Andelfingen

Bis zu 15 Monate Gefängnis und 10 Jahre Landesverweis für die Taschendiebbande

Drei Tage dauerte der Rheinfallprozess am Bezirksgericht Andelfingen. Gestern verurteilte das Gericht vier rumänische Taschendiebe zu Haftstrafen und Landesverweis.

Aussichtsplattform am Rheinfall unterhalb des Schlosses Laufen: Auch hier sollen die vier rumänischen Taschendiebe geklaut haben.

Aussichtsplattform am Rheinfall unterhalb des Schlosses Laufen: Auch hier sollen die vier rumänischen Taschendiebe geklaut haben. Bild: Marc Dahinden

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Die vier amtlichen Verteidiger der rumänischen Taschendiebbande vom Rheinfall versuchten am Montag noch, Zweifel zu streuen – in der Hoffnung, das Bezirksgericht Andelfingen entscheide im Zweifel für die An­geklagten. So forderten sie Freisprüche oder weit geringere Gefängnisstrafen als von der Staatsanwaltschaft verlangt. Diese beantragte hauptsächlich wegen banden- und gewerbsmässigen Diebstahls zwischen 17 und 32 Monaten Gefängnis plus je 10 Jahre Landesverweis.

Zwei der Anwälte wollten sogar eine Genugtuung für ihre Mandanten in der Höhe von mehreren Zehntausend Franken für die seit Ende August 2017 verbüsste Haft. Auch griffen die Verteidiger in ihren Plädoyers geschlossen die Staatsanwältin an und warfen ihr Fehler in der Anklage vor.

Was ist ein Versuch?

Doch aus der Strategie der vier Pflichtverteidiger wurde nichts. Das Andelfinger Gericht sprach gestern die zwei Rumäninnen und zwei Rumänen schuldig. Das Urteil kann weiter ans Obergericht gezogen werden. Die Gefängnisstrafen liegen bei dreimal 13 und einmal 15 Monaten unbedingt. Nach verbüsster Haft werden die vier zudem für zehn Jahre des Landes verwiesen. Während der Urteilsverkündung schluchzten und weinten zwei der vier Verurteilten.

«Das gehört zum Rechtsstaat dazu.»Der Gerichtspräsident

Laut der Staatsanwaltschaft hat es zwei Phasen von Taschendiebstählen am Rheinfall gegeben, im Juli und August 2017. In der Juliphase sollen nur zwei der vier Personen beteiligt gewesen sein, die für diesen Zeitraum nun aber freigesprochen worden sind. Es habe damals zwar Diebstahlversuche gegeben, argumentierte das Gericht, doch fehlten dafür die Beweise. Zudem habe es sich gezeigt, dass die zwei Angeklagten den Begriff «Versuch» alltagssprachlich und nicht strafrechtlich verstanden hätten. Sie meinten damit bloss die Absicht zu stehlen und das Ausschauhalten nach möglichen Opfern, was aber noch nicht strafbar ist. Strafbar wäre erst das Berühren respektive Greifen in die Taschen oder Rucksäcke der Touristen.

«Nicht tolerierbar»

Anders im August: Das Gericht geht davon aus, dass die vier Personen in mindestens vier Fällen Portemonnaies und in einem Fall eine Sonnenbrille geklaut haben. Zudem sei es in einem bis zwei Fällen zu Versuchen von Taschendiebstählen gekommen. In all diesen Fällen haben die Verurteilten «arbeitsteilig zusammengewirkt», wie es der Gerichtspräsident ausdrückte. Dieses Verhalten im August sei klar als gewerbs- und bandenmässiger Diebstahl zu beurteilen.

Der Rahmen für solche Straf­taten reicht von 6 Monaten bis 10 Jahren Gefängnis. In den vorliegenden Fällen sei das Verschulden «leicht- bis mittelgradig», sagte der Präsident. Es seien keine Taschendiebprofis im eigentlichen Sinn des Wortes. Dennoch sei es keine Lappalie, keine Bagatelle. Das Bestehlen von Touristen sei «nicht tolerierbar». Die eigenen Schwierigkeiten der vier Rumänen in ihrem Heimatland – Arbeitslosigkeit, kranke Familienmitglieder – berechtigten nicht dazu, sich so Geld zu beschaffen, mahnte der Präsident. Er hoffe, sagte er gestern ganz zum Schluss der Urteilsverkündung, dass sie nach der Rückkehr in ihr Heimatland dort oder anderswo in Europa eine «gesunde, legale Basis» finden für ein «einigermassen anständiges Leben» und eine Arbeit, «ohne andere Menschen zu schädigen». Das ganze Gerichtsverfahren sei sehr umfangreich gewesen. Am Schluss bleibe relativ wenig im Vergleich zum betriebenen Aufwand. «Das gehört aber zum Rechtsstaat dazu.»

Teils gravierende Vorstrafen, keinerlei Bezug zur Schweiz sowie eine erhöhte Rückfallgefahr: Damit begründet das Andelfinger Bezirksgericht im Wesentlichen den Landesverweis der vier verurteilten Rumänen. Der Verweis aus der Schweiz sei sowohl mit dem hiesigen Strafgesetzbuch als auch mit dem Freizügigkeitsabkommen vereinbar – als Rumänen sind die zwei Männer und die zwei Frauen EU-Bürger. (Landbote)

Erstellt: 16.05.2018, 08:12 Uhr

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