Marthalen

Eine Plastik-Revolution von unten

Kunststoff­recycling ist umstritten. Umweltwissenschaftler Simon Zeller hat am Dienstag den kritischen Marthalern Vor- und Nachteile aufgezeigt.

Nur elf Prozent Kunststoff werden rezykliert.

Nur elf Prozent Kunststoff werden rezykliert. Bild: Symbolbild/Keystone

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Die Welt ersäuft im Plastikmüll, möchte man meinen, wenn man die allgegenwärtigen Bilder von überfüllten Abfalldeponien und Plastikteppichen im Meer sieht. Längst haben nicht nur Umweltschutzorganisationen Plastik zu ihrem Thema gemacht, sondern auch Unternehmer, die im Plastikrecycling ein Profitgeschäft sehen. Ökologischer Nutzen und ökonomischer Ertrag von Kunststoffrecycling sind allerdings umstritten. Ein Vortrag am Dienstagabend in Marthalen leistete einen Beitrag zur Klarheit in einer hitzigen Debatte.

Eingeladen haben die Grünen Weinland, gekommen sind rund 25 Personen, darunter auch Gemeinderäte und Vertreter aus der Recyclingindustrie. Referent war Simon Zeller von der Umweltorganisation Pusch. Der Umweltwissenschaftler bot eine ausgewogene und verständliche Einführung in das Thema.

Nur elf Prozent rezykliert

Beim Plastikrecycling beobachte er, wie die Gemeinden sich selber organisierten, häufig auch auf Anregen der Bürger hin. «Wir haben hier eine Revolution von unten», sagt er. Erfreulich sei dies deshalb, weil sich die Schweiz gerade im Bezug auf Abfallrecycling ein wenig auf ihren Lorbeeren aus der Vergangenheit ausruhe. «Beim Altpapier-, Glas- und Alurecycling machen wir vieles richtig.» Die Sammelquoten sind teilweise höher als 90 Prozent. Anders sieht es aber beim Kunststoff aus. Nur elf Prozent werden rezykliert.

Zeller weist auf Widerstände vonseiten der hiesigen Abfall- und Recyclingwirtschaft und einen Expertenstreit hin. Studien würden von unterschiedlichen Kosten und unterschiedlichem Nutzen sprechen. Er sagt aber: «Kunststoffrecycling lohnt sich. In verschiedener Hinsicht.» Zentral: Der ökologische Nutzen sei in allen Studien unbestritten.

«Ein Prozent weniger Umweltbelastung ist immerhin ein Prozent.»Simon Zeller,
Projektleiter Pusch

Davon musste Zeller das Publikum an diesem Abend nicht überzeugen. Trotzdem waren die Kommentare auch kritisch. Dass es sich ja nicht wirklich um Kreislaufwirtschaft handle, sondern eher um eine Spirale, die Plastikqualität verschlechtere sich ja mit jedem Recyclingdurchgang, bemerkte jemand. Andere wollten Konkretes wissen: Ob man Plastikverpackungen reinigen soll, bevor man sie in die Sammlung gibt («Löffelrein genügt»). Ob die Alu-Plastik-Verpackung von Medikamenten in die Plastiksammlung kann («Nein, das gehört in den Haushaltskehricht»). Ob sich das Sammeln noch lohne, wenn man den Sack nachher fünf Kilometer mit dem Auto zur Sammelstelle fahre («Wenn möglich die Fahrt mit einer sowieso getätigten verbinden»).

Und auch: Was man als Bürger tun kann, wenn die Gemeinde noch keine Sammelstelle eingerichtet hat («Werden Sie an der Gemeindeversammlung aktiv»).

Tief hängende Früchte

Im Gesamtkuchen der Umweltbelastung ist der Abfall nur ein kleines Teilstück – er macht lediglich drei Prozent aus. Demgegenüber machen Ernährung, Mobilität und Wohnen zusammen rund 60 Prozent aus. Dass man das Abfallthema deshalb vernachlässigen kann, findet ­Zeller aber überhaupt nicht. «Im Englischen nennt man dies sogenannte «low hanging fruits», also tief hängende Früchte», versinnbildlicht er die Situation. «Hier kann man mit kleinem Aufwand etwas herausholen. Das heisst ja nicht, dass man in den anderen Bereichen nichts tun soll.»

Und: «Ein Prozent weniger Umweltbelastung ist immerhin ein Prozent.» (Landbote)

Erstellt: 15.03.2018, 08:46 Uhr

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