Nagra Bohrplatz

Drei Jahre Diskussion und 400'000 Franken Mehrkosten

Ab Juli will die Nagra bei Marthalen ihren Bohrplatz bauen. Doch wegen des nahen Schulwegs steigen die Kosten.

Auf dem Feld rechts im Bild will die Nagra in die Tiefe bohren, rechts ist der Schulweg Rheinau-Marthalen zu sehen. Foto: Markus Brupbacher

Auf dem Feld rechts im Bild will die Nagra in die Tiefe bohren, rechts ist der Schulweg Rheinau-Marthalen zu sehen. Foto: Markus Brupbacher

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Die Sicherheit ist uns ein grosses Anliegen», sagte Ueli Meier, Mitglied der Sekundarschulpflege am Donnerstag an einem Informationsabend in Marthalen.

Seine Behörde hatte Einsprache gegen die Tiefenbohrung der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) eingereicht. Der Grund: Der Bohrplatz läge neben dem Schulweg, den rund 40 Rheinauer Sekundarschüler von und nach Marthalen mit dem Velo benutzen. Am Anlass nahmen rund 30 Personen teil, etwa die Hälfte waren Eltern.

Um den Baustellenverkehr samt Lastwagen möglichst vom Veloverkehr der Schüler zu trennen, hat die Nagra ein Verkehrskonzept ausarbeiten lassen («Landbote» vom 10. April). Es wird mit durchschnittlich 50 Lastwagenfahrten pro Woche gerechnet. Das Konzept liegt bis am 17. Mai öffentlich auf.

Bis zwölf Millionen Franken

Im Juni sollen die Massnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit gebaut werden. Dazu gehört etwa der Bau eines temporären Radwegs auf dem Abschnitt, wo sich der Baustellen- und Schulverkehr die Strasse teilen müssen. Mit dem Bau des Bohrplatzes würde Anfang Juli begonnen. Die Auf- und Abbauarbeiten sowie die Bohrung dauern etwa ein Jahr.

Mit der Tiefenbohrung überprüft die Nagra die bisherigen Kenntnisse über die Gesteinsschichten im Untergrund. Im Weinland, wo das Endlager gebaut werden könnte, sind an sieben weiteren Orten solche Bohrungen vorgesehen. Eine Bohrung kostet zehn bis zwölf Millionen Franken.

Man unternehme mehr für die Sicherheit als der Gesetzgeber verlangt, sagte Philip Birkhäuser von der Nagra. So erachte die Polizei etwa den abgegrenzten Radweg für nicht nötig. Doch die Nagra wolle die «maximale Sicherheit».

Das bedinge, dass die Schüler diesen Weg dann auch benutzen und nicht nebeneinander auf der Strasse fahren. Dazu seien möglicherweise «erzieherische Massnahmen» nötig, appellierte Birkhäuser an die anwesenden Eltern.

«Charmeoffensive»

Fundamentalopposition gab es am Donnerstag keine. Marthalens Gemeindepräsident Matthias Stutz (SVP) bezeichnete das Verkehrskonzept als «die beste Lösung». Die Nagra «hat sich ins Zeug gelegt», sagte auch sein Amtskollege aus Rheinau, Andreas Jenni (SP).

Im vorliegenden Fall könne man, und das sage er nicht oft, Vertrauen in die Nagra haben. Jenni fand aber auch, dass die Nagra an diesem Informationsabend generell eine «Charmeoffensive fährt, und das wird sie auch noch brauchen». Birkhäuser konterte: «Das ist nicht die Motivation dahinter.»

«Zurückgepfiffen» worden

Als die Nagra im November 2016 ihre acht Weinländer Bohrgesuche in Trüllikon der breiten Öffentlichkeit vorstellte, gab es wegen des Schulwegs schon damals heftige Kritik am Marthaler Bohrplatz respektive am Kanton Zürich.

Denn ursprünglich wollte die Nagra an einem anderen Standort ganz in der Nähe in die Tiefe bohren, abseits vom Schulweg Rheinau-Marthalen. Doch der Kanton lehnte dies wegen eines Wildtierkorridors und der Nähe zum schützenswerten Naturraum Niderholz ab. Birkhäuser bestätigte am Donnerstag in Marthalen, dass die Nagra «zurückgepfiffen» worden sei.

Die Kosten zur Sicherung des Schulwegs beim geplanten Bohrplatz von rund 400000 Franken muss trotzdem die Nagra bezahlen, nicht der Kanton. Der externe Ingenieur, der für die Nagra das Verkehrskonzept erstellt hat, sprach von einer «sehr, sehr stolzen Summe». (Der Landbote)

Erstellt: 10.05.2019, 17:30 Uhr

Artikel zum Thema

Das Tor zum Endlager könnte noch näher an die deutsche Grenze rücken

Atommüll Die Nagra lanciert die Debatte um den Standort von Zugangsanlagen im Zürcher Weinland. Sie schlägt nebst dem bekannten Standort eine Alternative näher an Deutschland vor. Mehr...

Artikel zum Thema

Vorschläge mit und ohne «heisse Zelle»

Atommüll Die Nagra stellt für das Weinland vier Varianten für die Platzierung von Oberflächenanlagen zur Diskussion. Für deren Grösse ist entscheidend, ob radioaktive Abfälle vor Ort abgepackt werden sollen. Mehr...

Geologe fordert Marschhalt bei Endlagersuche

Endlager Nach Meinung von Geologe Marcos Buser treibt die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) die Standortsuche für das Endlager zu rasch voran. Der langjährige Kritiker fordert mehr Zeit für eine «bessere Lösung». Mehr...

Paid Post

Burger ahoi auf dem Zürichsee

Feines Fast Food zum Feierabend: Ab dem 16. Mai geht das Build-your-Burger-Schiff auf Kurs – mit neuen Ideen und spannenden Kreationen.

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben