Andelfingen

Behörde startet Debatte um Tempo 30

Der Andelfinger Gemeinderat möchte nicht zuwarten, bis es im Dorfkern zu gefährlichen Situationen im Strassenverkehr kommt. Er schlägt deshalb eine neue Tempo-30-Zone vor.

Rund 20 Sicherheitsdefizite hat die Verkehrspolizei im Andelfinger Dorfkern ausgemacht.

Rund 20 Sicherheitsdefizite hat die Verkehrspolizei im Andelfinger Dorfkern ausgemacht. Bild: Madeleine Schoder

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Mehr Verkehrssicherheit im Allgemeinen und sicherere Schulwege im Besonderen, mehr Wohn- und Aufenthaltsqualität sowie weniger Lärm und Abgase: Diese Ziele von Tempo 30 nannte Ingenieur Thomas Buhl vom Büro Widmer am Montagabend in Andelfingen. Der Gemeinderat hatte zur Informationsveranstaltung «Tempo 30 im Dorfkern» geladen, rund 50 Personen besuchten den eineinhalbstündigen Anlass.

Um den Andelfinger Marktplatz auf der Thurtalstrasse sowie in daran angrenzenden Quartierstrassen gilt bereits Tempo 30. Nun prüft der Gemeinderat eine solche Temporeduktion auch auf einem Abschnitt der Landstrasse, welcher der Gemeinde gehört, sowie auf daran angrenzenden Abschnitten von Nebenstrassen. Um die Wirksamkeit von Tempo 30 statt 50 zu verdeutlichen, nannte Buhl Zahlen: Bei einem Aufprall mit einem 50 Kilometer pro Stunde (km/h) fahrenden Auto liegt die Sterbewahrscheinlichkeit für einen Fussgänger bei 70 Prozent, bei 30 km/h noch bei 10 Prozent.

50 Prozent mehr Verkehr

Die für Tempo 30 vorgeschriebenen baulichen Massnahmen «führen jeweils zu starken Diskussionen», sagte Buhl noch vor der Fragerunde – und er sollte auch in Andelfingen recht behalten. Die Erfahrung habe aber gezeigt, dass die blosse Signalisation mit Tempo 30 wenig bringe, weil sich der Grossteil nicht daran halte.

So ist die 30er-Zone in Andelfingen geplant.

Im Andelfinger Dorfkern, wo noch Tempo 50 gilt, stellte die kantonale Verkehrspolizei rund 20 Sicherheitsdefizite fest. Dazu gehören etwa zu hohe gemessene Fahrgeschwindigkeiten, ungenügende Sichtweiten bei den bestehenden Fussgängerstreifen oder fehlende Trottoirs. Heute sind rund 5000 Fahrzeuge auf der Landstrasse unterwegs, dabei verhältnismässig viele Lastwagen und Velos. Der Kanton rechnet in Andelfingen in den nächsten zehn bis 15 Jahren mit einer Verkehrszunahme um 50 Prozent.

«Über die Strasse latschen»

Auf der Landstrasse sind drei sogenannte Vertikalversätze vorgesehen, auch Berlinerkissen genannt. Zwei dieser Schwellen kämen in der engen Kurve um die Kirche zu liegen. Auch sollen, wie in Tempo-30-Zonen üblich, bestehende Fussgängerstreifen aufgehoben werden. Die meiste Kritik gab es an der Veranstaltung vom Montag wegen der Schwellen und der Aufhebung der Fussgängerstreifen.

«Wir wollen das Problem proaktiv angehen»Hansruedi Jucker, Gemeindepräsident Andelfingen

Das Abbremsen und Anfahren bei den Schwellen führe zu mehr Lärm und C02-Ausstoss, meinte etwa ein Mann. In einer Tempo-30-Zone haben die Autos Vortritt – nur wissen das viele nicht. So erzählte ein anderer Mann, dass beim Marktplatz, wo bereits Tempo 30 gilt, immer wieder Leute, ohne zu schauen, «einfach über die Strasse latschen, das ist gefährlicher».

Gemeindepräsident Hansruedi Jucker verteidigte das Vorhaben. Die diversen festgestellten Sicherheitsdefizite hätten den Gemeinderat überrascht, sagte er. Der Rat wolle nicht warten, bis etwas passiere, sondern das Problem «proaktiv angehen». Nur zwei Personen aus dem Publikum befürworteten explizit Tempo 30. Sie sei dafür, sagte eine Frau, weil dies mehr Lebensqualität bringe. Ein Mann nannte es ein «geniales Projekt». Trotz der vielen kritischen Voten schätzte Jucker nach dem Anlass das Ja- und Nein-Lager etwa gleich gross ein. Dies aufgrund der anwesenden Personen, die der Gemeindepräsident kennt. Die Polizei hat das Andelfinger Tempo-30-Projekt vorgeprüft und ist grundsätzlich einverstanden. Der Gemeinderat hat für das Vorhaben 120000 Franken ins Budget 2019 aufgenommen.

Die Andelfinger Exekutive überlegt sich nun, ob sie das Projekt weiterverfolgen soll und ob es eine Volksabstimmung gibt. Allenfalls wird der Kanton auf seinem Abschnitt auf der Flaacher- und Landstrasse auch Tempo 30 einführen. Dies, weil das Bundesgericht letztes Jahr in einem Urteil festgehalten hat, dass eine Temporeduktion als Lärmschutzmassnahme gerechtfertigt sei. (Landbote)

Erstellt: 16.04.2019, 18:24 Uhr

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