Flaach

Breiter, höher und trotzdem filigraner

Der Kanton Zürich hat sein Vorprojekt zur neuen Rüdlinger Brücke öffentlich aufgelegt. Die schon fast 150-jährigen Pfeiler sollen dabei erhalten bleiben, notfalls auch mit unsichtbaren Verstärkungen.

Die geplante Brücke über den Rhein zwischen Flaach (rechts im Hintergrund) und Rüdlingen besticht durch ihre Unauffälligkeit.Visualisierung: PD

Die geplante Brücke über den Rhein zwischen Flaach (rechts im Hintergrund) und Rüdlingen besticht durch ihre Unauffälligkeit.Visualisierung: PD

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Spätestens Ende 2023 soll sie wieder zweispurig befahrbar sein: Die Rheinbrücke zwischen Rüdlingen SH und Flaach ZH. Seit vier Jahren regeln Lichtsignale, wer fahren und wer warten muss, weil die Fahrbahn nach 90 Jahren stark abgenutzt ist und deshalb nur noch einspurig befahren werden darf. Täglich nutzen knapp 5000 Fahrzeuge die Brücke.

2016 hatten sich die beiden durch den Rhein getrennten Kantone Zürich und Schaffhausen auf einen Ersatz der Brücke geeinigt. Ende März präsentierten sie das Siegerprojekt «Point de vue», das sich gemäss Preisgericht «subtil und sachlich» in die unverbaute Auenlandschaft einfügt.

Leichte Verzögerung

Nun ist aus dem Sieger- ein Vorprojekt geworden, das seit letzter Woche öffentlich auf der Website des Tiefbauamts aufliegt. Ursprünglich hätte dieses bereits im Sommer präsentiert werden sollen. «Die Erarbeitung der Grundlagen wie beispielsweise für die Vermessung, die Umweltprüfung sowie die Signalisation und Markierung benötigten mehr Zeit als geplant», erklärt Thomas Maag, Mediensprecher der Baudirektion. Am groben Zeitplan ändere sich dadurch aber nicht viel: «Wenn alles am Schnürchen läuft, könnte Mitte 2021 begonnen und die Brücke 2023 in Betrieb genommen werden.» In den öffentlich aufliegenden Unterlagen (Baubeginn Ende 2022) habe man einen etwas pessimistischeren Zeitplan gewählt: «Weil die Erfahrung zeigt, dass bei einem Projekt dieser Dimension sowohl die planerischen als auch die politischen und rechtlichen Prozesse mehr Zeit in Anspruch nehmen als ursprünglich geplant.»

 «Es bestehen keine Zweifel, dass die Pfeiler noch weitere hundert Jahre ohne bedeutenden Unterhalt im Einsatz stehen können»Auszug aus dem technischen Bericht

Das Vorprojekt sieht vor, die bestehenden Pfeiler, ein Quadermauerwerk von 1871/1872 aus Sandstein, weiterhin zu nutzen. «Es bestehen keine Zweifel, dass die solide auf dem Fels fundierten Pfeiler trotz ihres Alters von knapp hundertfünfzig Jahren problemlos noch weitere hundert Jahre ohne bedeutenden Unterhalt im Einsatz stehen können», heisst es im Technischen Bericht. Sollten die Untersuchungen zu einem anderen Schluss kommen, könnten die Pfeiler durch sogenannte Mikropfähle verstärkt werden. Diese wären von aussen nicht sichtbar. Auf die Pfeiler sollen sogenannte Lastverteilplatten aus Stahlbeton gesetzt werden. Ausserdem wird so bei Hochwasser genügend Durchfluss gewährleistet.

Auf diese Platten wird dann wiederum eine Brückenplatte gesetzt, die auf beiden Seiten einige Meter über die Pfeiler hinausragt. Auf der Westseite der Brücke ist ein Gehweg vorgesehen, im Osten ein gemischter Geh- und Veloweg. Die Strasse ist mit 6,5 Metern schmal. Das Tempo der Autos soll von 60 auf 40 Stundenkilometer verringert werden. Zwischen der Strasse und den Gehwegen sind Randsteine, aber keine Leitplanken vorgesehen. Gemäss dem Bundesamt für Strassen ist das auf Brücken mit Gehwegen im Siedlungsgebiet nicht erforderlich. «Ob sich die Brücke im Siedlungsgebiet befindet, kann diskutiert werden», heisst es im Technischen Bericht. Aber aufgrund der geringen Geschwindigkeit, wenigen Autos und «dem Charakter des Orts» sei ein Geländer am Brückenrand «zweifellos zweckmässig».

Brücke bleibt befahrbar

Auf der Flaachemer Seite würde für die neue, breitere Strasse ein Teil der Schutzzonenfläche benötigt. Der Kanton hört sich aber bezüglich einer Einigung vorsichtig optimistisch an, weil «es sich dabei grösstenteils um eine bewirtschaftete Wiese» handle. Da entlang der neuen Strasse ein beidseitiges Trottoir geplant ist, soll ein Teil des Wanderwegs entlang des Rheinufers gestrichen werden.

Die Strasse wird auch während den Bauarbeiten fast durchgehend einspurig befahrbar sein: Auf provisorische Pfeiler wenige Meter flussaufwärts soll die alte Fahrbahn verschoben werden.

Die neue Brücke ist im Vorprojekt mit 10,21 Millionen Franken veranschlagt. Allerdings beträgt die Ungenauigkeit zum jetzigen Zeitpunkt noch 20 Prozent. Der Kanton Schaffhausen wird einen Viertel der Summe übernehmen, so ist es in einem Vertrag von 1870 geregelt.

Nach dem nun laufenden Mitwirkungsverfahren wird das Projekt überarbeitet und anschliessend im Einspracheverfahren, wohl im Herbst 2020, erneut öffentlich aufgelegt.

Erstellt: 11.11.2019, 16:41 Uhr

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