Flaach

Eine betont unauffällige Brücke

Die fast 150-jährige Rheinbrücke zwischen Flaach und Rüdlingen ist in einem schlechten Zustand.Gestern präsentierte der Kanton nun ein neues Brückenprojekt. Die alten Pfeiler sollen dabei erhalten werden.

Die Siegerbrücke vom Rüdlinger Rheinufer aus gesehen: Wenn alles optimal läuft, kann 2021 mit dem Bau begonnen werden. Visualisierung: PD

Die Siegerbrücke vom Rüdlinger Rheinufer aus gesehen: Wenn alles optimal läuft, kann 2021 mit dem Bau begonnen werden. Visualisierung: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Täglich grüsst das Lichtsignal: Wer über die Rheinbrücke zwischen Flaach und Rüdlingen SH pendelt, braucht etwas Geduld. Denn seit bald dreieinhalb Jahren ist die 121 Meter lange Brücke nur noch einspurig befahrbar.

Zu stark abgenutzt ist das Bauwerk mit dem Unterbau von 1871. Die Fahrbahn ist mittlerweile auch schon 90-jährig und hat damit die reguläre Lebensdauer von 60 Jahren bereits deutlich überschritten.

Ein Ersatz muss her, beschlossen die durch den Rhein getrennten Kantone Zürich und Schaffhausen deshalb im Sommer 2016. Die Herausforderung dabei: Das Gebiet gehört zum Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung.

Entsprechend war eine «besonders hohe Sorgfalt bezüglich der Einbettung in die Landschaft» gefordert, wie es im Bericht des Preisgerichts heisst, der gestern vom Tiefbauamt des Kantons Zürich veröffentlicht wurde.

Brückenbögen ohne Chance

Gewonnen hat das Projekt «Point de vue» der Zürcher Bänziger Partner AG, das sich gegen 17 andere Vorschläge durchgesetzt hat. Das Preisgericht beurteilte in drei Durchgängen drei Kriterien: technische Aspekte, räumliche und gestalterische Aspekte sowie Wirtschaftlichkeit. «Die subtile und sachliche Einpassung eines zweckorientierten Bauwerks in die Landschaft stand im Vordergrund», schreibt das Preisgericht.

«Die aktuellen Probleme der
Tragsicherheit haben wir damals nicht bei den Pfeilern, sondern bei der Fahrbahnplatte festgestellt.»
Markus Bissig,
Projektleiter Tiefbauamt Kanton Zürich

Die Siegerbrücke mit ihrer konventionellen, bewährten Konstruktion tue dies hervorragend, indem sie «sich auf intelligente Weise zurücknimmt und in den Kontext einfügt». Angesichts dieser Gewichtung überrascht es weniger, dass jene vier Vorschläge mit oberliegenden Brückenbögen es nicht unter die besten drei Projekte schafften.

Das Siegerprojekt sieht eine Stahl-Beton-Verbundbrücke mit sogenanntem Cortenstahl vor, der weniger Unterhalt als gewöhnlicher Stahl erfordert. Die Brücke soll von den bestehenden Pfeilern getragen werden. «Das ergibt ein stimmiges Gesamtbild mit klarer Referenz zum historischen Bestand», urteilt das Preisgericht.

Die Pfeiler sind in einem guten Zustand und könnten allenfalls verstärkt werden, wie Projektleiter Markus Bissig sagt: «Die aktuellen Probleme der Tragsicherheit haben wir damals nicht bei den Pfeilern, sondern bei der Fahrbahnplatte festgestellt.»

Auf der Westseite der Brücke ist ein Gehweg vorgesehen, im Osten ein gemischter Geh- und Veloweg. Ein leichtes, lichtdurchlässiges Geländer begrenzt die Brücke auf der Seite. Die Breite der Fahrbahn ist mit 6,5 Metern schmal, die Kurve auf Flaachemer Seite enger vorgesehen.

Laut Projekt soll die Geschwindigkeit dadurch auf rund 40 Stundenkilometer verringert und dem hohen Anteil an Freizeitverkehr Rechnung getragen werden. Durch diese Anpassung auf Flaachemer Seite würde jedoch eine Gewässerschutzzone «geringfügig beeinträchtigt», heisst es im Bericht.

Durchfahrt bei Bau möglich

Insgesamt vergab der Kanton für die Beiträge 220 000 Franken, Sieger Bänziger Partner AG erhielt mit 50 000 Franken den grössten Anteil davon. Nun werden die Pläne verfeinert und voraussichtlich noch diesen Sommer als Vorprojekt im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens erstmals öffentlich aufgelegt. Später folgt mit dem Einspracheverfahren noch eine zweite Auflage.

Wenn alles wie am Schnürchen läuft, soll mit dem Bau Mitte oder Ende 2021 begonnen werden, wie Projektleiter Bissig sagt. Die alte Brücke könnte währenddessen weiterhin befahren werden. Denn diese würde gemäss dem Siegerprojekt nach Osten auf provisorische Pfeiler verschoben werden, während auf den ehemaligen Pfeilern die neue Fahrbahn gebaut würde.

Frühestens 2023 rechnet der Kanton mit der Inbetriebnahme der Brücke. Die Kosten belaufen sich voraussichtlich auf zehn Millionen Franken. Davon wird Zürich drei und Schaffhausen ein Viertel übernehmen. Dies ist so geregelt in einem Vertrag von 1870.

Erstellt: 21.03.2019, 22:24 Uhr

Artikel zum Thema

So wird die neue Rheinbrücke aussehen

Flaach/Rüdlingen Die alte Rheinbrücke zwischen Flaach und Rüdlingen muss ersetzt werden. Jetzt ist klar, wie die neue Brücke aussehen wird. Die Kantone Zürich und Schaffhausen haben ein Siegerprojekt erkoren. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!