Forstwirtschaft

Auch Weisstannen von Borkenkäfern befallen

Bisher galt die Weisstanne als relativ resistent gegen Trockenheit und Käfer. Doch nun zeigt sich: Sie ist nicht so zäh wie angenommen. Verschiedene Arten des Weisstannenborkenkäfers haben sich massiv vermehrt.

Die Weisstanne galt lange als resistent gegen Käfer und Trockenheit.

Die Weisstanne galt lange als resistent gegen Käfer und Trockenheit. Bild: Madeleine Schoder

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Der Buchdrucker hält die Förster der Region auf Trab. Die Borkenkäferart befällt Fichten derzeit massenweise, die Bäume müssen im grossen Stil gefällt werden. Doch nicht nur die Fichten leiden unter den Krabbeltieren. Seit letztem Sommer werden auch die Weisstannen vermehrt von Käfern heimgesucht.

Bisher galt diese Baumart als relativ resistent gegen Trockenheit und Käfer: «Mich hat es überrascht, dass sie nun doch so leidet», sagt Stefan Holenstein, Förster in Zell. Er habe bereits einzelne Weisstannen gefällt. Vorteilhaft sei, dass es im Tösstal keine grösseren Bestände der Weisstanne gebe.

Drei Käferarten

Beim Kantonalen Amt für Landschaft und Natur hat man die Verbreitung der Schädlinge auch wahrgenommen, wie Mediensprecher Wolfgang Bollack bestätigt. Es gebe unterschiedliche Arten von Weisstannenborkenkäfern, die sich in Trockenjahren massenhaft vermehren können, wie den Krummzähnigen Weisstannenborkenkäfer, den Mittleren Weisstannenborkenkäfer und den Kleinen Weisstannenborkenkäfer.

«Wir haben einfach keine Kapazität, nebst der Arbeit mit den Fichten die Weisstannen auch noch gezielt zu kontrollieren.»Martin Hinnen 
Förster von Neftenbach

Sind die Bäume dann von der Trockenheit geschwächt, können diese Käfer auch erheblichen Schaden anrichten. Dies habe man im ganzen Kanton dieses und letztes Jahr beobachtet. Eine gezielte Bekämpfung sei jedoch nur sinnvoll, wenn die Weisstanne an einem Standort zahlreich vorkomme, sagt Bollack.

Im Gegensatz zur Fichte, die im Zürcher Wald eine sehr häufige Baumart ist und oft in Reinbeständen gepflanzt wird, kommt die Weisstanne eher zerstreut vor. Zudem sei die Bekämpfung der Weisstannenborkenkäfer deutlich aufwendiger als beim Buchdrucker an der Fichte, weil mehrere Arten für den Befall zuständig sind und ihre Brut auch in dünnen Ästen legen.

Zwar bestätigen alle angefragten Förster der Region, dass der Befall der Weisstannen mit Borkenkäfern ein Thema ist. «Wir haben aber einfach keine Kapazität, nebst der Arbeit mit den Fichten diese Bäume auch gezielt zu kontrollieren», sagt Martin Hinnen, Leiter des Neftenbacher Forsts. In seinem Revier seien eher ältere Weisstannen betroffen oder solche, die an trockenen Orten stehen.

Abgestorbene Wurzeln

Anders beobachtet das Oliver Bieri, Förster aus Kleinandelfingen. «Die Weisstannen an guten Standorten haben mehr Probleme», sagt er. «Wahrscheinlich waren diese verwöhnt und haben nicht so tief gewurzelt, weil sie auch weiter oben im Boden genügend Wasser hatten.»

Dadurch hätten sie letzten Sommer stärker unter der Trockenheit gelitten. Auch wenn es dieses Jahr mehr geregnet hat, reicht das nicht aus. Wenn die Wurzeln absterben, ist der Baum langfristig geschwächt. Dann hat auch der Käfer mehr Erfolg. Aber auch Bieri «rennt den Weisstannen nicht nach», wie er sagt. «Wenn wir jedoch bei der Arbeit an den Fichten eine dürre Weisstanne sehen, dann fällen wir sie.»

Erstellt: 23.08.2019, 10:32 Uhr

Sägereien produzieren mehr, als sie brauchen können

Der Borkenkäfer bringt die Holzwirtschaft in Bedrängnis. Die Sägereien in der Region werden bereits seit dem vergangenen Jahr mit sogenanntem Käferholz (vor allem Fichten) überschwemmt. «Auch unsere Sägerei ist übervoll mit diesem Holz», sagt Robert Schaub senior vom Traditionsunternehmen Robert Schaub AG in Andelfingen. «Wir produzieren derzeit gar mehr, als wir brauchen können.» Wenn sein Unternehmen das bearbeitete Käferholz an die Kunden verkauft, erzielt er momentan nur eine sehr bescheidene Marge, «da Mehraufwand in der Verarbeitung und schlechtere Ausbeute den günstigeren Einkaufspreis aufheben».

«99,9 Prozent des Fichtenholzes, das derzeit auf dem Markt ist, ist Käferholz», sagt Schaub. «Ich bin schon lange im Holzgeschäft tätig, aber ich mag mich nicht erinnern, dass es schon mal einen Käferbefall in einem ähnlich hohen Umfang gegeben hat.» Es verwundere ihn deshalb nicht, dass die Waldwirtschaft versuche, das Fichtenholz via Händler «zu noch schlechteren Konditionen» in den asiatischen Raum zu verkaufen, sagt Schaub. Er geht davon aus, dass sein Betrieb auch 2020 noch viel Holz, das vom Borkenkäfer befallen ist, bearbeiten wird.

Natürlich sei die Marge nicht gross, sagt auch Ernst Kägi, Inhaber der Sägerei Kägi AG in Lufingen. «Dennoch finden wir in der Schweiz genügend Abnehmer für das Käferholz.» Er verkaufe nicht nur an Baumeister, sondern auch an die Stadt Zürich. Sein Holz werde zum Beispiel für das Theater Spektakel verwendet. «Das Käferholz ist viel besser als sein Ruf.»

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