Weinland

Borkenkäfer drücken die Holzpreise

Die Preise für Käferholz decken die Kosten der Ernte vielerorts nicht mehr. Schuld ist ein grosses Überangebot. Doch viele Alternativen, anstatt kranke Bäume zu fällen, gibt es nicht.

Ein Massenbefall von Borkenkäfern kann Bäume absterben lassen.

Ein Massenbefall von Borkenkäfern kann Bäume absterben lassen. Bild: Roland Müller

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«Ab Anfang Juli stellte man im Forstrevier Neunforn-Uesslingen einen extrem starken Borkenkäferbefall fest», sagte Förster Paul Koch an einem Informationsmorgen am Wochenende im Waldgebiet Hägenloo beim Barchetsee. Das ist keine Seltenheit. Der starke Borkenkäferbefall ist im ganzen Weinland und in angrenzenden Gebieten spürbar.

Den Käfer bekämpfen heisst, befallenes Holz schlagen. «Wir haben bereits 1500 Kubikmeter genutzt und verkauft, weitere 1400 Kubikmeter liegen an Lager, und wir rechnen mit weiteren, noch stehenden Mengen von 2000 Kubikmetern», erklärte Förster Paul Koch.

Von gesund bis dürr

Ist es heiss und trocken, freut das die Borkenkäfer, sie vermehren sich rasant. Die Leute aus der Holzbranche hingegen haben ihrerseits keine Freude an den kleinen Schädlingen. Die befallenen Bäume, meist Fichten, können unter dem Massenbefall der Käfer sogar absterben. Das Resultat: Viel Holz muss quasi unfreiwillig geschlagen werden, um den Befall einzudämmen.

Der Borkenkäfer ist im ganzen Weinland aktiv. Bild: rom

Dabei stehen zwei verschiedene Strategien zur Verfügung. Erstens: Befallene Fichten werden rasch geschlagen und sofort aus dem Wald transportiert, um gesunde Fichten vor einem Befall zu schützen. Auch wenn man von weitem noch nichts sehe, sagt Paul Koch, ist der Käfer drin, kann es von gesund bis dürr nur ein bis zwei Wochen dauern.

Warten mit Ernten

Die Strategie des raschen Abräumens wird aber auch hinterfragt. Die Forstleute entscheiden sich fallweise auch dafür, alle Fichten vorerst stehen zu lassen. «Ganze Bäume verderben weniger rasch, da sie keine Schnittstellen aufweisen. Eine Ernte ist auch später noch möglich», so Koch. Durch diese «stehende Lagerung» entstehen nicht sofort anfallende Rüst- und Transportkosten, und es belastet auch den Markt nicht weiter.

«Wir müssen Bauherren und Planer überzeugen, dass man auf einheimisches Käferholz setzt, um den Absatz anzukurbeln.»Paul Koch. Förster im Revier Neunforn-Uesslingen

Das Überangebot auf dem Holzmarkt führt zu extrem niedrigen Preisen, dazu kommt, dass dieses sogenannte Käferholz sonst schon einen tieferen Preis als unverletztes Holz erzielt. Dass die Vermarktung des Holzes derzeit sehr schwierig ist, bestätigt auch das Forstamt des Kantons Zürich. Es gäbe europaweit sehr viel Käferholz, aber auch viel Holz aus den letztjährigen Sturmereignissen, das ebenfalls noch auf dem Markt ist.

Die Spuren des Borkenkäfers sind offensichtlich. Bild: Roland Müller

Besonders betroffen seien Kantonsteile, in denen die Fichten aufgrund der Niederschläge und der Böden besonders gestresst seien. Dies sei aktuell vor allem das Weinland, aber auch Regionen im Zürcher Unterland und in umliegenden Regionen. In diesen Gegenden seien die Preise so tief gesunken, dass sie nicht mehr die Kosten der Ernte decken, sagt auch Daniel Böhi vom Forstamt Thurgau.

Niedrige Preise bleiben

Deshalb werden private Waldbesitzer finanziell und organisatorisch unterstützt, wenn es um Massnahmen geht, die den Käferbefall bekämpfen. Diese Strategie verfolgt sowohl der Kanton Thurgau wie auch der Kanton Zürich. Diese kantonalen Massnahmen hätten jedoch das Ziel, den Borkenkäfer einzudämmen, sagt das Forstamt des Kantons Zürich. Auf den niedrigen Preisen bleiben die Waldbesitzer sitzen.

Förster Koch sagt, dass die öffentliche Hand ebenso wie die Landwirtschaft in der Pflicht stehe, Käferholz zu verbauen. Grundsätzlich seien aber auch selber betroffene Bauherren gefordert, eigenes Käferholz zu verbauen oder es als Brennholz zu nutzen. «Wir müssen Bauherren, Architekten und Planer überzeugen, dass man auf einheimisches Käferholz setzt, um den Absatz anzukurbeln.»

Erstellt: 16.07.2019, 07:04 Uhr

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