Endlager

Bauern bauen Kampf gegen Endlager aus

Weinländer Landwirte rüsten auf im Kampf gegen das Endlager. Und sie schauen dabei über den Tellerrand hinaus.

Neuer Name, neues Logo: Der Verein Like Weinland führte gestern eine Aktion vor dem Marthaler Gemeindehaus durch. Links auf dem Bild ist der Landwirt Jürg Rasi zu sehen.

Neuer Name, neues Logo: Der Verein Like Weinland führte gestern eine Aktion vor dem Marthaler Gemeindehaus durch. Links auf dem Bild ist der Landwirt Jürg Rasi zu sehen. Bild: Nathalie Guinand

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«Ländliche IG kein Endlager im Weinland» – so hiess bis ges­tern die Interessengemeinschaft (IG) von Weinländer Bauern, die gegen ein Atommüllendlager kämpfen. Das sei ein komplizierter Name gewesen, sagte Jürg ­Rasi am Mittwoch vor dem Gemeindehaus in Marthalen. Der Marthaler Landwirt wäre unmittelbar vom Endlager betroffen – das «Tor zum Endlager» würde voraussichtlich direkt vor seiner Haustür gebaut. Die IG zählt heute 120 Mitglieder und entstand vor vier Jahren.

Neu wird aus der IG ein Verein, der am 26. August in Rheinau gegründet wird – sein Name: Like Weinland. Hinter den ersten vier Buchstaben verbergen sich zum einen weiterhin die vier Anfangsbuchstaben von «Ländliche IG kein Endlager im Weinland». Zum anderen steht das englische «like» für «mögen, gernhaben».

«Widerstand kostet»

«Wir, Like, vertreten das Weinland, unsere Heimat, die wir gernhaben», sagte Rasi nach der Enthüllung des neuen Logos und des neuen Namens. Das Logo zeigt ein zartes, aus der Erde spriessendes Pflänzchen, unter dem der ­radioaktive Abfall gelagert werden soll – symbolisiert mit dem Strahlenwarnzeichen. Der Verein wolle das Weinland vor Schaden bewahren, «schützen vor dem Krebsgeschwür Endlager».

Mit dem Verein könne man sich besser strukturieren und Geld sammeln. «Widerstand kostet», sagte Rasi. Und die Gegner, etwa die Nagra, hätten Millionenbudgets zur Verfügung. Der harte Kern des Vereins seien zwar «normale Bauern» von links bis rechts, man wolle aber die ganze Weinlän­der Bevölkerung vertreten. Mehr noch: Auch Mitglieder etwa aus der Stadt Winterthur, aus Schaffhausen, dem Thurgau oder aus Deutschland seien willkommen. Kosten tut die Vereinsmitgliedschaft nichts, Rasi und seine Leute aus dem Vorstand zählen auf freiwillige Beiträge.

Deutschland mitnehmen

Der Verein hat bereits einige Aktionen in Vorbereitung, so etwa einen speziellen Gottesdienst an Ostern. Auch ein sichtbares Objekt ist in Planung. «Wir müssen reagieren können, aber auch vorausschauen. Und Demonstrationen kosten Geld», so Rasi. Das Ziel sei ein Mehrfaches der jetzigen Mitgliederzahl von 120. Und das Potenzial dazu gebe es, glaubt Rasi. Auch in Deutschland sei man bei den Bauern aktiv am Werben, «die haben gar keine Freude an einem Endlager». Das Nachbarland sei «ganz miserabel» vertreten, so etwa in der Leitungsgruppe der Weinländer Regionalkonferenz. «Wir können sie nicht einfach ausschliessen. Wir hätten auch keine Freude, wenn im deutschen Jestetten ein Endlager gebaut würde», argumentiert Rasi.

«Wir wollen das Weinland vor dem Krebsgeschwür Endlager schützen.»Jürg Rasi, Landwirt

Im Leitbild des Marthaler Gemeinderates stehe, dass die Gemeinde kein Endlager wolle. Nur, so Rasi, habe der alte Gemeinderat dieses Ziel nicht vertreten. Er setzt grosse Hoffnungen in die neu zusammengesetzte Behörde.

Das Weinland, die ganze Region, hat laut Rasi das Recht zu sagen: «Wir haben Angst, ein mieses Gefühl bei der ganzen Sache.» Für ihn hat nicht die Sicherheit die oberste Priorität, sondern das Vertrauen in das Suchverfahren. Und dieses habe er im Moment gar nicht. «Wir sind die Experten unserer Heimat, die wir vertreten. Wir müssen und können nicht beurteilen, ob der Opalinuston sicher ist.» Es brauche viel, bis Bauern auf die Strassen gehen würden. «Aber wenn, dann hat es Gewicht, und es bringt etwas», glaubt Jürg Rasi. (Landbote)

Erstellt: 09.08.2018, 08:23 Uhr

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