Volken

Die Wirtin, die vorzüglich kocht

Volken ohne Pöschtli wäre wie Suppe ohne Salz. Dass das Traditionsrestaurant ein beliebter Ort zum Einkehren ist, ist dem Einsatz von Wirtin Anna Erb zu verdanken.

Orchideen sind ihr Hobby: Wirtin Anna Erb in der gemütlichen Gaststube in der Wirtschaft zur Post in Volken.

Orchideen sind ihr Hobby: Wirtin Anna Erb in der gemütlichen Gaststube in der Wirtschaft zur Post in Volken. Bild: Enzo Lopardo

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Der Duft von Rösti liegt in der Luft. In der Bauernstube ist es gemütlich. Holz rundum, vom Boden bis zur Decke. Von dort prangen farbige Tiffany-Leuchten mit Rebenmotiven. Die getäferten Wände sind lasiert. Die Tische tragen rotweisskarierte Sets. Auf den Fenstersimsen präsentieren blühende Orchideen das Hobby der Wirtin.

Die Trauben auf den Lampen kommen nicht von ungefähr. Die Wirtschaft zur Post in Volken schenkt nur eigenen Wein vom Worrenberg aus, sagt Anna Erb. Sie ist die gute Seele des Pöschtli, das seit 1887 in den Händen der Familie Erb liegt.

Mit Gasthaus aufgewachsen

Seit 25 Jahren führt die gebürtige Rheinauerin die Wirtschaft in Volken. Sie kocht selbst. Das habe sie von Kindsbeinen an gelernt. «Meine Mutter ist im Restaurant Löwen in Rheinau, das vor ein paar Jahren zuging, aufgewachsen», erzählt sie. «Darum verbrachten wir viel Zeit dort.»

Aufgewachsen ist Anna im Oberdorf, wo ihr Vater eine Autogarage hatte, die heute noch von ihrem Bruder geführt wird. «Am Wochenende stellten die Eltern mich und meine vier Geschwister jeweils vor die Wahl: Du kannst entweder kochen oder Benzin ausgeben», erinnert sich Anna Erb, die mit Mädchennamen Hausherr heisst. Unschwer zu erraten, wofür sie sich damals entschied. «Von meiner Mutter habe ich in der Küche viel gelernt», sagt sie. Im Löwen in Rheinau hat sie aber auch oft im Service ausgeholfen

Als Köchin mag sich Anna Erb, die für ihre authentische Landküche weitherum bekannt ist, aber auch nach über zwei Jahrzehnten in der Küche nicht bezeichnen. «Ich habe Chemielaborantin gelernt und fände das jenen gegenüber, die Kochen als Beruf gelernt haben, nicht richtig.» Also nennt sie sich Wirtin – und kocht weiterhin vorzüglich. Sie macht alles, Rösti, Kartoffelsalat, Spätzli, selbst. Eine Fritteuse sucht man in ihrer Küche vergebens. «Ich habe sie nie vermisst», sagt die 65-Jährige, die trotz allen kulinarischen Leckerbissen schlank und rank geblieben ist.

Bisher keinen Nachfolger

In den letzten Ferien machte sich Anna Erb Gedanken über die Zukunft des Restaurants, das bei der Dorfbevölkerung wie auch bei auswärtigen Gästen gleichermassen beliebt ist. «Ich höre nicht einfach auf, doch in den nächsten zwei, drei Jahren sollte sich eine Lösung abzeichnen.»

Von ihren vier Kindern will keines das Restaurant weiterführen. «Sie haben alle ihren eigenen Weg gefunden.» Als ihr Mann Richard vor acht Jahren verstarb, hat David Erb, ihr zweitjüngster Sohn, den Weinbau übernommen. «Ich musste vorwärts schauen, das Restaurant weiterführen, damit es nicht bachab geht», sagt sie. Für Anna Erb stand das Pöschtli immer an erster Stelle. «Meine Kinder werfen mir das nicht vor, aber für sie ist es einfach eine Realität, die sie nicht wollen.»

Leben in der Gaststube

Das Familienleben der Erbs, deren Wohnräume oberhalb des Restaurants liegen, spielte sich in der Gaststube ab. «Unser Wohnzimmer war praktisch ungenutzt.» Und eine Küche habe sie damals im ersten Stock gar nicht gehabt. «Ich musste für jeden Schoppen nach unten gehen, was ich damals nicht so toll fand», erinnert sie sich.

Um das Gerücht zu vermeiden, dass sie jetzt aufhöre, hat sich Anna Erb für einen diskreten Weg auf der Suche nach einer Nachfolge entschieden. «Ich habe einen Flyer erstellt, den ich ausgewählten Personen abgebe», sagt sie. «Attraktive und sehr gut gehende Traditions-Gastwirtschaft im Zürcher Weinland sucht ihre Zukunft», heisst es darin. Nach einem Vierteljahrhundert sei für sie die Zeit gekommen, sich um eine Nachfolge für dieses Bijou zu kümmern, meint Anna Erb, die sich gut vorstellen könnte, junge Pächter bei ihren ersten Schritten in die gastronomische Selbständigkeit zu unterstützen.

Erstellt: 08.09.2019, 20:04 Uhr

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