Weinland

Deutscher Nachbar bleibt aussen vor

Marthalen läge etwa gleich nahe beim «Tor zum Endlager» wie Jestetten. Doch der deutschen Nachbargemeinde wird eine stärkere Mitsprache verwehrt.

Die Nachbarsgemeinden des Endlagers, etwa Jestetten, sollen künftig nicht mehr sind nicht mehr an den Gesprächen beteiligt.

Die Nachbarsgemeinden des Endlagers, etwa Jestetten, sollen künftig nicht mehr sind nicht mehr an den Gesprächen beteiligt. Bild: Marc Dahinden

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Etwas dramatisch ausgedrückt, zieht sich die Schlinge bei der Suche nach einer Endlagerregion immer mehr zu. Denn vor gut einem Jahr schlug die Nagra statt sechs nur noch zwei Regionen vor: das Zürcher Weinland und den aargauischen Bözberg.

Doch dann schlug das Bundesamt für Energie (BFE) letzten Mai ausgerechnet vor, künftig nur noch jene Gemeinden am Endlagerprozess zu beteiligen, unter oder auf deren Grund das Atommülllager samt Oberflächenanlagen gebaut würde.

Dass also Jestetten, Lottstetten, Neuhausen, Schaffhausen und Feuerthalen nicht mehr mitreden können sollten, hält Jestettens Bürgermeisterin Ira Sattler für einen Widerspruch. «Wenn man bei uns messen will, heisst das, dass wir vom Tiefenlager geologisch betroffen sind», sagte sie Ende November gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Die Gemeinde Jestetten will die heute beginnenden seismischen Messungen auf ihrem Gebiet nur dann zulassen, wenn sie Einsitz nehmen kann in die Leitung der Weinländer Regionalkonferenz.

Schon zweimal Nein gesagt

Auf die Frage, ob die Nagra zuversichtlich sei, dass Jestetten die Messungen auch ohne Sitz in der Leitungsgruppe der Regionalkonferenz doch noch genehmigt, antwortet diese: «Diese Frage müssen Sie Jestetten stellen. Wir wollen nicht spekulieren.»

Aus der deutschen Gemeinde kommt derweil ein klares Nein. So habe der Gemeinderat am 21. Januar beschlossen, die eigenen Grundstücke, Wege und Strassen für die Messungen nur unter der Bedingung zur Verfügung zu stellen, dass Jestetten diesen Sitz erhält, sagt Sattler auf Anfrage des «Landboten». Der Gemeinderat habe bereits im Juni und Oktober 2015 beschlossen, die Grundstücke der Gemeinde «nicht zur Verfügung zu stellen». Ob sich auch private Jestetter Grundbesitzer gegen die Messungen stellten, weiss Sattler nicht, nur: Ohne Mitwirkung der Gemeinde als Eigentümerin von Wegen und Strassen «sind die Messungen nicht möglich».

Sache der Regionalkonferenz

Bei dem BFE-Vorschlag vom Mai 2015 handelt es sich bloss um «einen Entwurf, eine Diskussionsgrundlage, die nun komplett überarbeitet wird», sagt BFE-Sprecherin Marianne Zünd auf Anfrage. Nach jetzigem Stand der Überarbeitung soll es nun doch «weitere einzubeziehende Gemeinden» geben, die alle gleichberechtigt in die regionale Partizipation einbezogen würden.

So weit, so gut, nur: Zünd sagt auch, dass es Sache der Regionalkonferenz sei, personelle Änderungen in der Leitungsgruppe vorzunehmen. Doch genau dies ist laut Jürg Grau, Präsident der Konferenz, zeitlich nicht mehr möglich. Denn nur die Vollversammlung könne über den Jestetter Wunsch entscheiden, die aber erst am 19. März wieder tage – doch dann sind die seismischen Messungen der Nagra bereits vorbei.

Kantonsrat kritisiert Grenze

«Das ist eine sehr unglückliche Situation», sagt SP-Kantonsrat und Konferenzmitglied Markus Späth. Die jetzige Forderung von Jestetten möge zwar etwas erpresserisch erscheinen. Doch wenn man den Umgang der Nagra und des BFE mit der regionalen Partizipation anschaue, sei das Jestetter Verhalten verständlich. «Wenn man die Sicherheit in den Vordergrund stellt, dann darf man keine Zweifel offenlassen und muss auch am Rand des Standortgebietes messen.»

Beim Atommüll dürften nationale Grenzen keine Rolle spielen. Denn wenn etwas schiefgehe, «macht die Strahlung vor den Grenzen auch nicht halt». Späth überlegt sich nun, als Kantonsrat die Nagra offiziell anzufragen, wie sie dieses fehlende geologische Wissen über den Je­stetter Untergrund zu kompensieren gedenke. Auf die gleiche Frage des «Landboten» antwortet die Nagra wie folgt: «Wir würden gerne in Jestetten messen, also auch grosszügig über den möglichen Lagerperimeter hinaus. Aber wenn dies nicht möglich sein sollte, erreichen wir trotzdem eine sehr gute Überdeckung auch des Randes des Lagerperimeters.»

Im Jahr 1997 wurden im Weinland bereits seismische Messungen durchgeführt, auch im nördlichen Teil. Doch gerade an den Rändern des Gebietes, also auch in Jestetten, wurde damals nicht gemessen. Unklar bleibt, weshalb dieser Rand nun doch abgedeckt werden soll, wenn dies laut Nagra gar nicht zwingend ist. (Landbote)

Erstellt: 07.02.2016, 20:15 Uhr

Gebiet der seismischen Messungen

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