Neftenbach

Borkenkäfer haben sich explosionsartig vermehrt

Die Förster im Forstrevier Weinland-Süd schlagen Alarm.Der Borkenkäferbefall ist viel schlimmer als befürchtet. Leidtragende seien die Waldbesitzer. «Wir haben deshalb unsere Strategie geändert», sagt Förster Florian Tuchschmid.

Im Forstrevier Weinland-Süd werden die Käferbäume mittlerweile stehengelassen

Im Forstrevier Weinland-Süd werden die Käferbäume mittlerweile stehengelassen Bild: PD

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Viele dürre Bäume in den Wäldern in Winterthur und Umgebung und dem Weinland zeugen davon: Der Borkenkäfer hat hier massiven Schaden angerichtet. So massiv, dass der Förster des Forstreviers Weinland-Süd jetzt in den Mitteilungsblättern Alarm schlägt. Das zu betreuende Gebiet besteht aus den Privat- und Gemeindewäldern von Neftenbach, Seuzach, Dägerlen, Hettlingen, Henggart und Humlikon. Es umfasst insgesamt 1040 Hektaren Waldfläche.

Zu heiss und zu trocken

Verantwortlich für das Baumsterben ist der fünf Millimeter grosse dunkelbraune Buchdrucker, eine Unterart des Borkenkäfers. Er besiedelt vor allem Fichten. Die Männchen werden von Duftstoffen der Bäume und von Lockstoffen der Artgenossen angelockt. Nach dem Einbohren in die Rinde findet die Paarung statt. Dann legen die Weibchen im sogenannten Muttergang ihre Eier ab. Nach der Verpuppung bleiben die Jungkäfer noch unter der Rinde, bevor sie neue Brutmöglichkeiten suchen. Aus einer grossen, befallenen Fichte können mehrere zehntausend Borkenkäfer ausfliegen und weitere Bäume befallen.

«Obwohl wir die befallenen Bäume konsequent gefällt und das Holz aus dem Wald geschafft haben, konnten wir eine Massenvermehrung in den letzten Jahren nicht verhindern», sagt Förster Florian Tuchschmid, der das Gebiet Weinland-Süd zusammen mit Förster Martin Hinnen betreut. Als Hauptgrund nennt er die heissen und trockenen Sommermonate der letzten Jahre.

Nicht im Griff

Der Anstieg der Schadholzmenge ist alarmierend: Bis Ende Juni dieses Jahres sind im Forstrevier Weinland-Süd rund 2000 Kubikmeter Käferholz gefällt und aus dem Wald abtransportiert worden. «Wir gingen davon aus, dass wir die starke Befallssituation in den Griff bekommen», sagt Tuchschmid. «Mitte Juli mussten wir leider feststellen, dass sich die Käfer explosionsartig vermehrt und ganze Waldbestände flächig befallen haben.» Im Weinland-Süd geht man aktuell von einer Schadholzmenge von über 15000 Kubikmeter Holz aus. Bei der Annahme, dass ein 25 Meter hoher Baum etwas über drei Kubikmeter Holz enthält, sind das rund 4700 gefällte Käferbäume.

Käferholzernte defizitär

«Es ist leider Tatsache, dass zum derzeitigen Holzpreis meist keine kostendeckende Käferholzernte mehr möglich ist», stellt Tuchschmid weiter fest. Heute erhalte man höchstens noch 30 Franken pro Kubikmeter Käferholz, weniger als sie die Aufbereitung des Holzes kostet. Die Waldeigentümer müssten ihre befallenen Bäume defizitär «entsorgen», hinzu kämen die Pflanz- und Pflegekosten.

So sehen die Schäden aus. Bild: nag

Im Forstrevier Weinland-Süd steht momentan im Vergleich zu anderen Revieren sehr viel Schadholz herum, wie Tuchschmid sagt. Es wurde absichtlich stehen gelassen. «Wir mussten diesen Sommer einsehen, dass unsere Nulltoleranz-Strategie, die wir seit 2015 verfolgt haben, ihre Wirkung verfehlt hat.» Hinzu komme der Preiszerfall des beschädigten Holzes. «Wir wollten den Waldbesitzern das Defizit nicht zumuten», sagt Tuchschmid.«Unser Ziel ist es, die Bevölkerung darauf hinzuweisen, dass man das Käferproblem nicht einfach auf die Waldbesitzer abwälzen kann.» In der aktuellen Klimadebatte müsse man sich damit befassen, wie ein «klimafitter» Wald aussehe.

Anfrage im Kantonsrat

Auf den Zustand des Waldes bezieht sich auch eine Anfrage im Kantonsrat. Demnach wollen die drei Kantonsräte Martin Farner (FDP Stammheim), Martin Hübscher (SVP Wiesendangen) und Josef Wiederkehr (CVP Dietikon) unter anderem wissen, ob der Regierungsrat bereit sei, für die nächsten Jahre zusätzliche Mittel für die Wiederherstellung der Käferflächen und die Bepflanzung und Pflege von zukunftsfähigen Jungwäldern zu sprechen. In seiner Antwort schreibt der Regierungsrat, dass dafür heute schon Mittel im ordentlichen Budget zur Verfügung stünden. Das Amt für Landschaft und Natur prüfe in den kommenden Monaten, in welchem Umfang diese Mittel aufgestockt werden müssten.

Erstellt: 07.11.2019, 17:50 Uhr

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