Bedingungsloses Grundeinkommen

«Das alles ist ein grosses Abenteuer»

Initiantin Rebecca Panian erklärt, weshalb es in Rheinau und auch an anderen Orten ein bedingungsloses Grundeinkommen braucht.

Rebecca Panian, Filmerin.

Rebecca Panian, Filmerin.

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Weshalb haben Sie sich für das Grundeinkommen-Experiment ausgerechnet die Weinländer Gemeinde Rheinau ausgesucht?
Rebecca Panian: Wir waren auf der Suche nach einer Art Miniaturschweiz. Rheinau ist da perfekt, es ist alles vorhanden: Restaurants, ein Dorfladen, eine Schule. Die Durchmischung in der Gemeinde ist ideal.

Das gibt es auch anderswo.
In Rheinau hat sich mit Karin Eigenheer eine Gemeinderätin bei uns beworben, das hat geholfen. Denn es ist uns sehr wichtig, dass das Projekt von der Gemeinde und von der Bevölkerung getragen wird. Wir wollen niemanden zu etwas zwingen. Die Auswahl eines Dorfs war aber schwierig. Es haben sich über hundert Personen bei uns gemeldet und ihre Gemeinden angepriesen. Ich wusste gar nicht, dass es in der Schweiz so viele innovative Dörfer gibt.

«Ich hoffe, es fliegen keine Eier auf uns und die Bevölkerung reagiert offen»

Die Hälfte der 1300 Einwohner in Rheinau müssen am Experiment teilnehmen, damit es durchgeführt wird. Weshalb braucht es so viele?
Wir wollen sehen, wie sich das bedingungslose Grundeinkommen auf eine Gemeinschaft auswirkt, das geht nur, wenn sich eine Mehrheit beteiligt. Ob sich genug anmelden werden, kann ich nicht sagen. Das alles ist ein grosses Abenteuer.

Wie wird das Projekt in Rheinau ankommen?
Ich hoffe, es fliegen keine Eier auf uns und die Bevölkerung reagiert ähnlich offen wie der Gemeinderat. Auf kritische Inputs der Bevölkerung sind wir jedoch an­gewiesen, um das Experiment gemeinsam zu reissen. Wir hoffen auf eine breite öffentliche Debatte. Denn noch ist nicht alles im Detail festgelegt. Mit dem Gemeinderat haben wir zum Beispiel diskutiert, wie hoch die Beiträge für junge Erwachsene sein könnten.

Die Vermutung liegt nahe, dass sich vor allem Menschen anmelden werden, die vom Grundeinkommen profitieren. Also jene Rheinauer, die weniger verdienen als 2500 Franken monatlich. Wer mehr verdient, muss das erhaltene Grundeinkommen ja Ende Monat zurückgeben.
Das kann sein. Wir hoffen aber, dass sich auch viele anmelden, die selber nicht direkt profitieren. Ohne Solidarität geht es nicht. Nur so kann sich das Experiment positiv auf die dörfliche Gemeinschaft auswirken.

 «Ich habe selber erfahren, dass man als Arbeitslose in der Schweiz nicht viel wert ist. Das Grundeinkommen könnte eine mögliche Antwort sein.» 

Weshalb braucht es in Rheinau oder anderswo ein bedingungsloses Grundeinkommen?
Es gibt viele Fakten, die gegen unser heutiges System sprechen. Das sieht man jeden Tag. Immer weniger Arbeitstätige müssen immer mehr Pensionierte finanzieren. Zukunftsforscher sagen zudem voraus, dass es aufgrund der Automatisierung weniger Jobs geben wird. Die Folgen davon sind einbrechende Konsumausgaben und eine höhere Arbeitslosigkeit. Dadurch fallen im heutigen System viele Menschen durchs Netz. Wollen wir das? Damit werden auch mehr Leute depressiv. Ich habe selber erfahren, dass man als Arbeitslose in der Schweiz nicht viel wert ist. Das Grundeinkommen könnte auf diese Entwicklung eine mögliche Antwort sein. Unser Experiment gibt vielleicht Hinweise darauf, ob es funktionieren kann.

Wer finanziert das Grund­einkommen in Rheinau?
Wir planen einen ähnlichen Aufruf wie das Internetmagazin «Republik». Interessierte können bei uns Dorfpaten werden und so die Gemeinschaft unterstützen und das Experiment überhaupt Rea­lität werden lassen. Wir können ein weiteres wichtiges Zeichen setzen im Diskurs rund um eine neue mögliche Zukunft.

Wann beginnen Sie mit den Dreharbeiten für Ihren Film über das Experiment?
Glücklicherweise konnten wir bereits die ersten Gespräche mit dem Rheinauer Gemeinderat filmen und auch sonst einige wichtige Momente einfangen. Wie es weitergeht, wird sich weisen. Wir wollen mit der Kamera im Dorf sicher niemanden überfallen. Auch das ist völlig freiwillig.

(Der Landbote)

Erstellt: 06.06.2018, 10:20 Uhr

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