Endlager

Der Region stehen jahrelange Debatten bevor

Wo sollen die oberirdischen Bauwerke des Endlagers hinkommen? Mit dieser Frage wird sich die Weinländer Regionalkonferenz in den nächsten Jahren beschäftigen. Konflikte sind dabei vorprogrammiert – über das Weinland hinaus.

Blick in die Vollversammlung der Regionalkonferenz vom vergangenen Donnerstagabend in Andelfingen.

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In drei Jahren gibt die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) bekannt, in welcher der drei verbliebenen Standortregionen sie das Endlager bauen will.

Bis dahin bohrt die Nagra ab diesem Jahr in allen drei Regionen an mehreren Stellen in die Gesteinsschichten im Untergrund. Ziel der Bohrungen ist es, in jeder Region den besten Platz für das Lager in der Tiefe zu finden. Danach wird die Nagra die drei «Filetstücke», wie sie es selber nennt, miteinander vergleichen und im Jahr 2022 den am besten geeigneten Standort bekanntgegeben – im Zürcher Weinland, Unterland oder am Aargauer Bözberg.

In der Folge arbeitet die Nagra das Rahmenbewilligungsgesuch aus, das dann während vier Jahren geprüft wird. Am Schluss fällt der Bundesrat 2029 den eigentlichen Standortentscheid.

Und was macht die Weinländer Regionalkonferenz die nächsten drei Jahre? Die Antwort erhielten die rund 100 Konferenzmitglieder an der Vollversammlung vom Donnerstagabend in Andelfingen. Während die Nagra weitere geologische Untersuchungen durchführt, darf sich die Konferenz mit all den oberirdischen Anlagen des Endlagers beschäftigen. Sagen, wo sie diese in der Landschaft platziert haben möchte.

«Heisse Zelle»

Das zentrale, oberirdische Tor zum unterirdischen Endlager käme nördlich von Marthalen zu liegen. Die Platzierung dieses Hauptzugangs zum Lager hat die Konferenz bereits provisorisch festgelegt. Wegen des nahen Grundwasserstroms des Rheins könnte es hier allenfalls noch zu einer Verschiebung der nuklearen Anlage kommen. Deren Herzstück ist die «heisse Zelle».

«Das wird keine einfache Diskussion»

Ein atomares Hochsicherheitsgebäude, in dem mit den angelieferten, hoch radioaktiven Abfällen hantiert wird. Weil dies das höchste und zugleich gefährlichste Gebäude der gesamten Anlage ist, muss die Nagra einen alternativen Standort ausserhalb der Endlagerregion vorschlagen, so zum Beispiel beim bestehenden atomaren Zwischenlager im aargauischen Würenlingen.

Doch hier liegt der zentrale Zankapfel der nächsten Jahre. So hat der Kanton Aargau gar keine Freude daran, dass das Zürcher Weinland die «heisse Zelle» wie eine heisse Kartoffel von sich wegschieben will. Und auch Winterthur, Henggart und Andelfingen, die an der Bahnlinie nach Schaffhausen liegen, wehren sich gegen den Wunsch aus dem zentralen Weinland, denn: Würden die verbrauchten, hoch radioaktiven Brennelemente nicht erst beim Tor zum Endlager, sondern bereits im Zwischenlager in die Endlagerbehälter gepackt, würde sich die Zahl der Castorzüge ins Weinland vervielfachen.

Die Nagra spricht von einer Versieben- bis Verzehnfachung – mitten durch Winterthur, Henggart und Andelfingen. Der Grund für das viel grössere Transportvolumen ist das zusätzlich benötigte Verpackungsmaterial, um die kleineren Endlagerbehälter zu umhüllen und damit sicher transportieren zu können. «Das wird keine einfache Diskussion», sagte Stefan Jordi vom Bundesamt für Energie (BFE) zu den Konferenzteilnehmern.

Raum für Schwarzpeterspiel

Und weil davon nicht nur das Weinland betroffen ist, soll die Diskussion überregional geführt werden – mit den Kantonen, diversen Bundesämtern und Deutschland. Dabei wird es laut Jordi darum gehen, die Lasten eines Endlagers eventuell über mehrere Regionen zu verteilen. Vermieden werden solle aber das Sankt-Florian-Prinzip. Dass also eine Region das Unangenehme in eine andere Region abzuschieben versucht.

In der Endlagerregion selber wird diskutiert werden, wo die Nebenzugänge zum Lager zu platzieren sind. Es sind dies zusätzliche, oberirdische Anlagen für die Luftzufuhr, den Bau und Betrieb mit einem Flächenbedarf bis zwei Hektaren. Die Gebäudehöhe liegt zwischen acht und 30 Metern. Bei der Platzierung dieser nicht-atomaren Anlagen gibt es einen gewissen Spielraum, in dem die Regionalkonferenz mitreden darf.

Hier werde doch «Feuer mit Wasser vermischt», meinte ein Konferenzmitglied am Donnerstag. Denn die Diskussion um die Lastenverteilung, «das Kerngeschäft der Politik», passe nicht zum Primat der Sicherheit. Die Konferenz habe politische Fragen nicht zu beantworten, meinte der Mann. Jordi widersprach.

Die Sicherheit der Anlagen stehe gar nicht zur Debatte. Eine Mitsprache gibt es einzig innerhalb des Spielraums bei der Platzierung, in dem die Sicherheit nicht tangiert ist. Aber eben: Dieser Raum eröffnet auch die Möglichkeit für politische Schwarzpeterspiele.

(Der Landbote)

Erstellt: 15.02.2019, 17:57 Uhr

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