Marthalen

Das Weinland wird sachte durchgeschüttelt

Im Weinland werden nach 1997 nun zum zweiten Mal seismische Messungen durchgeführt. Ihre Bedeutung ist aber nicht so gross wie vielleicht gedacht.

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Mit viel Lärm, aber gemächlich fuhren gestern zwei massige Vibrationsfahrzeuge mitten durch Benken im Zürcher Weinland. Auch auf den Feldwegen in der Umgebung waren die weissen Fahrzeuge unterwegs. In regelmässigen Abständen hielten sie an, senkten ihre schweren Platten zu Boden und erzeugten zwei Vibrationsstösse hintereinander – spürbar als Kribbeln von den Fussspitzen bis zu den Ohren. Diese Stösse in den Untergrund sind Teil der seismischen Messungen im nördlichen Weinland, die voraussichtlich bis Anfang März dauern. Die so ausgelösten Schwingungen breiten sich wellenförmig im Untergrund aus und werden von den verschiedenen Gesteinsschichten unterschiedlich reflektiert. Tausende kleiner Messgeräte an der Erdoberfläche, sogenannte Geofone, fangen die zurückgeworfenen Wellen ein. Die Auswertung dieser Daten ergibt dann das dreidimensionale Abbild des Untergrunds.

Bereits die zweite Messung

Trotz des Lärms und der Vibrationen standen gestern mehr Medienvertreter als Einheimische an der Benkemer Hauptstrasse – Radio-und TV-Teams stürzten sich für Kurzinterviews auf die wenigen Zaungäste. Doch das grosse Medieninteresse stand etwas in einem Missverhältnis zur Bedeutung der nun laufenden seismischen Messungen. Denn der Sinn und Zweck der aktuellen Messarbeiten besteht in erster Linie nur in der Klärung der Frage, wo genau im Untergrund das Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle im nördlichen Teil des Weinlandes platziert würde.

«Es ist eine kleine Ergänzung des bestehenden Seismik-Projektes», sagte denn auch Nagra-Projektleiter Marian Hertrich am gestrigen Medienanlass. Mit dem bestehenden Projekt meint er jenes von 1997, als der Lagerperimeter für den zweiten Abfalltyp – die hochradioaktiven Abfälle – weiter südlich bereits sehr detailliert untersucht worden war. Im Weinland ist der Bau eines Endlagers für beide Abfalltypen möglich. Das bedeutet also: Die jetzigen Messungen werden keine neuen Erkenntnisse bringen im Hinblick auf den möglichen Bau des Endlagers für hochradioaktive Abfälle.

Störung vermutet in Jestetten

Im nördlichen Teil des Weinlandes wurde zwar bereits 1997 gemessen, damals aber noch nicht an den Rändern. Dazu zählt auch das Gebiet der deutschen Gemeinde Jestetten, welche die aktuellen seismischen Messungen allerdings blockiert («Landbote» von gestern). Mit den seismischen Messungen sollen auch mögliche geologische Störungen im Untergrund abgebildet werden, um ihnen beim Bau des Lagers ausweichen zu können. Und just eine solche Störung wird auf dem Jestetter Gemeindegebiet vermutet, das noch gar nie seismisch untersucht wurde.

«Messungen dazu sind nicht entscheidrelevant», sagt Markus Fritschi von der Nagra. Denn es handle sich dabei bloss um die Fortsetzung einer bereits gut untersuchten Störung. Wenn aus Jestetten in den nächsten Tagen doch noch ein Ja zu den seismischen Messungen komme, werde man diese noch nachholen, sagt Fritschi. Dauert die Zusage aber länger, werde in Jestetten nicht mehr gemessen. (landbote.ch)

Erstellt: 08.02.2016, 18:58 Uhr

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