Flaach

Eisvögel kämpfen um die besten Brutplätze

Die rötlich-blau schimmernden Eisvögel fühlen sich im Naturschutzgebiet Thurauen wohl. Noch nie hat man so viele Eisvögel beobachtet, die erfolgreich brüten konnten.

Ein Eisvogel-Männchen hat sich im August 2018 an der Thur auf einem Ast an einem Steilufer niedergelassen.

Ein Eisvogel-Männchen hat sich im August 2018 an der Thur auf einem Ast an einem Steilufer niedergelassen. Bild: Matthias Griesser

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Matthias Griesser ist mit seinem Feldstecher seit bald 30 Jahren regelmässig entlang der Thur unterwegs. Seit einiger Zeit beobachtet der Vogelschützer neue, spektakuläre Szenen: Eisvögel, die ihr Revier vermehrt gegen andere Eisvögel verteidigen.

Die pfeilschnellen Vögel reagieren in solchen Situationen plötzlich sehr aggressiv. Sie breiten ihre Flügel aus und richten ihre spitzen Schnäbel in die Höhe. Mit dieser Drohgebärde wollen sie unerwünschte Artgenossen von ihren Steilwänden am Fluss fernhalten, was allerdings nicht immer sofort gelingt. Griesser hat schon öfter Eisvögel gesehen, die wild pfeifend aufeinander losgegangen sind. «Es geht in solchen Kämpfen um die besten Nahrungs- und Brutplätze, also um alles für die Vögel», sagt der Präsident des Naturschutzvereins Andelfingen.

Perfekter Lebensraum

Die Revierkämpfe deuten darauf hin, dass die schillernden Vögel entlang der Thur stellenweise ihre natürlichen Maximalbestände erreichen. Die Entwicklung ist enorm (siehe Grafik): 1992 konnte Matthias Griesser am Unterlauf der Thur gerade mal zwei Brutpaare ausfindig machen. Lange stagnierten danach die Bestände und erhöhten sich erst um die Jahrtausendwende leicht.

Nachdem es im kalten Februar im Jahr 2012 zu einem grösseren Einbruch kam, ging es danach fast jedes Jahr aufwärts. Im vergangenen Jahr zählte Griesser an der Thur unterhalb von Gütighausen bereits zehn Brutpaare, was ein neuer Rekord ist. «Eine solche Dichte an Eisvögeln gibt es sonst nirgendwo in der Schweiz», sagt er mit unüberhörbarer Freude in der Stimme. Auch für das Naturzentrum Thurauen ist das eine gute Nachricht. Der Eisvogel ist eine Art Wappentier des Naturschutzgebiets.

Die Gründe für die Entwicklung sind vielfältig. Entscheidend ist aber, dass an der Thur seit der Renaturierung ab dem Jahr 2008 ein perfekter Lebensraum für die Auenvögel entstanden ist. Der Fluss kann sich inzwischen wieder freier bewegen und an seinen Ufern entstehen natürliche Abbruchstellen. In solchen Steilwänden graben die Eisvögel ihre Bruthölen, in die sie sechs bis acht Eier legen.

Bruthöle (links) in einer Steilwand an der Thur. Bild: Matthias Griesser

Damit eine Brut klappt, müssen die Eltern in der Nähe nach Fischen jagen können. Dabei sollten sie nicht von unvorsichtigen Passanten gestört werden. «Gegenüber Menschen sind Eisvögel sehr scheu», sagt Matthias Griesser. «Sobald jemand in der Nähe der Bruthöhle ist, wird nicht mehr gefüttert.»

In den vergangenen Jahren waren auch die klimatischen Bedingungen für Eisvögel optimal. In milderen Wintern gefrieren die Gewässer kaum und die Fische sind aktiver. Dadurch können sie leichter gejagt werden. Zudem müssen die Eisvögel seltener in wärmere Gegenden ziehen. Hinzu kommt, dass es in vergangen Jahren nur wenige Hochwasser gab.

Bruterfolg in Altikon

Weiter flussaufwärts leben dennoch eher wenige Eisvögel. Zwar konnten in Altikon drei Paare erfolgreich brüten. «Es gibt oberhalb von Andelfingen aber noch grosses Potenzial», sagt Griesser weiter. Dieses könnte dank neuer Steilwänden besser erschlossen werden.

Die Erfolgskontrolle ist einfacher als bei anderen Arten: Eisvögel sind mit ihrem prächtigen Kleid relativ leicht zu erkennen. Einer Sage nach ist Noah aus der Bibel dafür verantwortlich. Er schickte den Vogel von seiner Arche los, um nach Land zu suchen. Dabei musste er höher fliegen als die Sonne: Sein Rücken nahm die Farbe des Himmels an, die Unterseite färbte sich glutrot wegen der Sonne. (Landbote)

Erstellt: 11.03.2019, 17:31 Uhr

«Eine solche Dichte an Eisvögeln gibt es sonst nirgendwo in der Schweiz», sagt Matthias Griesser, Präsident Naturschutzverein Andelfingen.

Saisoneröffnung Thurauen

Das Naturzentrum Thurauen in Flaach eröffnet am kommenden Sonntag die Saison. Jeweils Mitte März blühen die ersten Leberblümchen und Seidelbasten. Zudem kommen Zugvögel aus dem Süden zurück. Um 13.30 Uhr und 15 Uhr führen Experten durch den Erlebnispfad und man kann die Ausstellung besichtigen. (roh)

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