Öffentlicher Verkehr

Beim Weinländer ÖV-Wunschkonzert schaut jede Gemeinde für sich

Wird ein neuer Fahrplan ausgearbeitet, treffen oft unvereinbare Wünsche aufeinander – ein paar Beispiele.

Am Bahnhof Marthalen halten nicht alle Züge.

Am Bahnhof Marthalen halten nicht alle Züge. Bild: Marc Dahinden

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Wünschen darf man sich fast alles. Das tun auch die Weinländer Gemeinden, wenn es um den öffentlichen Verkehr (ÖV) geht. Zum Entwurf des Fahrplans 2020 bis 2021 reichten sie diesen Frühling über 30 Begehren ein: 17 zu den Postauto- und 15 zu den Bahnverbindungen.

An der Regionalen Verkehrskonferenz (RVK) im Mai diskutierten Vertreter der Weinländer Gemeinden, von Postauto, SBB/Thurbo und ZVV diese Begehren. Den Sommer über entscheidet der Verkehrsrat darüber, und ab dem 20. August beginnt die 30-tägige Rekursfrist.

Eine Minute da, eine dort

Von den 17 Postauto-Begehren überwies die RVK bloss deren fünf. Sechs wurden abgelehnt und nochmals sechs zurückgestellt. Von den 15 Bahn-Begehren werden nur vier erfüllt.

Ein Fahrplan ist ein komplexes Konstrukt – schraubt man an einem Ort, gibt es oft unerwünschte Nebenwirkungen an einem anderen Ort. Das zeigen diverse abgelehnte Begehren.

«Andelfingen hat doppelt so viele Ein- und Aussteiger wie Marthalen.»

So wünscht sich zum Beispiel die Gemeinde Andelfingen, dass in Winterthur der Anschluss der S24 aus Richtung Andelfingen auf die S8 Richtung Wallisellen hergestellt wird. Die SBB beurteilen diesen Wunsch ablehnend. Dieser Anschluss könne in Winterthur nicht abgewartet werden. Um dies zu ermöglichen, müsste entweder die S24 vier Minuten früher ankommen oder die S8 vier Minuten später abfahren. Doch diese beiden Änderungen hätten laut SBB negative Auswirkungen auf die übrigen Strecken und Anschlüsse.

Ein weiterer Weinländer Wunsch ist, dass die S24 in den morgendlichen und abendlichen Stosszeiten in Marthalen hält. Doch auch hier winken die SBB ab. Ein solcher Halt sei «fahrplantechnisch nicht umsetzbar». Denn in der Fahrtrichtung Schaffhausen-Winterthur würde ein Halt in Marthalen die entgegenkommende S24 in Andelfingen und diese wiederum die S12 in Schaffhausen Richtung Winterthur verspäten.

Und eine frühere Abfahrt der S24 in Schaffhausen sei nicht möglich, da diese und die S8 das gleiche Gleis benutzen müssen. Generell würde die Fahrplanstabilität auf der Linie Schaffhausen-Winterthur mit zusätzlichen Halten «stark leiden». Die S24 solle neu in Marthalen halten und dafür in Andelfingen durchfahren – dieser Vorschlag kam daraufhin von der Gemeinde Marthalen. Die SBB lehnen dies ab: «Andelfingen hat doppelt so viele Ein- und Aussteiger wie Marthalen.»

Ein anderes Anliegen hat Marthalen erneut vorgebracht: Die S12 soll in Marthalen zur vollen Stunde abfahren, damit morgens der 9-Uhr-Pass gültig ist. Doch die SBB benötigen diese eine Minute. Der ZVV akzeptiert diesen Pass, obwohl die S12 um 08:59 Uhr in Marthalen abfährt – aber nur noch bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019.

Erstellt: 07.08.2019, 17:51 Uhr

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