Volken

Der unfreiwillige Präsident hat jetzt Freude an seinem Amt

Mit 36 Stimmen wurde Walter Schürch vor einem Jahr zum Präsidenten von Volken gewählt. Beworben hatte er sich «nur» als Gemeinderat. Nach einem Jahr als Präsident sagt er: «Das Amt macht Spass.»

Gemeindepräsident Walter Schürch vor dem Gemeindehaus in Volken. Foto: Marc Dahinden

Gemeindepräsident Walter Schürch vor dem Gemeindehaus in Volken. Foto: Marc Dahinden

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Walter Schürch sieht mit seinem kurzärmligen Hemd nicht nur pragmatisch aus. Er denkt auch so. Als nach dem ersten Wahlgang in Volken vor einem Jahr im Gemeinderat noch drei Sitze vakant waren, stellte er sich zur Verfügung. Nicht, weil er das unbedingt wollte, sondern weil er das Gefühl hatte, er bringe die nötige Erfahrung dafür mit.

Als Personalchef der Stadt Uster kennt er sich in der öffentlichen Verwaltung aus. Zudem muss in der 362-Einwohner-Gemeinde Volken im Laufe der Zeit fast jeder einmal seinen Beitrag leisten und irgendein Amt übernehmen. So braucht es nicht nur Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, sondern etwa auch Mitglieder in der Rechnungsprüfungskommission oder dem Wahlbüro.

Gewählt ist gewählt

«Es war mehr ein Anti-Wahlkampf», sagt Schürch. Ein unfreiwilliger Favorit drohte gar mit dem Wegzug aus der Gemeinde, falls er gewählt würde. Auch andere, die im ersten Wahlgang Stimmen holten, winkten aus Zeitgründen ab. Einmal gewählt ist ein Rückzieher schwierig. Denn im Kanton Zürich gilt der Amtszwang. Erst nach acht Jahren in einem Gremium wird man davon befreit.

Erfahren mussten dies Marcel Staub und Ursula Ganz, die beide unfreiwillig neu in den Gemeinderat gewählt wurden. Auch Schürch wollte nicht in erster Linie Präsident werden, sondern Gemeinderat. Mit seinem 100-Prozent-Job und zwei schulpflichtigen Kindern ist das nachvollziehbar. Darüber hinaus ist der 57-Jährige schon seit rund 13 Jahren Mitglied in der Schulpflege.

Die Wahl hat er dennoch angenommen. «Das Milizsystem funktioniert so, dass jeder etwas beiträgt», sagt Schürch. Klar gebe es strenge Wochen mit einigen Absenzen. «Dann erhalte ich nicht nur Applaus von Zuhause.» Das Positive überwiege aber. Zumal er in der Gemeinde viel Wohlwollen spüre. Anders als bei seinen Vorgängern, die teilweise ebenfalls unfreiwillig gewählt wurden, ist für den aktuellen Gemeinderat eine Fusion derzeit kein Thema.

Die Ausgangslage hat sich auch geändert: Volken steht vor allem dank der Schulfusion im Flaachtal deutlich besser da als vor zehn Jahren und konnte stetig wachsen. Diesen moderaten Wachstumskurs will Schürch weiterführen. Fünf zusätzliche Einwohner pro Jahr seien das Ziel. Gelingen soll dies mit innerer Verdichtung. Trotzdem sei die Zukunft der Gemeinde nach wie vor ungewiss. Änderungen von aussen könnten auf die Kleingemeinde grosse Wirkung haben. So etwa die geplante Unternehmenssteuerreform, die für Volken Mindereinnahmen von 30000 Franken bedeuten könnte, was umgerechnet fünf Steuerprozenten entspricht.

Acht Jahre lang Ruhe

Dennoch will Schürch an den kleinräumigen Strukturen festhalten. «Es ist schön, wenn man die Leute für Gespräche persönlich treffen, Probleme ausdiskutieren und so Lösungen finden kann.» Ihm gefalle auch, dass im Gemeinderat alle «sachorientiert denken und handeln».

Als Präsident gratulierte er 18- und 80-Jährigen zum Geburtstag. Er nahm an einer Seniorenreise teil und an einer Bänkli-Einweihung. «Es sind die Begegnungen, die den Reiz ausmachen», sagt Schürch. «Das Amt ist viel besser als ich erwartet hatte.»

Doch wie lange will er Präsident bleiben? «Acht Jahre dürften es schon werden.» Dann sind die jetzigen Gemeinderäte vom Amtszwang befreit. Und fünf andere aus dem Dorf werden wohl ihren Beitrag leisten müssen. Ob sie wollen oder nicht.

Erstellt: 12.06.2019, 17:30 Uhr

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