Thalheim an der Thur

Den Mosbach noch mehr beleben

Der Mosbach in Thalheim soll weiter revitalisiert werden. Doch dazu ist nach der Ablehnung des Gemeinderats eine Einzelinitiative nötig.

Ein Teil des Mosbachs im Garten der Familie Morf ist seit 2005 wieder ausgegraben und trägt zur Biodiversität bei. Folgt bald die zweite Etappe?

Ein Teil des Mosbachs im Garten der Familie Morf ist seit 2005 wieder ausgegraben und trägt zur Biodiversität bei. Folgt bald die zweite Etappe? Bild: Marc Dahinden

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Wiederbeleben: Das wollen Doris und August Morf den Mosbach, der durch ihr Grundstück in Thalheim an der Thur verläuft. Einen Teil des sonst eingedolten Bachs haben sie bereits 2005 ausgegraben. Er schlängelt sich seither in einem Graben und verläuft oberirdisch. Nun soll der zweite Teil folgen (siehe Karte).

«Beim letzten Projekt reichten zwei, drei Telefo­nate, heute funktioniert das so nicht mehr»

Doch in der Zwischenzeit ist das Gewässerschutzgesetz angepasst worden. «Beim letzten Projekt reichten zwei, drei Telefo­nate, heute funktioniert das so nicht mehr», sagt August Morf. Neu muss die Gemeinde bei solchen Projekten als Bauherrin ­walten, da spielt es keine Rolle,ob das Grundstück privat ist.

Gemeinderat lehnte Projekt ab

Doch der Gemeinderat hat das Projekt abgelehnt, und das gleich zweimal. Zum ersten Mal präsentierte August Morf das Vorhaben zusammen mit Alex Marty vom kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) sowie Ingenieur Robert Bänziger. Zwar anerkannte der Gemeinderat in seinem Antwortschreiben «den Nutzen für die Natur, für Flora und Fauna sowie für den Menschen».

Doch die betroffene Parzelle ist Kulturland mit Fruchtfolgefläche. «Der Verlust von bestem Ackerland in unserer ländlichen Gemeinde ist höher zu gewichten als der Gewinn für die Natur», schrieb der Gemeinderat. Dem Nutzen für die Landschaft, für ­Natur und Menschen habe man die Versorgungssicherheit und die Zukunft des Bauernstandes gegenübergestellt. Zudem liege mit der Thur und dem alten Thurlauf ­bereits wertvolles Gebiet für Mensch und Natur in der Nähe.

«Der Verlust von bestem Ackerland in unserer ländlichen Gemeinde ist höher zu gewichten als der Gewinn für die Natur»Der Gemeinderat in einem Schreiben

Diese Argumentation konnten die Morfs nicht nachvollziehen. «Mit Versorgungssicherheit zu argumentieren, ist lächerlich», sagt Doris Morf. Durch das Revitalisierungsprojekt würde die Gemeinde Thalheim laut Morf 0,05 Prozent ihres Kulturlandes, also ein Zweitausendstel, verlieren.

Familie Morf stellte das Projekt daraufhin der Primarschule vor, wo man es interessiert zur Kenntnis nahm: «Regelmässige Tier- und Pflanzenbeobachtungen in unmittelbarer Nähe zur Schule zu unterschiedlichen Jahreszeiten wären so möglich.» Dadurch könne die die Schule von der Entstehung her das Projekt verfolgen, ihre Klassenzimmer vermehrt öffnen und theoretisches Wissen mit praktischen Erfahrungen verknüpfen.

Doch auch das Wiedererwägungsgesuch wurde vom Gemeinderat im September abgelehnt. «Den Verlust von gutem Kulturland, wo in der Schweiz ­jede Sekunde rund ein Quadratmeter davon verschwindet, stuft der Gemeinderat als wichtigeren Aspekt ein.»

Abstimmung im Sommer

Mit einer Einzelinitiative soll das Projekt trotzdem ermöglicht werden. Diese ist noch nicht eingereicht, an der Gemeindeversammlung vom 7. Juni 2018 soll darüber abgestimmt werden.

«Der Unterhalt soll durch ­Direktzahlungsbeiträge zur Biodiversität kostenneutral gestaltet werden.» 

August Morf ist zwar zuversichtlich, er sagt aber: «Die zwei grossen Gegen­argumente sind die Kosten für die Erstellung und den Unterhalt.» Zuerst wolle er deshalb nun die Beiträge des Ökofonds genauer abklären. Aus diesem Fonds, der aus Beiträgen von Kraftwerken besteht, ist Geld beantragt worden. «Der Unterhalt soll durch ­Direktzahlungsbeiträge zur Biodiversität ebenfalls kostenneutral gestaltet werden.» Kanton und Bund würden sich am Projekt ebenfalls beteiligen.

Der Anteil liegt zwischen 45 und 90 Prozent. «Erst wenn die Gemeinde ihren Segen gegeben hat, kann allerdings ein konkretes Projekt aus­gearbeitet werden, von dem sich dann die Höhe der Beiträge ab­leiten lässt», sagt August Morf.

Ein Punkt, der momentan ebenfalls noch unklar ist, betrifft den Ersatz der Fruchtfolgefläche. Die 1950 Quadratmeter müssen an einem anderen Ort in der Gemeinde kompensiert werden. Das kostet wiederum Geld. Noch ist offen, ob der Kanton dafür ebenfalls Geld sprechen würde. Ein «wahrscheinlich» ist aber laut Morf schon einmal gefallen. Als Ausgleich schwebt ihnen die Deponie Guggenbühl vor, die mit dem Aushub der Revitalisierung gefüllt werden könnte.

(Der Landbote)

Erstellt: 27.12.2017, 18:56 Uhr

Wo der Mosbach ausgegraben werden soll.

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