Bezirksgericht

Frau deponierte versehentlich Kokain in Schmuckschatulle

Die Polizei fand in der Wohnung einer 48-Jährigen Kokain. Sie wisse nichts von Drogen und habe nicht vermutet, dass ihr Freund mit Drogen handeln könnte, sagte sie vor Gericht. Die Frau wurde freigesprochen.

Vor dem Bezirksgericht in Andelfingen wirkte eine Frau ratlos. Weil ihr Freund mit Drogen handelte, musste sie sich vor Gericht verantworten.

Vor dem Bezirksgericht in Andelfingen wirkte eine Frau ratlos. Weil ihr Freund mit Drogen handelte, musste sie sich vor Gericht verantworten. Bild: Nathalie Guinand

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Als ihr afrikanischer Lebenspartner für mehrere Tage zu Besuch war, bemerkte die Beschuldigte in ihrer Wohnung zwei Kugeln auf dem Boden. Sie wusste nicht, was das sein könnte. Also deponierte sie die Dinger vorsorglich in einer ihrer Schmuckschatullen. Denn nach Abfall sah es nicht aus und sie wollte bei Gelegenheit ihren Freund fragen, ob er etwas dazu wisse. Doch schon bald habe sie die Kugeln wieder vergessen. Sie sei generell sehr vergesslich, sagte sie am Dienstag im Bezirksgericht Andelfingen weiter. Was die Schweizerin damals nicht ahnte: Bei den Kugeln handelte es sich um Kokain und ihr Lebenspartner war nicht ganz der, den er vorgab zu sein. Er war ein Drogendealer.

Aufgeflogen waren seine Machenschaften einige Zeit später auf einem Aldi-Parkplatz in Winterthur. Die Beschuldigte sass nichts ahnend im Auto und ass ein Sandwich, als plötzlich zwei verdeckte Ermittler an die Scheibe klopften. Ihr Freund hatte in der Nähe Drogen verkauft, ohne dass sie davon etwas bemerkt hätte. Die Beamten durchsuchten das Fahrzeug und bald darauf auch die Wohnung der Frau. Dort fanden sie dann unter anderem die Kugeln in der Schmuckschatulle und nahmen beide mit in Untersuchungshaft, einen Monat lang war sie in einer Zelle und wusste dabei immer noch nicht richtig, wie ihr geschah. «Ich war schockiert und baff», sagte sie zum Richter. Als ihr die Polizei gesagt habe, es gehe um Drogen, habe sie grosse Augen gemacht.

Landesverweis für Freund

Bis dahin hatte sie noch nie mit Drogen zu tun gehabt, wie sie beteuerte. Als Mutter von drei Kindern beschäftige sie sich mit ganz anderen Dingen. Derzeit sei sie auf Arbeitssuche. Zudem hilft sie anderen, wo immer sie kann. So sucht sie im Internet nach Gegenständen, die sie nach Afrika schicken kann. Auch in der Schweiz unterstützt sie Bekannte und Verwandte, obwohl sie ihre eigenen Rechnungen kaum bezahlen kann.

«Ich habe grosse Augen gemacht, als die Polizei sagte, das seien Drogen.»Beschuldigte

Auch ihr Freund beteuerte bei den Einvernahmen laut Verteidiger, dass sie nichts mit den Drogengeschäften zu tun gehabt habe. Er wurde nach seiner Verhaftung verurteilt und musste das Land verlassen. Dennoch trafen sich die beiden ein weiteres Mal in Italien. Der Richter fragte bei der Beschuldigten mehrmals erstaunt nach: «Sie wünschen ihn nicht ins Pfefferland? Immerhin ist er dafür verantwortlich, dass Sie in Haft gehen mussten und nun vor Gericht sitzen.» Sie antwortete, dass sie ihm vergeben habe, und bezog sich dabei auch auf ihren ausgeprägten Glauben an Gott und die Bibel: «Das, was man anderen wünscht, kommt wieder retour», sagte sie. Zudem habe sie gelernt, andere Menschen nicht zu verurteilen. Man wisse nie, was die Gründe für ihr Handeln seien. Aber klar sei sie enttäuscht von ihm. «Vieles ist nicht mehr so, wie es vorher war.»

Der amtliche Verteidiger plädierte auf Freispruch. Sie habe nicht gewusst, dass es sich bei den Kugeln um Kokain handle und sie mit deren Aufbewahrung etwas Verbotenes tue. Ein Vorsatz sei bei ihr nicht erkennbar und ihre Aussagen seien widerspruchsfrei. Zudem habe sie nicht damit rechnen müssen, dass es sich bei den Kugeln um Drogen handle. Für die Haft verlangte er eine Genugtuung.

6200 Franken Genugtuung

Die Staatsanwaltschaft forderte von der Beschuldigten hingegen für Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz eine Geldstrafe von 2800 Franken sowie eine Busse von 500 Franken.

Das Bezirksgericht Andelfingen sprach sie jedoch frei. Für die zu Unrecht erlittene Untersuchungshaft stehe ihr zudem eine Genugtuung von 6200 Franken zu. Das Urteil wurde den Parteien schriftlich zugestellt, weshalb der Richter nicht mündlich begründete, weshalb das Gericht so entschieden hat.

Erstellt: 10.07.2019, 16:16 Uhr

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