Stammheim

Bratwurst, Hopfen, Schweisstropfen

Die Radprofis der Tour de Suisse sind am Montag quer durch das Weinland gefahren. Velofans, Politiker und andere Zaungäste nutzten die Gelegenheit für ein Volksfest.

In Oberstammheim wurden das Rennen zum Volksfest.
Video: Simon Grässle

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Stefan Küng ist kurz vor dem Start in die dritte Etappe der Tour de Suisse bestens gelaunt. Der Thurgauer Radprofi lässt sich entspannt mit Fans fotografieren und sagt in ein Mikrofon: «Es ist wunderschön in Oberstammheim.» Nicht nur deshalb erntet der 24-Jährige im Startbereich viel Applaus. Er trägt das gelbe Leader-Trikot und gilt als Hoffnungsträger für den Schweizer Radsport.

Einer, der am Strassenrand applaudiert, ist Nicolas Schnelli. Der 29-jährige Winterthurer ist mit dem Rennvelo hergefahren, um Stars wie Küng oder auch Peter Sagan einmal live zu sehen: «Die Startliste an der Tour de Suisse ist eindrücklich.» Auf eine ganz andere Art und Weise eindrücklich ist ein weiterer Auftritt in Oberstammheim: Erst ertönt hinter einem Riegelhaus nur seine bekannte Stimme. Dann tritt er ins Sichtfeld, Hausi Leutenegger, der wie gewohnt einen Pullover über den Schultern trägt.

Der Ehrenstarter geht mit weit ausgestreckten Armen schnurstracks auf SP-Regierungsrat Mario Fehr zu und sagt zu diesem lachend: «Ich lese alles über Dich.»

Nach dem Handschlag der beiden dauert es nicht lange und sie werden von allen Seiten fotografiert. Bald stösst auch OK-Präsident Martin Farner hinzu.

Exkurs in die Politik

Farner und Fehr wollen am Nachmittag gemeinsam an einem Promi-Rennen starten. Also begutachten sie schon mal die dafür vorgesehenen Militärvelos. «Wir sind sicher ein gutes Gespann», sagt Mario Fehr zu Martin Farner, der FDP-Kantonsrat und Gemeindepräsidenten in Oberstammheim ist. Farner stimmt dem gerne zu. Die Frage, ob er bald Fehrs Amtskollege werden wolle, wie es gerüchtehalber heisst, lässt er allerdings offen.

Das Rennen ist jetzt ohnehin wichtiger. Der Start rückt näher. Die Fahrer scheinen mitten im Publikum zu stehen. Man könnte ihnen auf die Schulter klopfen oder, vielleicht besser, ihre Velos studieren. «Das ist eine elektronische Gangschaltung», sagt ein Zuschauer fachmännisch.

Mit dem Velo da

Mehrfach zu sehen ist im Startbereich die Sportkleidung des Veloklubs Seuzach. Sie seien gleich mit circa acht Personen hier, sagt Albert Hess. Ein Rennstart in der Region sei ein spezielles Ereignis. «Es ist unglaublich, was die Fahrer an der Tour de Suisse alles leisten.» Er radle mit seinen Kollegen nach dem Start direkt nach Flaach weiter, um dort nochmals zu sehen, wie die Radprofis vorbeifahren.

Hopphopphopp

Andere im Publikum sind wiederum nur wegen der Atmosphäre hier. «Es ist schön, dass etwas läuft», sagen mehrere Passanten. Und eine Frau aus Unterstammheim, die mit Kindern unterwegs ist, freut sich darüber, dass es Verpflegungsstände hat. «So muss ich heute nicht kochen.»

Nach dem Startschuss von Hausi Leutenegger geht es schnell. Die Radprofis sind innert Sekunden weg. «Hopphopphopphopp!», tönt es überall. Viel länger dauert es, bis alle Support-Fahrzeuge und der ganze Werbe-Tross vorbei sind. Ein Mädchen hält sich die Ohren zu, weil die vorbeifahrenden Autos laut hupen, um die Leute von der Strecke fernzuhalten. Kurz nach dem Start beginnt es zu regnen, eine Einladung für alle, in das Festzelt beim «Hirschen» zu wechseln und auf die zweite Durchfahrt zu warten. Manche Essen eine Bratwurst oder Hörnli. Vor dem Stand mit Stammheimer Hopfen-Bier bildet sich eine Schlange.

Zweite Durchfahrt

Die Fahrer drehen derweil eine rassige Runde um das halbe Weinland, bevor sie nochmals in Oberstammheim einfahren. Am Strassenrand sind vielerorts Stühle zu sehen, die Anwohner bereitgestellt haben, um das Rennen zu verfolgen. In Oberstammheim tauchen zuerst drei Ausreisser mit deutlichem Vorsprung auf. Stefan Küng folgt erst einiges später. Er muss darum kämpfen, weiterhin Leader zu bleiben. (Landbote)

Erstellt: 11.06.2018, 17:33 Uhr

Aufgefallen

Hotelhochburg Winterthur

Offiziell machte die Tour de Suisse keinen Halt in Winterthur, inoffiziell hingegen schon: Vor dem Hotel Banana fielen in den letzten Tagen grosse Fahrzeuge des Tourtrosses auf. Einige Veloprofis kurvten sogar auf Aufwärmrunden durchs Quartier. Auch vor dem Parkhotel waren Werbefahrzeuge parkiert. Dort war auch Schlagersängerin und Ex-Miss-Schweiz Linda Fäh einquartiert; sie ist eine der Ehrendamen der Tour de Suisse.

Der Grund für die Präsenz der Tour in Winterthur: Offenbar gab es in Frauenfeld zu wenige Hotelzimmer, darum wich man in die Hotelhochburg Winterthur aus. Wir bilanzieren: Immerhin gibt es eine Stadt in der Ostschweiz mit mindestens ebenso grossem Hotelzimmermangel wie Winterthur. (bä)

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