Endlager

Das Tor zum Endlager wackelt

Soll der Standort für das Tor zum Endlager wegen des Grundwassers verlegt werden? Ja, findet eine Fachgruppe der Weinländer Regionalkonferenz.

Im Wald zwischen Marthalen und Rhein besitzt die Stadt Winterthur das Recht auf Trinkwasser.

Im Wald zwischen Marthalen und Rhein besitzt die Stadt Winterthur das Recht auf Trinkwasser. Bild: Markus Brupbacher

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Mitten im Wald zwischen Marthalen und dem Rhein steht es schwarz auf weiss auf einer Tafel: «Trinkwasserschutzgebiet Wasserversorgung Weinland-Winterthur». Die Stadt mit 110 000 Einwohnern besitzt dort das Recht, den mächtigen Grundwasserstrom des Rheins für die Trinkwasserversorgung anzuzapfen. Dieses Nutzungsrecht ist für den Notfall respektive als strategische Option für die Zukunft gedacht.

«Der Kanton träumt davon, Grundwasser bis nach Winterthur zu pumpen», sagte ein Benkemer Bürger am Montagabend an einer Informationsveranstaltung zum Thema Endlager. Da wundere es ihn, fuhr der Mann fort, mit welcher Leichtigkeit der Kanton nun sage, dass das neu entdeckte Grundwasservorkommen unter dem Standort für das Tor zum Endlager kein Problem sei. «Das begreife ich einfach nicht.» Aus dem Kreis der rund 40 anwesenden Personen war ein zustimmendes Raunen zu hören.

Im Tor zum Endlager, einer oberirdischen atomaren Hochsicherheitsanlage, wird mit hochradioaktiven Abfällen hantiert, bevor diese im Opalinuston in 600 bis 700 Metern Tiefe für eine Million Jahre eingelagert werden.

Nagra sieht kein Problem

Im Frühling gab die Nagra bekannt, dass sie unter dem vorgesehenen Standort für das Tor zum Endlager neue, bisher unbekannte Grundwasservorkommen gefunden hat. Die Untersuchungen dazu hatten der Kanton Zürich und die Weinländer Endlager-Regionalkonferenz verlangt. Die Nagra selber hält es seit jeher für unproblematisch, atomare Anlagen selbst über grossen Grundwasservorkommen zu bauen. So wiederholte auch am Montag ein Nagra-Vertreter das Standard­argument: Sowohl Schweizer Atomkraftwerke als auch das atomare Zwischenlager für radio­aktive Abfälle in Würenlingen AG seien über dem Grundwasser gebaut. Ein weiteres gängiges Argument der Nagra: Mit baulichen Schutzmassnahmen seien die Risiken beherrschbar.

«Vielleicht machen wir nochmals einen Schritt zurück.»Beatrice Salce, Präsidentin Fachgruppe Oberflächenanlage

Aber warum hält auch der Kanton Zürich das neu entdeckte Grundwasservorkommen für unproblematisch? Dieses Wasser befindet sich in einem Gemisch aus Kies und Sand – Schotter genannt –, das allerdings nicht mit dem mächtigen Schotter des Rheingrundwassers im Westen verbunden ist. Das hat die Nagra in ihren Untersuchungen als zentrales Resultat festgestellt. Und der Vertreter des Kantons sagte, dass es «keine Zweifel» an den Resultaten der Nagra gebe.

Käme es im Tor zum Endlager zu einem Brand, alle baulichen Schutzmassnahmen würden versagen und das radioaktiv verseuchte Löschwasser würde in den Untergrund versickern: Dann würde dieses Wasser also nicht nach Westen Richtung Rhein, sondern davon weg nach Nordosten fliessen respektivesickern. Nach etwa 500 Meternwürde das radioaktive Wasser in einen Bach an der Erdoberfläche quellen. Für den «Landboten» rechnete ein Nagra-Mitarbeiter aus, dass das unterirdische, verseuchte Wasser mit einer Geschwindigkeit von etwa 15 Zentimetern pro Tag Richtung Nordosten vorankäme. Wäre das Grundwasser verseucht, würde es also über 3300 Tage oder rund neun Jahre dauern, bis die Radioaktivität diesen Bach erreichen würde. Zwar fliesst das Bachwasser danach via Thur auch in den Rhein. Doch weil das Wasser zuerst den zeitlich langen Umweg Richtung Nordosten nähme, bliebe für Gegenmassnahmen genügend Zeit – oder wie es der Kantonsvertreter ausdrückte: Es gäbe eine «längere Interventionszeit», was eine «gewisse Sicherheit» gebe. Massnahmen könnten etwa das Abpumpen von verseuchtem Löschwasser oder das Abgraben von Erdreich sein.

«Wir sehen das etwas anders»

Das Fazit des Kantons: «Es gibt keine Veranlassung für eine Verschiebung des Standortes.» Fast alle Teilnehmer, die sich an der Benkemer Informationsveranstaltung vom Montag zu Wort meldeten, hatten wenig Verständnis für die Haltung des Kantons. Und auch Benkens Gemeindepräsidentin Beatrice Salce konterte dem anwesenden Kantonsvertreter: «Wir sehen das etwas anders.» Damit meinte sie die für das Tor zum Endlager zuständige Fachgruppe der Weinländer Endlager-Regionalkonferenz, die Salce präsidiert. Ihre Gruppe werde, kündigte sie an, der Leitungsgruppe der Konferenz beantragen, den Standort des Endlager-Tors abermals zu prüfen. «Vielleicht machen wir nochmals einen Schritt zurück.» Wenn die Leitungsgruppe diesem Antrag zustimmt, entscheidet die Vollversammlung der Regionalkonferenz darüber. Im Gebiet, wo das Tor zum Endlager stehen könnte, gebe es noch «weisse Flecken» ohne Grundwasser darunter. Allerdings, so mahnte Salce, kämen dort dann wieder andere Kriterien ins Spiel wie etwa der Wald, Landwirtschaftsland oder die Siedlungsnähe der atomaren Anlage. (Landbote)

Erstellt: 26.09.2018, 08:26 Uhr

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