Trüllikon

Der Lärm brach dem Phoenix das Genick

Die Gemeinde bewilligt das Phoenix Festival in der bisherigen Form nicht mehr. Der Kompromiss war für den Veranstalter nicht gangbar. Möglicherweise bedeutet dies das Ende der After-Party der Street Parade.

Licht aus für das Phoenix Festival in Trüllikon. Einen neuen Ort zu finden, sei sehr schwierig, sagen die Veranstalter.

Licht aus für das Phoenix Festival in Trüllikon. Einen neuen Ort zu finden, sei sehr schwierig, sagen die Veranstalter. Bild: Heinz Diener

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Über 100 Lärmbeschwerden sind nach dem letzten Phoenix Festival in Trüllikon eingegangen. Die Gemeinde hat deshalb entschieden, der 24 Stunden dauernden After-Party der Street Parade keine Bewilligung mehr zu erteilen.

Die Veranstalter können das teilweise nachvollziehen. Das sagt Mitorganisator Dominique Lauber auf Anfrage. Dass eine Mehrheit im Gemeinderat aufgrund der vielen Reklamationen nicht mehr bereit gewesen sei, eine Bewilligung zu erteilen, sei verständlich. Doch bedauert er, dass nicht auf die Vorschläge zur Sicherstellung der Lärmpegel eingegangen worden sei.

Lärmmessungen verfälscht

Die Veranstalter vermuten, dass ein technisches Problem zur übermässigen Beschallung in mehreren umliegenden Dörfern geführt hat. Verantwortliche des Kantons hätten jeweils am Freitag, einen Tag vor dem Festival, die Lautstärke gemessen. Während der Goa-Party mass ein Richtmikrofon die Dezibel und lud die Daten in eine Cloud. Möglicherweise sei beim Dekorieren am Samstagmorgen dieses Messgerät verschoben worden, und die Zahlen wurden verfälscht. Ein Vorschlag wäre deshalb gewesen, die Schallabnahme nach Ende der Aufbauarbeiten kurz vor der Veranstaltung durchzuführen.

«Sicher sind Fehler passiert», gibt Lauber unumwunden zu. Von den vielen Beschwerden hätten die Organisatoren aber erst nach dem Festival Kenntnis erhalten. Zweimal habe sich die Polizei direkt bei ihnen gemeldet. Das erste Mal sei bei der Überprüfung der Daten keine Übertretung der Grenzwerte festgestellt worden – vielleicht wegen des falsch ausgerichteten Messinstruments.

Unterbruch in der Nacht

Das zweite Mal sei der Soundtechniker dennoch gebeten worden, die Lautstärke zu reduzieren – habe das aber offenbar nicht oder nur ungenügend getan, und niemand habe es gemerkt oder überprüft. Das sei umso ärgerlicher, als spezialisierte Firmen mit der Technik beauftragt worden seien. Mehrere Tausend Franken und unzählige Fronstunden seien in das Schallkonzept und dessen Ausführung geflossen, so Lauber. Die Veranstalter würden nicht gewinnorientiert arbeiten, sondern wollten lediglich die hohen Aufwände decken.

Der Gemeinderat habe einen Kompromiss angeboten: das 24-Stunden-Festival in der Nacht zu unterbrechen. «Das wollten wir jedoch nicht», so Lauber. Der logistische Mehraufwand, um die Leute «mitten in der Nacht wieder zum Bahnhof zu transportieren», wäre zu gross gewesen, und die Zugverbindungen seien eingeschränkt.

Zukunft des Festivals ist ungewiss

Bereits 2015 mussten die Veranstalter einen neuen Ort für ihr Festival suchen. Das Land in Glattfelden war an den Kanton verkauft und als ökologische Ausgleichsfläche genutzt worden. Partys wurden verboten, «Trüllikon war damals sozusagen ein Glücksfall in letzter Minute», so Lauber.

Sie seien nun auf der Suche nach anderen möglichen Veranstaltungsorten, auf der Facebook-Seite des Phoenix Festival haben Besucher nebst Bedauern auch Vorschläge geäussert. Aber: Es sei ein sehr langer Prozess, einen solchen Event auf die Beine zu stellen. «Ob dieser Kraftakt nochmals vollzogen werden kann, darf bezweifelt werden», sagt Lauber.

Erstellt: 19.01.2020, 16:15 Uhr

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