Dorf

«Einfach zuschauen und geniessen»

Die Wildschweinpopulation im Weinland ist nach wie vor hoch. Das Schwarzwild hält sich aber gut versteckt und lässt sich nicht zählen. Ausser man ist zur rechten Zeit am rechten Ort.

Auf der Suche nach etwas Fressbarem: Wildschweine gelten als intelligente, aber auch kontroverse Wildart. Sie sind von Natur aus friedlich, doch streicheln sollte man sie auf keinen Fall.

Auf der Suche nach etwas Fressbarem: Wildschweine gelten als intelligente, aber auch kontroverse Wildart. Sie sind von Natur aus friedlich, doch streicheln sollte man sie auf keinen Fall. Bild: Shotshop

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Selten hat man Schwein wie dieses: Am Abend auf der Flaachtalstrasse Höhe Rütihof trottet eine Gruppe von zehn Wildschweinen über die Strasse. Die Tiere lassen sich Zeit. Unbeeindruckt vom ­nahenden Auto, das in Richtung Dorf fährt, tollen die halbwüchsigen Keiler am Strassenrand im Scheinwerferlicht herum, bevor sie sich nach etwa 20 Sekunden in Richtung Wald aufmachen.

«In solch einem Fall kann man nur anhalten, zuschauen und ­geniessen», sagt Jürg Zinggeler von der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung. Alltäglich sei eine solche Begegnung nicht. «Wildschweine leben zurückgezogen.» Erst in der Dämmerung verlassen sie ihre sichere Deckung, die sich in einem Wald oder etwa in einem Maisfeld befinden kann. Für Waldbesucher wie Reiter, Jogger und Biker seien Erlebnisse wie das geschilderte hingegen keine Seltenheit.

Junge Keiler

Bei der Gruppe auf der Flaachtalstrasse könnte es sich um eine Junggesellengruppe gehandelt haben, vermutet Simon Meier, Geschäftsführer von Wildtier Schweiz, einem Verein, der Forschung und Praxis im Fachbereich Wildtiere vernetzt. Überläuferkeiler nennt man die männlichen ein- bis zweijährigen Wildschweine. «Sie werden aus dem Muttergruppenverband verstossen, sobald sie geschlechtsreif sind.» Die Keiler würden dann als Gruppe umhervagabundieren. «Sie suchen Nahrung, ein neues Revier und Paarungsmöglichkeiten.» Man erkennt eine solche Junggesellenrotte daran, dass alle Wildschweine etwa gleich gross sind. Die ausgewachsenen Keiler leben dann einzelgängerisch.

Gefährlich ist eine solche Begegnung laut Fachleuten nicht. Ausser wenn es sich um ein Muttertier mit Frischlingen handelt. In einem solchen Fall oder wenn sich ein Tier in die Enge getrieben fühlt oder verletzt ist, können Wildschweine aggressiv werden. Johanna Holderegger vom Rütihof hat im Laufe der Zeit schon viele Wildschweine dort gesichtet. «Ein paar von ihnen machen ja nichts, aber wenn es zu viele sind, ist es nicht mehr lustig», findet die Seniorbäuerin. In letzter Zeit habe sie kaum mehr Schwarzwild gesehen. «Dafür aber ihre Spuren.» Die Wühlschnauzen richten immer wieder grosse Kulturschäden an.

Im Weinland ist der Wildschweinbestand laut Jagdverwaltung nach wie vor sehr hoch. Die nachtaktiven, intelligenten Tiere lassen sich aber nicht zählen. Man eruiert die Population anhand von Abschüssen und Kulturschäden. Rund 370 000 Franken Wildschweinschäden registrierte die Jagdverwaltung im ­laufenden Jahr, über 40 Prozent allein im Weinland.

Mehr Wildschweine

Laut Robert Ober, Jagdobmann von Adlikon und Humlikon, hat die ohnehin hohe Wildschweinpopulation im Weinland dieses Jahr eher nochmals zugenommen. «Das kann nächstes Jahr aber wieder anders aussehen.» Die Vermehrung des Schwarz­wildes erfolge wellenförmig. Die Jagdgesellschaften geben sich laut Ober grosse Mühe, die Wildschweinpopulationen einigermassen in Grenzen zu halten, «damit die Schäden für Landwirtschaft und Bevölkerung ein erträgliches Mass erreichen». (Landbote)

Erstellt: 04.12.2017, 20:12 Uhr

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