Andelfingen

Der Vogel, der aus dem eisigen Norden kam

Ein seltener Gast aus dem hohen Norden kreiste jüngst über das Andelfinger Niederfeld. Es war ein Singschwan.

Das Hauptunterscheidungsmerkmal: Links der bekannte Höckerschwan mit dem orangen Schnabel und dem schwarzen Höcker, rechts der seltenere Singschwan mit dem typisch gelben Schnabel.

Das Hauptunterscheidungsmerkmal: Links der bekannte Höckerschwan mit dem orangen Schnabel und dem schwarzen Höcker, rechts der seltenere Singschwan mit dem typisch gelben Schnabel. Bild: Markus Brupbacher/Shotshop

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Kürzlich in Andelfingen: Ein grosser, weisser Vogel fliegt über die Äcker des Niederfeldes. Er zieht mehrere Runden, relativ nahe am Boden. Plötzlich ist ein posaunender, trompetender Ruf zu hören, der an einen Kranich erinnert. Ein normaler Höckerschwan kann es auch nicht sein – zu melodiös ist der Klang. Dann die Gewissheit: Es ist ein Singschwan, gut zu erkennen am gelben Schnabel ohne Höcker. «Die Sichtung in Andelfingen ist definitiv nicht alltäglich», sagt Livio Rey von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Anhand der, wenn auch nicht guten, Handyaufnahme konnte die Vogelwarte bestätigen, dass es sich um einen Singschwan handelte.

Ein Singschwan kreist über dem Niederfeld. Bild: Markus Brupbacher

Sie hat die Beobachtung in ihre Datenbank aufgenommen, «da es sich doch um einen eher seltenen Nachweis handelt», so Rey.

«Einige wenige Sichtungen»

Laut der Vogelwarte ist der Singschwan am Greifen- und Bodensee deutlich häufiger anzutreffen. Am Bodensee gibt es traditionelle Winterquartiere für die Vögel aus dem hohen Norden. Da Singschwäne gerne in Gruppen an grösseren Seen überwintern, könne es sehr gut möglich sein, dass der Andelfinger Singschwan auf dem Weg zum Bodensee war, sagt Rey weiter. Im Bezirk Andelfingen, dem Zürcher Weinland also, gebe es «einige wenige Sichtungen».

Wie singt der Singschwan? Video: Youtube

So wurden 2012 vier Singschwäne bei Ossingen gesichtet sowie in mehreren Jahren welche im Gebiet Rheinau–Dachsen. Die Singschwäne, die in der Schweiz überwintern, können aus der Arktis stammen, dem Gebiet nördlich des nördlichen Polarkreises also. Dazu gehören auch Teile Grönlands. Der Singschwan lebt aber auch in Gebieten südlich davon, so zum Beispiel in Island, Finnland, Russland, Norwegen, Schweden oder im Baltikum. Sogar in Deutschland gibt es vereinzelte brütende Singschwanpaare.

«Rufender Bote des Nordens»

Das Brutgebiet im Norden zieht sich ostwärts bis an den Pazifik und umfasst nebst Russland auch Gebiete in Kasachstan, der Mongolei und China. Ganzjährig kommen die Singschwäne nur im Westen Islands vor. In allen übrigen Gebieten fliegen die Vögel südwärts, um dem kalten Winter im Norden zu entkommen.

«Rufender Bote des Nordens»: So umschreibt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) den Singschwan. Der Vogel «mit seinem schneeweissen Gefieder und dem melancholischen Ruf» sei ein Sinnbild für den Norden. Auf der finnischen 1-Euro-Münze sind denn auch zwei Singschwäne abgebildet. «Die tiefen, posaunenartigen und mitunter nasal und weich klingenden Rufe im Flug und bei der Landung kann man über hunderte Meter weit hören», schreibt der Nabu weiter. Während der Flug des Höckerschwans durch den Flügelschlag pfeifende Töne erzeugt, ist der Flug des Singschwans geräuschlos.

Rückflug ab Ende Februar

In ihren Winterquartieren wie etwa am Bodensee weiden Singschwäne verschiedene Wasserpflanzen ab. An Land fressen sie Gräser, Wurzeln oder auch überwinternde junge Rapspflanzen auf Äckern. Weltweit gibt es schätzungsweise 180 000 Singschwäne, wovon etwa ein Drittel bis die Hälfte in Europa überwintert. Die Zahl der am Bodensee überwinternden Tiere nimmt seit den 1980er-Jahren stetig zu. Die letztes Jahr gezählten 200 Singschwäne waren dabei ein Rekord. Ende Februar oder Anfang März fliegen die Schwäne zurück in ihre Brutgebiete im hohen Norden. (Landbote)

Erstellt: 03.12.2018, 16:14 Uhr

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