Rheinau

Die Archäologie Rheinaus zwischen zwei Buchdeckeln

Die Neuerscheinung «Archäologie in Rheinau und Altenburg» ist eine kleine Sensation und ein gelungenes Beispiel deutsch-schweizerischer Zusammenarbeit.

Zahlreiche Pilger besuchten Rheinau vom 17. bis ins 19. Jahrhundert. Immer wieder verloren sie Abzeichen, die sie von einer ihrer Wallfahrten mitbrachten.

Zahlreiche Pilger besuchten Rheinau vom 17. bis ins 19. Jahrhundert. Immer wieder verloren sie Abzeichen, die sie von einer ihrer Wallfahrten mitbrachten. Bild: Kantonsarchäologie Zürich

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Patrick Nagy war gestern der Mann der Stunde. Der in Winterthur wohnhafte Kantonsarchäologebefasst sich seit 30 Jahren mit Rheinau.

Vor 15 Jahren startete er ein Projekt, dessen Resultate nun in einer 400-seitigen Monografie der Kantonsarchäologie Zürich zusammengefasst sind. «Dafür mussten meine Frau und meine Familie oftmals zurückstehen», sagte der 59-Jährige anlässlich der Präsentation der Neuerscheinung in Rheinau.

Besondere Methode

Das Projekt wurde 2004 mit dem Ziel ins Leben gerufen, Rheinau, Altenburg und das Umland mittels Prospektion gründlich unter die Lupe zu nehmen. Unter Prospektion versteht man die Suche nach neuen Fundstellenohne Eingriffe in den Boden. «Diese Methode bringt wertvolle Hinweise zur Vergangenheit und schützt die archäologischen Kulturgüter», sagte Nagy.

«Auf der Schweizer Seite fanden wir mehr religiöse
Abzeichen.»

Mit im Boot war von Anfang an auch das deutsche Bundesland Baden-Württemberg. Auf der Suche nach Fundobjekten wurden Felder abgeschritten, mit geophysikalischen Methoden untersucht, und es wurden Luftaufnahmen erstellt.

Feldbegehungen sind ein bewährtes Mittel, um mit blossem Auge oder durcheinen Metalldetektor unterstützt an der Erdoberfläche Hinweise auf die menschliche Tätigkeit in vergangenen Zeiten zu finden. Seit 1988 steigen Archäologen auch ins Flugzeug.

Mauern, Gruben und Pfosten zeichnen sich auf Luftbildern durch unterschiedliche Verfärbungen in Wiesen und Feldern ab. Ebenfalls aus der Höhe tasten Laserscanner den Boden ab und liefern Daten, die feinste Oberflächenstrukturenerkennen lassen. Prospektion aus der Luft erlaubt die Untersuchung grosser Flächen.

Reiche Beute

Das Resultat des Unterfangens, das den Zeitraum von der Mittelsteinzeit bis zum 21. Jahrhundert abdeckt, ist beachtlich. Mehrere Hundert Werkzeuge aus Feuerstein, Tausende Fragmente von Keramikgefässen und Metallobjekte wurden gefunden, darunter 800 Münzen aus der Eisenzeit, dem Mittelalter und der Neuzeit.

Die befestigte keltische Doppelsiedlung Altenburg-Rheinau, das sogenannte keltische Oppidum, erstreckt sich über 318 Hektaren, wovon 85 auf schweizerischer und 233 auf Schwabenseite liegen, wie Andrea Bräuning vom baden-württembergischen Landesdenkmalamt sagte.Ziel sei es, die Fundstelle nachhaltig zu sichern und durch attraktive touristische Nutzung weiter publik zu machen.

Zollplatz und Pilgerort

Entdeckt wurden etwa auch Tuch-,Salz- und Bahnplomben. Sie weisen auf die Bedeutung von Rheinau als Zoll- und Warenumschlagplatz hin. Gefunden wurden zudem 250 Andachtsgegenstände (Devotionalien), Medaillen und Anhänger mit religiösen Motiven.

Sie verweisen auf die Pilgerfahrten nach Rheinau im 17. und 18. Jahrhundert. «Davon haben wir auf der Schweizer Seite der beiden Halbinseln mehr gefunden als auf der deutschen», sagte Nagy. Wertvoll auch der Fund einer päpstlichen Bleibulle aus dem 14. Jahrhundert, eine Art Siegel, die wohl einst an einer wichtigen Urkunde hing.

Ein neu entdecktes Brucherz-Depot verweist auch auf ein Händlerdepot oder eine nahe gelegene Werkstätte des keltischen Oppidums. Die von Tauchern untersuchte Holzkonstruktion im Rhein konnte überdies als Mühlewuhr, eine Flussverbauung, aus der Zeit um 1600 identifiziert werden.

Über die Bronzezeit und die römische Epoche wusste man bislang nur wenig. Am Isenbuck konnten nun archäologische Überreste einer verschwundenen Siedlung des 8. bis 10. Jahrhunderts zugewiesen werden.

Archäologie in Rheinau und ­Altenburg. Patrick Nagy, 424 S.; Preis: 95 Franken, bei Bestellung bis 30. September 70 Franken. www.fo-publishing.ch (Der Landbote)

Erstellt: 15.03.2019, 15:21 Uhr

Patrick Nagy, Projektleiter Amt für Raumentwicklung.

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