden, das kann der Kanton nicht sagen. Man werde, sagt Baudirektionssprecher Markus Pfanner, «immer wieder im Vorfeld des Kiesabbaus tätig sein». In einem aktuellen Fundbericht heisst es, dass die Grabung in den kommenden Jahren fortgesetzt würden.

Nebst den Überresten der frühmittelalterlichen Grubenhäuser wurden bislang mehrere Bestattungen aus der Spätbronze- bis Eisenzeit gefunden, die der römischen Epoche vorausgingen. Auch Spuren aus der noch weiter zurückliegenden Jungstein- und der Römerzeit fanden die Archäologen. Bei den freigelegten Gräbern handelt es sich um Körperbestattungen oder Brandgräber, in denen die verbrannten Überreste der Toten bestattet wurden. Als Beigaben fanden die Kantonsarchäologen vor allem Keramik. Auch auf ein Grab eines drei- bis vierjährigen Kindes stiessen sie, als Beigabe fanden sie bei ihm eine eiserne Fibel aus der vorrömischen Eisenzeit.

Erstellt: 20.01.2020, 18:24 Uhr

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