Henggart

Fusion – Hoffnung und Angst nebeneinander

Die einen sehen in der Gemeindefusion in der Region Andelfingen vor allem Risiken, die anderen Chancen. Das wurde am Mittwochabend in Henggart deutlich.

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Am Workshop zum Fusionsprojekt nahmen in Henggart am Mittwochabend gut 60 Personen teil, die Mitglieder der Projektgruppe Gesellschaft nicht mitgezählt. Letzte Woche in Andelfingen waren es am gleichen Workshop rund 80 Teilnehmer. Im November 2020 stimmen die Adliker, Andelfinger, Henggarter, Humliker, Kleinandelfinger und Thalheimer Bürgerinnen und Bürger über zwei Fusionen ab: der sechs Politischen Gemeinden zum einen und aller Schulen in diesen Gemeinden zum anderen. An den Workshops fiel auf, dass der durchschnittliche Fusionsskeptiker männlich und älter ist.

Die Projektgruppe hatte sechs Wappen- sowie drei Namensvorschläge für die neue Gemeinde ausgearbeitet, über welche die Workshop-Teilnehmer in sechs Gruppen diskutierten. Weitere Themen waren der Umgang mit den Vereinen, dem Gewerbe sowie den Traditionen und Anlässen in den Gemeinden. Noch in diesem Jahr wird es weitere Fusionsworkshops für die Bevölkerung geben.

Traube sehr beliebt

In der konsultativen Abstimmung erhielt sowohl in Andelfingen als auch in Henggart der Gemeindename «Andelfingen» am meisten Punkte. Anders beim Wappen: In Andelfingen kam die blaue Weintraube vor weissem Hintergrund, in Henggart die blaue Traube vor gelbem Hintergrund am besten an. Aber in beiden Workshops lagen diese beiden Wappen auf den ersten beiden Rängen. Die zwei Wappen, auf denen die Farben Grün und Gelb dominieren, kamen in Andelfingen und Henggart schlecht weg – wegen des Thurgauer Wappen (siehe Kasten). Die Kritik am Namen «Wyland-Süd» wegen der Ähnlichkeit zu einer Autobahnausfahrt respektive -raststätte war in Andelfingen (6 Punkte) grösser als in Henggart (19 Punkte).

«Schattengemeinderäte»

Wie in Andelfingen gaben auch in Henggart die vorgesehenen Ortskommissionen zu reden. Sie sollen als Scharnier dienen zwischen den Vereinen in den aufgelösten Gemeinden und der neuen, fusionierten Gemeinde. Um etwaige überzogene Erwartungen zu dämpfen, stellte Fachberater Hans-Rudolf Galliker noch vor den Gruppendiskussionen klar: «Diese Kommissionen sollen keine Schattengemeinderäte sein.» Sie sollen sich um örtliche Vereine, Anlässe, Traditionen und Kultur kümmern. Auch sind solche Kommissionen nur für die erste Legislatur der neuen Gemeinde, also für die ersten vier Jahre, gedacht. Eine Teilnehmerin regte an, die Ortskommissionen dauerhaft einzurichten, eine andere erachtete diese Zwischenebene für gar nicht nötig – auch in der neuen, grösseren Gemeinde seien die Wege so gross nun auch wieder nicht.

«Da können ganz positive Sachen und neue Ideen entstehen, und man lernt neue Leute kennen.»Eine Workshop-Teilnehmerin?

Mehrere Teilnehmer bezeichneten die abnehmende Nähe zu den Behörden als mögliches Risiko der grösseren Gemeinde, die rund 8500 Einwohner hätte. Eine Bürgerin wies hierbei allerdings auch auf einen Vorteil hin: Die unkomplizierte Kontaktaufnahme heute zur Behördenmitgliedern sei die eine, «Soi-Häfeli, Soi-Deckeli» – also Klüngel und Filz – die andere Seite. Immer wieder wurde die Befürchtung geäussert, dass die kleinen Orte und deren Vereine und Anlässe in der grossen Gemeinde benachteiligt werden könnten. So fragte jemand als Beispiel sinngemäss: Wieso sollte jemand aus Thalheim einer Strassensanierung in Humlikon zustimmen? Auch die Angst vor grösserer Anonymität und weniger Teilnehmern an den Gemeindeversammlungen wurde genannt.

«Gar nicht so schlimm»

Doch es gab auch viele zuversichtliche Voten. So sagte eine ältere Frau, dass man sich die fusionierte Gemeinde jetzt vielleicht noch nicht richtig vorstellen könne. «Aber da können ganz positive Sachen und neue Ideen entstehen, und man lernt neue Leute kennen.» Wenn man zusammen sei, müsse man zu Einigungen kommen, «das ist gar nicht so schlimm». Eine andere, jüngere Frau meinte, dass man jetzt noch aus der Stärke heraus handeln und selber entscheiden könne, ohne Druck, was eine grosse Chance sei.

Jemand bezeichnete es als wenig sinnvoll, wenn die heutigen sechs Gemeindeverwaltungen sechs Mal die gleiche Arbeit erledigen. Auch könne eine einzige Verwaltung länger offen haben und einfacher gutes Personal finden. Und zu den angeblich längeren Wegen zur neuen Verwaltung konterte jemand: Immer mehr Dinge liessen sich heute online erledigen, wodurch sich der Gang zur Gemeinde immer häufiger erübrigt. Die Angst, dass die ortstypischen Traditionen und Anlässe verschwinden könnten, teilte jemand nicht – im Gegenteil: Traditionen könnten sogar einen Aufschwung erleben, weil in der grösseren Gemeinde mehr Personen erreicht werden.

«Chance sehr gross»

Bis zum Sommer wird ein Bericht erstellt, in den die Inputs der beiden Workshops einfliessen. Bindend sind die Empfehlungen aus der Bevölkerung zwar nicht. Berater Galliker sagte aber: «Die Chance, dass das Wappen nicht grün-gelb wird, ist sehr gross» – Erheiterung in der Wylandhalle Henggart.

Erstellt: 19.04.2019, 16:25 Uhr

Gemeindefusion Andelfingen

«Finger weg vom Wappen»

Die grün-gelben Wappenvorschläge kommen im Raum Andelfingen ganz schlecht an – weil sie an den Thurgau erinnern. Von der Abneigung hat der Nachbarn nun aber Wind bekommen. So schreibt die «Thurgauer Zeitung» in ihrer Glosse «Mosttröpfli» darüber: «Das hätte noch gefehlt. Dass man im Zürcher Weinland unser Wappen klaut.» Immerhin hätten die Workshop-Teilnehmer in Andelfingen ein Einsehen gehabt und selber gemerkt, dass sie das neue Wappen «für ihr Fusionsprodukt» nicht auf einen Diebstahl geistigen Thurgauer Eigentums gründen können. Der Favorit – blaue Traube auf weissem Grund – habe zwar nichts mehr mit dem Thurgauer Wappen zu tun. Dafür ähnele er «frappant dem Logo des Schlittschuhclubs Weinfelden. Eins zu null für den Thurgau».

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