Marthalen

Biogasanlage stinkt einigen Anwohnern

Familie Wipf will die Biogasanlage am Dorfrand erweitern und modernisieren, auch damit sie künftig weniger stinkt. Einige Anwohner trauen der Sache aber nicht ganz.

Das Kernstück der Biogasanlage auf dem Sunnehof bei Marthalen ist der Gasspeicher in der runden Kuppel (oberer Bildrand).

Das Kernstück der Biogasanlage auf dem Sunnehof bei Marthalen ist der Gasspeicher in der runden Kuppel (oberer Bildrand). Bild: PD

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Theoretisch spricht alles für die Biogasanlage: Sie macht aus Abfall Strom. Circa 180 Haushalte können damit ein Jahr lang versorgt werden. Zudem produziert sie Abwärme, dank der man viel Heizöl einsparen könnte. Es gibt dabei nur ein Problem: Die Anlage stinkt einigen Anwohnern bis zum Himmel, denn es lagern dort faulendes Gemüse, Mist und Gülle.

Nächtlicher Motorenlärm

Und nun soll die Produktion auch noch erweitert werden? An einem Informationsanlass der Gemeinde liessen einzelne Anwohner Dampf ab, nachdem sie von diesen Plänen gehört hatten: «Es riecht bei uns, als hätte es Fäkalien im Zimmer», sagte eine Frau. «Wir können nicht mehr draussen sitzen.» Ein Mann beklagte sich über nächtlichen Motorenlärm und ein Landwirt meinte, er habe sich immer wieder beschwert. Vergeblich.

«Es riecht bei uns, als hätte es Fäkalien im Zimmer.»Anwohnerin

Das Geräusch, das der Mann hörte, muss von einem der beiden Blockheizkraftwerke stammen. Dort wird die anfallende Energie aus dem Gärprozess in elektrische Energie umgewandelt. Es gab unter den rund 60 Interessierten aber auch ganz andere Meinungen: Ein Votant gratulierte dem Betreiber zu seinem Pioniergeist und ein weiterer rief zu mehr Toleranz auf: «Wir reden von Emissionen, die wir letztlich alle selber verursachen, etwa indem wir nur das schönste Gemüse essen wollen und dadurch Abfälle entstehen.»

Konkret geht es um einen Gestaltungsplan, über den die Stimmberechtigten in Marthalen voraussichtlich am 10. Februar 2019 entscheiden. Dieser soll der Betreiberfamilie verschiedene Ausbauten erlauben. Denn bisher konnte man an der Anlage kaum etwas ändern, da der Hof in der Landwirtschaftszone liegt und es dort strenge Vorschriften gibt.

Verbesserungen sind möglich

Geplant ist etwa ein neues Dach über dem Lagerplatz für Bioabfälle. Dadurch würden stinkende Faulungsprozesse verhindert, da ohne Wasser keine geruchsbildenden biologischen Prozesse in Gang kämen, heisst es in einem Umweltverträglichkeitsbericht, der öffentlich aufliegt. Positiv könnten sich auch zwei neue Behälter auswirken, in denen die Biomasse länger nachgären soll. «Die vergorne Dünngülle riecht kaum noch», sagte Hans Engeli, der Verfasser des Berichts. Der Betreiber könne selber einiges zur Verbesserung beitragen, etwa indem er geruchsintensives Material abdeckt oder das Wetter beachtet. Er kommt zum Schluss, dass sich die Geruchssituation mit den Erweiterungen «tendenziell» verbessern werde.

Der Sunnehof liegt 200 Meter vom Dorf entfernt

Dies, obwohl die Kapazität dabei in den nächsten 10 bis 20 Jahren verdoppelt werden könnte. Die Biogasanlage verarbeitet derzeit knapp 8000 Tonnen Material pro Jahr. Davon stammen gemäss Bericht rund 2000 Tonnen vom Betrieb selber. Mit der Erweiterung könnten es bis zu 15 000 Tonnen jährlich werden, wodurch sich auch die An- und Abfahrten erhöhten. Ob es tatsächlich in absehbarer Zeit soweit kommt, ist allerdings fraglich. Denn auch wenn der Gestaltungsplan angenommen wird, ist für jede Erweiterung ein Baugesuch nötig, gegen das sich die Nachbarn wehren könnten. Und viel Kredit hat der Betreiber in der Nachbarschaft nicht gerade, wie an der Informationsveranstaltung klar wurde.

Gleich mehrere Anwohner machten deutlich, dass sie nicht mehr an eine Verbesserung glauben. «Schon 2006, als es anfing, hat man uns gesagt, es werde nicht stinken», sagte ein Votant. Ein Dach über dem Lagerplatz helfe jedenfalls nicht weiter. Nur ein geschlossenes Gebäude bringe etwas. Darauf antwortete Engeli, dass das gesetzlich nicht vorgeschrieben sei und mehr koste.

Eine Frau fasste mehrere Voten zusammen, indem sie sagte, dass es vielen an Vertrauen in den Betreiber fehle. Er habe sich bislang zu wenig bemüht, den Gestank zu minimieren. Der Betreiber, Martin Wipf, hörte sich die teils harsche Kritik lange schweigend an. Schliesslich versprach er in einem kurzen Votum, dass er sich bei einem Ja zum Gestaltungsplan zuerst um die Geruchs- und Lärmprobleme kümmern werde. (Landbote)

Erstellt: 06.09.2018, 16:42 Uhr

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