Marthalen

Ersatzdamm vor grüner Welle gerettet – vorerst

Der noch bürgerliche Kantonsrat will im Ellikerfeld einen Damm gegen die Stechmücken. Entschieden ist noch nichts.

Beim Ellikerfeld am Rhein wurde der Uferdamm entfernt und ein Flachufer geschaffen.

Beim Ellikerfeld am Rhein wurde der Uferdamm entfernt und ein Flachufer geschaffen. Bild: Melanie Duchene

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Kaum war der Uferdamm bei Ellikon am Rhein vor rund sechs Jahren entfernt worden, überflutete 2013 ein Hochwasser Teile des Ellikerfeldes. Wasser blieb in Vertiefungen im Feld, vor allem in einem alten Flussarm, so lange liegen, dass sich im Juni massenhaft Stechmücken entwickelten. Sie schlüpften aus Eiern, die bis dahin im Erdboden geschlummert hatten.

Das Rheinhochwasser war nicht höher gestiegen, als der zuvor entfernte Damm hoch gewesen war. Somit war das zentrale Kriterium erfüllt, damit der Kanton die Stechmückenlarven im Ellikerfeld mit einem Insektizid bekämpfen konnte. Denn wäre das Wasser höher als der Damm gestiegen, wäre das Ellikerfeld auch mit einem solchen überflutet worden. In dem Fall wäre die Mückenplage also keine Folge der Revitalisierung des Rheinufers gewesen.

«Nicht wissenschaftlich»

Schon vor 2013 bis heute taucht eine Streitfrage immer wieder auf: Ist die Stechmückenbelastung in Ellikon am Rhein eine Folge der Revitalisierungsmassnahmen des Kantons im Ellikerfeld respektive in den angrenzenden Thurauen? Wenn ja, muss der Kanton gegen die Mücken vorgehen. Zuletzt flammte der Streit im Frühsommer 2016 auf, als in Ellikon erneut über Stechmücken geklagt wurde. Das Klagen führte dazu, dass die drei Weinländer Kantonsräte Martin Farner (FDP), Martin Zuber (SVP) und Konrad Langhart (SVP) im Juli 2016 ein Postulat einreichten, das letzten Montag vom Parlament mit sehr knapper Mehrheit genehmigt worden ist. Die drei Kantonsräte verlangten darin den unverzüglichen Bau eines Ersatzdamms, um das Ellikerfeld wieder vor Überschwemmungen zu schützen. In seiner Antwort schrieb der Regierungsrat, dass es sich 2016 nicht um eine Mückenplage gehandelt habe. Und: «Die dem Postulat zugrunde liegende Annahme kann nicht wissenschaftlich belegt werden.»

Auch externe Fachleute halten einen Ersatzdamm für kontraproduktiv. Denn das Wasser bliebe in den Vertiefungen des Ellikerfelds tagelang liegen, weil der Damm das rasche Abfliessen des Wassers in den Rhein verhindern würde. Hinter den Damm gelänge dieses Wasser auf zwei Wegen: Entweder wenn der Rheinpegel höher als der Damm steigt oder wenn das Grundwasser unter dem Feld durch das Hochwasser so stark ansteigt, dass es von unten in die Mulden strömt und diese auffüllt.

«Nicht stufengerecht»

Die drei Weinländer Kantonsräte schrieben in ihrem Postulat, dass im Projekt aus dem Jahr 2001 ein neuer Wall noch vorgesehen gewesen sei, der vom Rheinufer zurückversetzt als Ersatz für den entfernten Hochwasserdamm gebaut werden sollte. Dem widerspricht der Regierungsrat. Schon 2015 habe er ausführlich dargelegt, dass es sich beim Dammverzicht nicht um eine Abweichung vom Projekt von 2001 handle. Darin sei ein Ersatzdamm als mögliche Variante festgehalten worden, also nicht als Versprechen.

«Die dem Postulat zugrunde liegende Annahme kann nicht wissenschaftlich belegt werden.»Antwort des Regierungsrates

Tatsache ist aber, dass das Entwicklungskonzept für das Ellikerfeld seit Jahren blockiert ist. Der Marthaler Gemeinderat weigert sich wegen der Dammfrage bis heute, das in der 14-köpfigen «Fachgruppe Ellikerfeld» erarbeitete Konzept zu unterzeichnen. In dieser Gruppe sind der Gemeinderat von Marthalen, Landwirte, der Kanton sowie die Bevölkerung vertreten. Im Konzept steht, dass die Frage des Dammbaus respektive des Verzichts darauf erst im Jahr 2024 abschliessend beurteilt werden soll. Bis dahin sollen weitere Entwicklungen abgewartet und Erfahrungen gewonnen werden. «An diesem Vorgehen soll festgehalten werden», schrieb der Regierungsrat. Ein Beschluss auf Kantonsratsebene erachtet die Regierung als nicht stufengerecht, «da es sich um eine einzelne, geringfügige Hochwasserschutzmassnahme handelt».

Doch genau einen solchen Beschluss hat der alte, noch bürgerlich dominierte Kantonsrat nun gefällt. Es gilt abzuwarten, was der neue, grünere Kantonsrat aus dem Bericht samt Antrag machen wird, den der Regierungsrat innert zwei Jahren vorlegen muss.

Erstellt: 26.03.2019, 17:16 Uhr

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